07.02.2020 05:46

Neue Vorwürfe

Kita soll Kinder im Keller versteckt haben

Bei einer Kontrolle in einer Globegarden-Kita sollen Kinder im Keller versteckt worden sein, weil zu wenig Betreuungspersonen anwesend waren.

von
dgr
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In einem Artikel im Onlinemagazin «Republik» haben ehemalige Mitarbeiterinnen schwere Vorwürfe gegen die Kinderkrippen-Kette Globegarden erhoben. (Symbolbild)

In einem Artikel im Onlinemagazin «Republik» haben ehemalige Mitarbeiterinnen schwere Vorwürfe gegen die Kinderkrippen-Kette Globegarden erhoben. (Symbolbild)

Monika Skolimowska
So sei etwa ein Baby von einem Wickeltisch gefallen, ein anderes Kind sei im Wald verloren gegangen.  (Symbolbild)

So sei etwa ein Baby von einem Wickeltisch gefallen, ein anderes Kind sei im Wald verloren gegangen. (Symbolbild)

Monika Skolimowska
Ausserdem werde beim Essen gespart, um die Kosten tief zu halten. (Symbolbild)

Ausserdem werde beim Essen gespart, um die Kosten tief zu halten. (Symbolbild)

Christian Charisius

24 ehemalige und aktuelle Angestellte haben sich laut eines Artikels beim Online-Magazin «Republik» gemeldet, seit dieses das letzte Mal Vorwürfe gegen Globegarden erhoben hatte. Darunter fünf ehemalige Kita-Leiterinnen, die die Vorwürfe unabhängig voneinander bestätigten. Sie weisen auf bisher unbekannte Missstände hin. Im Zentrum stehen gefälschte Präsenzlisten und versteckte Kinder.

Kindertagesstätten werden in der Schweiz regelmässig kontrolliert. Diese Kontrollen werden in den meisten Fällen angekündigt. Auf den Präsenzlisten der Kitas wird aufgeführt, wie viele Betreuungspersonen und Kinder an jedem Tag anwesend waren. Je nach Kanton dürfen auf eine Betreuerin nicht mehr als fünf bis sieben Kinder kommen.

Kinder von der Liste gestrichen?

Bei angekündigten Kontrollen sollen Mitarbeiter angewiesen worden sein, die Präsenzlisten zu manipulieren: Es seien Namen von Erzieherinnen auf die Liste gesetzt worden, die gar nicht anwesend waren, oder Kinder seien von den Listen entfernt worden, die an diesem Tag die Kita besuchten. In wie vielen Fällen dies passiert sein soll, ist dem Artikel nicht zu entnehmen.

Ausserdem seien kurzfristig Schnupperlehrlinge aufgeboten worden, damit während der Kontrolle ausreichend Personal vorhanden gewesen sei. In einem Beispiel aus dem Kanton Zug habe die Regioleitung gar angeordnet, dass überzählige Kinder bei einer unangemeldeten Kontrolle im Keller versteckt werden.

Meldung wegen Kindern im Keller

Der Zuger Sozialvorsteher Urs Raschle bestätigt gegenüber 20 Minuten: «Ende 2018 erfolgte bei einer Zuger Globegarden-Kita eine unangemeldete Kontrolle.» Daraufhin habe das Amt eine Meldung aus dem Umfeld der Kita erhalten, dass sich während der Kontrolle weitere Kinder im Keller aufgehalten hätten. Aufgrund dieser Meldung habe das Amt bei dem Betrieb eine unangemeldete Kontrolle durchgeführt.

Bei dieser Kontrolle habe das Amt dann nichts zu beanstanden gehabt, der Betreuungsschlüssel sei eingehalten worden. Raschle sagt: «Grundsätzlich ist das bei allen drei Kitas der Fall.» Bei Globegarden müsse das Amt aber «immer sehr genau hinschauen».

Geschäftsführerin weist Vorwürfe zurück

Globegarden weist sämtliche Vorwürfe in einer Stellungnahme «in aller Deutlichkeit zurück». «Selbstverständlich werden bei uns keine Kinder versteckt und wir fälschen oder manipulieren auch keine Präsenzlisten», sagt Geschäftsleiterin Christina Mair gegenüber 20 Minuten. Die Behörden erhielten bei Kontrollen stets die volle Einsicht in sämtliche Dokumente, falls dies gewünscht werde.

Mair verweist auf die «sehr komplexen gesetzlichen Rahmenbedingungen», die von Kanton zu Kanton unterschiedlich seien. «Das kann gelegentlich zu Diskussionen darüber führen, wie bestimmte Belegungen korrekt in die geforderten Dokumente einzutragen sind», sagt Mair. Die Zusammenarbeit mit den Behörden sei aber stets transparent und gut.

Mair betont weiter, dass die Recherchen der «Republik» keinerlei Untersuchungen oder rechtliche Konsequenzen nach sich gezogen hätten. «Doch die von der ‹Republik› gegen uns erhobenen Vorwürfe sind massiv und verunsichern zu Unrecht Eltern, Kinder und Mitarbeitende», sagt Mair.

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