Aktualisiert 23.01.2009 10:57

Albrecht-Unfall«Kitzbühel ist einfach Kitzbühel»

Die Mehrheit der Skiprofis ist nach dem Sturz von Daniel Albrecht zutiefst schockiert. Andere versuchen das Ereignis mit erstaunlichem Fatalismus zu verarbeiten. Die Reaktionen der Rennfahrer.

von
Reto Fehr

Nach Daniel Albrecht hätte Hermann Maier auf die Strecke müssen. Er wurde aber in letzter Sekunde noch vom Startrichter zurückgehalten. «Ich habe vermutet, dass es der Zielsprung ist. Nach der Unterbrechung war es für mich als Testpilot nicht einfach, aber ich habe schon gewusst, was auf mich zukommt», so Hermann Maier nach seiner Fahrt.

Klaus Kröll wollte die Bilder nicht sehen

Immerhin musste Maier die Fahrt Albrechts nicht am TV mitverfolgen, wie einige seiner Kollegen. «Das ist nicht schön anzuschauen», bestätigte Didier Cuche dem ORF kurz nach seiner Fahrt. Er fieberte am TV mit seinem Teamkollegen mit, bevor er selber auf die Piste musste. Vor den Bildern weglaufen wollte auch Klaus Kröll, der Trainingsdritte. «Ich bin gleich rüber ins Starthaus, habe versucht das auszublenden.»

Ein anderer hatte zum Zeitpunkt von Albrechts Sturz die Streif bereits hinter sich. Romed Baumann musste sich Albrechts Fehler im Zielraum mitansehen: «Grausig zum Zuschauen, ein Déjà-vu zum letzten Jahr», fasste er zusammen. Aber der junge Tiroler weiss auch, dass dies zu seinem Sport gehört: «Leider macht das auch den Mythos Streif aus, sonst würden nicht immer die Brez'n der letzten Jahre zum Aufwärmen gezeigt.» Da sei die Abfahrt mit der Formel 1 zu vergleichen: «Die wäre ohne Unfälle auch nicht spannend!».

Strodl stürzte an gleicher Stelle

Doch nicht nur der junge Baumann weiss um die Gefahren. Auch der ehemalige österreichische Spitzenfahrer Hansi Hinterseer – der ebenfalls im Zielraum war – stellte fest: «Der Sport ist brutal, die Abfahrt ist immer eine ganz besondere Gratwanderung.» Bei Höchstgeschwindigkeiten wie die 138 km/h von Albrecht beim Zielsprung werden keine Fehler verziehen.

Ganz bange Momente hatte wohl auch Andreas Strodl zu überstehen. Der erst 21-Jährige sah Albrechts Sturz noch im TV am Start – und dann stürzte er an gleicher Stelle: «Dann bin ich selber drüber gefahren und schon sind mir die Ski hochgekommen.» Der Partenkirchener kam allerdings mit dem Schrecken davon.

«Wer da runterfährt, weiss, worauf er sich einlässt»

Auch der Italiener Werner Heel ist geschockt, aber trotzdem gefasst: «Kitzbühel ist einfach Kitzbühel. Wer da runterfährt, weiss, worauf er sich einlässt.» Da hilfts auch nicht, dass der Sprung im Vergleich zum ersten Training etwas entschärft wurde: «Sie haben den Sprung ein bisschen gerader gemacht, aber das hilft auch nichts, wenn man ihn nicht perfekt vorbereitet.»

Der Schock und das Mitgefühl für Daniel Albrecht sind also logischerweise auch bei der Konkurrenz des Wallisers vorhanden. Aber die Abfahrer dürfen sich nicht zu viele Gedanken über solche Stürze machen, sonst schaden sie nur sich selbst. So auch Klaus Krölls Aussage zu seinem Verhalten, als er vor den TV-Bildern «flüchtete»: «Sonst beginnt man nachzudenken, und dann macht man selbst einen Fehler.»

Familie Albrecht besucht Daniel

Die Eltern von Daniel Albrecht mit Bruder Fabian und der Freundin von Daniel sind am späten Nachmittag mit dem Helikopter Richtung Innsbruck abgefahren und werden den Skifahrer im Spital besuchen.

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