Sexuelle Übergriffe an Kindern - Kita-Leiter hatte bis zur Verhaftung einwandfreien Leumund
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Sexuelle Übergriffe an KindernKita-Leiter hatte bis zur Verhaftung einwandfreien Leumund

Am Donnerstag muss sich vor dem Baselbieter Strafgericht der ehemalige Leiter einer Allschwiler Kindertagesstätte verantworten. Er wurde er von einer Mitarbeiterin bei einem sexuellen Übergriff an einem Vierjährigen beobachtet.

von
Lukas Hausendorf
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Einem ehemaligen Kita-Betreuer werden mehrfache sexuelle Handlungen mit Kindern zur Last gelegt. Der Deutsche arbeitete in einer Kinderkrippe in Allschwil BL. Am 6. Dezember 2019 wurde der Mann verhaftet. 

Einem ehemaligen Kita-Betreuer werden mehrfache sexuelle Handlungen mit Kindern zur Last gelegt. Der Deutsche arbeitete in einer Kinderkrippe in Allschwil BL. Am 6. Dezember 2019 wurde der Mann verhaftet.

Leser-Reporter
Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Beschuldigte während seiner Tätigkeit in einer Kinderkrippe in Allschwil mutmasslich mehrfach sexuelle Handlungen an Kindern vorgenommen hatte.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Beschuldigte während seiner Tätigkeit in einer Kinderkrippe in Allschwil mutmasslich mehrfach sexuelle Handlungen an Kindern vorgenommen hatte.

20 Minuten 
Globegarden trennte sich noch am gleichen Tag fristlos von dem Beschuldigten.

Globegarden trennte sich noch am gleichen Tag fristlos von dem Beschuldigten.

20 Minuten 

Darum gehts

  • Ein 36-jähriger ehemaliger Kita-Leiter muss sich wegen sexuellen Handlungen mit Kindern ab Donnerstag vor Gericht verantworten.

  • Der Beschuldigte wurde bei einem Übergriff am 6. Dezember 2019 von einer Arbeitskollegin beobachtet, die ihn zur Rede stellte und die Polizei alarmierte.

  • Der ausgebildete Erzieher verfügte bis zu seiner Anstellung bei der Allschwiler Kita, wo es zu den Übergriffen kam, über einen einwandfreien Leumund.

Am 6. Dezember flog der Erzieher auf. Eine Mitarbeiterin der Allschwiler Kindertagestätte, deren Chef der 36-Jährige bis zu jenem Tag war, sah, wie er im Schlafraum den Penis eines vierjährigen Buben oral stimulierte. Die Mitarbeiterin sprach ihn darauf an, da hörte er sofort damit auf. Sie alarmierte im Anschluss auch gleich die Polizei, die den Mann festnahm. Globegarden, die Betreiberin der Kindertagestätte, entliess ihn fristlos. In einer Mitteilung hiess es dann, der Mitarbeiter sei bei einer «Grenzüberschreitung im sexuellen Bereich» beobachtet worden.

Bis dahin war die berufliche Karriere des Deutschen aus Lörrach geradlinig. Er verfügte ebenfalls über einen einwandfreien Leumund. Sein Sonderprivatauszug des schweizerischen Strafregisters war sauber. Bei der Anstellung habe es keine Hinweise gegeben, die gegen ein Arbeitsverhältnis gesprochen hätten, betonte Globegarden in einer früheren Stellungnahme.

Sauberer Leumund und steile Karriere

Der ausgebildete Erzieher machte zuvor bei einer Basler Kindertagesstätte steil Karriere. Innert zwei Jahren wurde er vom Gruppen- zum Kita-Leiter befördert, bis er Ende 2018 kündigte. Die Auflösung des Arbeitsverhältnisses dort stand aber in keinem Zusammenhang mit den Anschuldigungen, wegen derer er sich nun ab Donnerstag vor dem Baselbieter Strafgericht verantworten muss. «Wir sind geschockt», teilte der damalige Arbeitgeber im Dezember 2019 mit, nachdem er von den Übergriffen in Allschwil erfuhr.

Die darauffolgende Strafuntersuchung förderte noch weiter Übergriffe zutage. So soll es gemäss Anklage ab April 2019, also nur wenige Monate nach Stellenatritt in der Allschwiler Kita, zu ersten Übergriffen gekommen sein.

Als «Tatort» für seine Vergehen an den Buben wählte er regelmässig den Schlafraum der Kita, wo er die Kinder regelmässig alleine betreute. Von einem Buben, dem er Body und Windel abzog, fertigte er mit dem Handy Fotos in verschiedenen Liegepositionen an. Die Ermittler fanden auf seiner Festplatte bei der Hausdurchsuchung seiner Kleinbasler Wohnung 50 Aufnahmen des Knaben. Und weitere verbotene Pornografie.

Haft ist endlich, Berufsverbot nicht

Der Beschuldigte befindet sich bereits im vorzeitigen Strafvollzug in der Strafanstalt Bostadel. Er ist der mehrfachen sexuellen Handlungen mit Kindern, mehrfacher Schändung, mehrfacher Verletzung des Geheim- oder Privatbereichs durch Aufnahmegeräte sowie mehrfacher Pornografie angeklagt. Die Staatsanwaltschaft wird ihren Strafantrag erst im Rahmen der Pladoyers bekannt geben. Da die Dreierkammer den Fall verhandelt, wird der maximale Strafrahmen unter fünf Jahren liegen. Es kann allerdings die sogenannte kleine Verwahrung angeordnet werden. Die Haftstrafe wird dabei zugunsten einer therapeutischen Massnahme aufgeschoben, diese muss nach fünf Jahren überprüft werden und kann um jeweils höchstens fünf Jahre verlängert werden.

Im Falle einer Verurteilung drohen zudem ein lebenslanges Verbot jeglicher beruflicher oder organisierter ausserberuflicher Tätigkeit, die einen regelmässigen Kontakt zu Minderjährigen umfasst. Zudem droht dem deutschen Staatsangehörigen ein mehrjähriger Landesverweis. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Bist du minderjährig und von sexualisierter Gewalt betroffen? Oder kennst du ein Kind, das sexualisierte Gewalt erlebt?

Hier findest du Hilfe:

Polizei nach Kanton

Kokon, Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene

Castagna, Opferhilfe für Betroffene und Angehörige

Beratungsstellen der Opferhilfe Schweiz

Opferberatungsstelle Kinderspital Zürich

Pro Juventute, Tel. 147

Bist du selbst pädophil und möchtest nicht straffällig werden? Hilfe erhältst du beim Institut Forio.

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