Aktualisiert 18.08.2019 11:09

Krise

Kinos streichen ihr Angebot zusammen

Die Schweizer Kinos leiden, die Zahl der Eintritte ist auf einem Rekordtief. Die Betreiberin Kitag streicht nun ihr Programm zusammen.

von
Stefan Ehrbar
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Die Kinos stecken in der Krise. Noch nie wurden so wenige Tickets verkauft wie letztes Jahr. Die Kette Kitag streicht nun ihr Programm zusammen und zeigt spätabends mit einer Ausnahme keine Filme mehr.

Die Kinos stecken in der Krise. Noch nie wurden so wenige Tickets verkauft wie letztes Jahr. Die Kette Kitag streicht nun ihr Programm zusammen und zeigt spätabends mit einer Ausnahme keine Filme mehr.

Keystone/Anthony Anex
Fürs Erste ist die Gruppe damit allein. Bei der Arena-Gruppe etwa heisst es, eine solche Abschaffung sei nicht geplant. Bei Horror- oder Actionfilmen liefen Spätvorstellungen weiterhin sehr gut.

Fürs Erste ist die Gruppe damit allein. Bei der Arena-Gruppe etwa heisst es, eine solche Abschaffung sei nicht geplant. Bei Horror- oder Actionfilmen liefen Spätvorstellungen weiterhin sehr gut.

Keystone/Ennio Leanza
Nur noch 1,4 mal besuchte 2018 ein Schweizer laut BFS durchschnittlich pro Jahr ein Kino. 1980 waren es noch 3,3 Eintritte gewesen.

Nur noch 1,4 mal besuchte 2018 ein Schweizer laut BFS durchschnittlich pro Jahr ein Kino. 1980 waren es noch 3,3 Eintritte gewesen.

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Die Kinos stecken in der Krise. Noch nie wurden so wenige Tickets verkauft wie letztes Jahr, wie aus einem Bericht des Bundesamt für Statistik (BFS) hervorgeht. Noch 12 Millionen Eintritte wurden gezählt. Das entspricht fast einer Halbierung gegenüber vor 30 Jahren. Diese Entwicklung geht auch an der grössten Schweizer Kinobetreiberin, der Swisscom-Tochter Kitag, nicht spurlos vorbei. Sie streicht nun ihr Angebot für Nachtschwärmer zusammen.

Per sofort gibt es in den Kitag-Kinos in Basel, Bern, Biel, Luzern, St. Gallen, Winterthur und Zürich keine Spätvorstellungen mehr an den Wochenenden. Einzige Ausnahme bildet das neue Multiplex-Kino in Muri bei Bern. Das Interesse habe sehr stark abgenommen, bestätigt die Kette entsprechende Informationen von 20 Minuten. Noch Ende April versuchte es Kitag mit einer Preisanpassung und senkte die Tickets für die Nachtvorstellungen auf 10 Franken – offenbar ohne Erfolg.

Kitag ist allein

In Einzelfällen und bei sehr grossen Filmstarts sei es weiterhin möglich, dass an einem Freitag- oder Samstagabend sporadisch Spätvorstellungen stattfinden, sagt Kitag-Sprecherin Olivia Willi. Andere Betreiber halten vorerst an den späten Vorstellungen fest: Die Kinobetreiberin Pathé hat sie weiterhin in ihrem Programm und auch die Kinokette Arena setzt weiterhin auf sie.

Allerdings funktionierten Spätvorstellungen nur bei gewissen Filmen, sagt Arena-Sprecher Beat Glur. Im Normalfall seien das Action- und Horrorfilme oder Thriller. «Wenn wir solche Filme haben, sind die Vorstellungen gut besucht.» Offenbar komme auch gut an, dass diese Vorstellungen ohne Pause gespielt würden. «Wir haben daher nicht vor, diese abzuschaffen.»

1,4 Eintritte pro Jahr

Nur noch 1,4 mal besuchte 2018 ein Schweizer laut BFS durchschnittlich pro Jahr ein Kino. 1980 waren es noch 3,3 Eintritte gewesen. Während kleine Kinos in Innenstädten schliessen, werden weiterhin neue Multiplex-Kinos mit mehreren Sälen gebaut.

So schliesst die Kitag bis Ende Jahr zwei Säle in Basel, will aber in Muttenz BL ein neues Multiplex-Kino eröffnen. Auch in Bern schloss die Kitag Innenstadt-Säle und eröffnete dafür in Muri einen neuen Multiplex-Bau. Gleich geht die Gruppe in Luzern vor.

Die Kette Pathé wiederum eröffnete kürzlich in Spreitenbach AG einen grossen Kinotempel, die Arena-Gruppe tat es ihr in Netstal GL gleich. Zudem will letztere im Basler Einkaufszentrum Stücki ein neues Multiplex-Kino bauen. Statt der ursprünglich geplanten 17 Säle sind aber nur noch 14 Säle geplant. Der Titel des nach Sälen grössten Schweizer Kinos bleibt damit beim Sihlcity-Kino der Arena-Gruppe.

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