Kiosk-Chef in die Wüste geschickt
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Kiosk-Chef in die Wüste geschickt

Die Valora kommt trotz Restrukturierung nicht vom Fleck. Das wichtige Kioskgeschäft schreibt Verluste und hat Valora das Halbjahresergebnis verhagelt. Das hat nun personelle Konsequenzen: Retail-Chef Manfred Zipp muss gehen.

Der Abgang erfolge im «gegenseitigen Einvernehmen», wie Valora am Montag mitteilte. Die Führung der Sparte, zu der auch das ungenügend rentierende Kioskgeschäft gehört, übernimmt per sofort Konzernchef Peter Wüest.

Der 52-jährige Zipp war per 1. Juni 2006 zum Chef der Sparte ernannt worden. Er sollte die Division auf Vordermann bringen und namentlich das Kioskgeschäft zum Erfolg führen. Das gelang ihm nicht. Nach dem unbefriedigenden Halbjahresergebnis hat nun Wüest laut Valora-Mitteilung die Führung dieses Bereiches als seine Hauptaufgabe erklärt.

Gewinneinbruch im Halbjahr

Das Berner Unternehmen hatte am Freitag überraschend für das erste Halbjahr einen Gewinneinbruch von 55 Prozent gemeldet. Die Zahlen, die mit einer Art Ertragswarnung verbunden waren, hatten an der Börse wie eine kalte Dusche gewirkt und einen Kursrutsch der Aktien bewirkt.

Der Reingewinn fiel von 27 Mio. Fr. im Vorjahr auf 12 Mio. Fr. zurück und das Betriebsergebnis reduzierte sich um 23 Mio. Fr. auf 17 Mio. Franken. Mit 1,433 Mrd. Fr. setzte das Unternehmen praktisch gleich viel um wie im Vorjahreszeitraum (1,432 Mrd. Franken). Das Ergebnis wurde von Marktbeobachtern als «katastrophal» bezeichnet.

Schuld am schlechten Ergebnis ist das Kerngeschäft Kiosk Schweiz. Hier habe der «Trend zu sinkenden Erlösen» bei Tabak und Presseerzeugnissen angehalten, teilte Valora mit. Hinzu kam ein Umsatzverlust bei Non-Food und Dienstleistungen. Zudem beanspruchten die eingeleiteten Massnahmen zur Ertragssteigerung mehr Zeit als erwartet.

Verklausulierte Gewinnwarnung

Der Konzern erwartet für das zweite Halbjahr eine Ergebnisverbesserung im operativen Geschäft. Die fehlenden Erträge aus den ersten sechs Monaten werde das Unternehmen jedoch nicht kompensieren können, hiess es.

Die Valora-Aktie brach am Freitag nach Bekanntgabe der Halbjahreszahlen ein und verlor zeitweise bis zu 14 Prozent. Dank Deckungskäufen lag der Titel bis zum Schluss bei 254.25 Fr. nur noch 8,4 Prozent im Minus.

Am Montag wurde der Handel mit Valora-Aktien vor der Bekanntgabe des Abgangs von Zipp vorübergehend vom Handel suspendiert. Nach Wiederaufnahme gab der Titel weiter nach und lag zwischenzeitlich mit gegen 1,2 Prozent im Minus. Bei einem nervösen Handel stand der Titel um 15.15 Uhr mit 0,5 Prozent im Plus bei 255.25 Franken.

Verpasste Chance

Valora hatte im vergangenen Oktober dem an einer Übernahme interessierten französischen Kioskbetreiber Hachette die kalte Schulter gezeigt. Die zum Lagardère-Konzern gehörende Hachette wollte 330 Fr. pro Aktie zahlen. Möglicherweise keimten nun die Übernahmespekulationen wieder auf, hiess es am Markt.

Valora wird am Dienstag an einer Medienkonferenz die detaillierten Halbjahresresultate sowie konkrete Massnahmen zur Rentabilitätssteigerung im Kioskgeschäft präsentieren. Das Kioskgeschäft in der Schweiz steht für rund ein Drittel des Gruppenumsatzes. (sda)

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