Aktualisiert 18.12.2008 16:54

VandalismusKirche muss wegen jungen Säufern dichtmachen

Keine Ehrfurcht vor dem Gotteshaus: Jugendliche hielten in der Kirche Melchnau Saufgelage ab, randalierten und übernachteten sogar auf den Kirchenbänken. Zum ersten Mal seit 300 Jahren muss nun die Kirche ihre Türen schliessen.

von
Adrian Müller

Die Kirche als Wallfahrtsort der Jung-Säufer: «Die Jugendlichen rissen Haken aus den Kirchenbänken, sammelten die Stuhlkissen ein und schliefen darauf», empört sich Alfred Anliker, Kirchgemeindepräsident von Melchnau BE. Dazu hätten die Teenager ausgiebig Bier getrunken und laute Musik gehört - ohne danach ihren Dreck aufzuräumen. «Die liessen einfach alles liegen», sagte Sigrist Hansueli Marti gegenüber der «Berner Zeitung». Das Verhalten der Saufbolde hat nun Konsequenzen: Zwischen 18 Uhr und 6.30 Uhr bleibt die Kirche ab sofort geschlossen – erstmals in der der 300-jährigen Geschichte des Gotteshauses.

Polizei soll vor Kirche patrouillieren

Früher traf sich die Melchnauer Jugend beim Schulhaus und der Bushaltestelle, nun suchten sie vermehrt das schmucke Kirchlein auf. Aufgebrachte Anwohner wollen aber sogar gesehen haben, dass viele der Halbwüchsigen extra von Langenthal anreisten, um sich bei der Kirche zu vergnügen. Laut Anliker hat sich die Situation seit dem Sommer kontinuierlich verschlimmert: «Im Herbst zerstörten Vandalen eine massive Holzbank im Kirchenpark.» Der «Landsheiri» habe ihn nur mit viel Aufwand flicken können. Die Kirchgemeinde hat nun die Nase voll von den Trinkgelagen: Die Polizei muss an den Wochenenden vermehrt beim Gotteshaus vorbeischauen, fordert die Kirchgemeinde.

Vandalen legten Feuer

Polizeifahrzeuge vor Gotteshäusern, dieses Bild passt gar nicht in die Adventszeit. «Kirchen müssen offen sein», fordert denn auch Thomas Gehrig, Kommunikationschef der reformierten Kirche Bern-Jura-Solothurn. Denn die Gotteshäuser würden sich immer mehr zu Orten entwickeln, wo die Menschen einfach «in sich gehen können», unabhängig davon, ob ein Gottesdienst stattfindet. Dass sich aber Teenager in eine Kirche zurückziehen, sei nicht nur deren Schuld. Wenn Jugendliche beispielsweise durch Securitas von der Post vertrieben würden, landeten sie halt bei der Kirche, so Gehrig. «Solche Vandalenakte wie in Melchnau sind aber eher selten», stellt er klar. Vor Jahren hätten Jugendliche etwa in der Kirche Oberbipp ein kleines Feuer gemacht, um sich «warmzuhalten».

Sigrist Hansueli Marti, der die Schweinereien bei der Kirche Melchnau aufräumen muss, hat trotz allem den Humor nicht verloren: «Wenn all diese Jugendliche nur sonntags in die Kirche kämen ...»

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