Klangmeister
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Sie bestimmen, was wir hören, wer Karriere macht, wer bleibt und wer geht. 20 Minuten week stellt die einflussreichsten Produzenten des Jahres vor.

FLOOD

Er bewarb sich in einem Studio als Teekocher und erhielt dort seinen Spitznamen verpasst. Flood agiert gerne unauffällig, ist aber der Mann für die grossen Kisten, eine Art Anton Corbijn des Mischpultes, der als Toningenieur fast noch gefragter ist denn als Produzent. U2 und Depeche Mode verlassen sich genauso auf den Engländer wie die Nine Inch Nails, Smashing Pumpkins oder PJ Harvey.

Veröffentlichungen 2006: Placebo «Meds»; The Killers «Sam's Town»

RICK RUBIN

Ein schwer begehrter Rauschebart. Seine Karriere begann er mit Hip-Hop und Extrem-Metall, machte die Beastie Boys bekannt und produzierte Slayer. Rubin hat einen extrem breiten Musikgeschmack und versteht sich im Studio vor allem als Coach. Seit er Johnny Cash zur Zusammenarbeit überredete und dessen überragendes Alterswerk betreute, gilt Rubin als Produzenten-Gott.

Veröffentlichungen 2006: Johnny Cash «A Hundred Highways»; Red Hot Chili Peppers «Stadium Arcadium»

DAVE SARDY

Der ehemalige Assistent von Rick Rubin ist ein sicherer Wert für Alternative-Bands. Mit seiner eigenen Band Barkmarket feierte Sardy Erfolge und weiss also, wie sich das Business anfühlt. Besonderes Merkmal: Er löst bei den von ihm betreuten Bands die zwischenmenschlichen Knoten, damit sie wieder zusammenspielen. Ihm vertrauen Jet, Oasis, Supergrass, Helmet oder Hot Hot Heat.

Veröffentlichung 2006: Jet «Shine On»

RICH COSTEY

Vom notorisch mixschwachen Rick Rubin wurde der Amerikaner geholt, um Audioslave den fetten Mixdown zu verpassen. Doch Costey hat mehr drauf. So arbeitete er etwa beim Minimal-Komponisten Philip Glass im Studio und formulierte dort seinen wichtigsten Grundsatz: Warum klingen wie alle anderen? Damit hat sich Costey im Alternative beliebt gemacht, z.B. bei Bloc Party, Franz Ferdinand oder Mars Volta.

Veröffentlichung 2006: Muse «Black Holes And Revelations»

TIMBALAND

Was für ein Schicksal: Timothy Mosley teilte sich den Sandkasten mit Missy Elliott. Später trieben sich die beiden im Studio gegenseitig zu Höchstleistungen. Timbaland steht für einen extrem reduzierten Hip-Hop, der trotz abstrakter Arrangements tanzbar ist. Er betreut keine Künstler «nur» als Produzent, er liefert seinen Sound. Und den wollen alle: J. Lo, TLC, Janet Jackson, Lil' Kim, Justin Timberlake, Pussycat Dolls usw.

Veröffentlichungen 2006: Nelly Furtado «Loose»; Justin Timberlake «Future Sex/Love Sounds»

THE NEPTUNES

Das Produzenten-Duo Pharrell Williams und Chad Hugo gehört zu den begehrtesten Akteuren im Hip-Hop. Die beiden verstehen es meisterhaft, das Wichtigste überhaupt zu liefern: knackige Beats. Die Neptunes setzen dabei auf eine Mischung aus Funk und Elektro. Um diese Tracks reissen sich u.a. Kanye West, Mariah Carey, Snoop Dogg, Gwen Stefani und Garbage. Pharrell hat zudem eine eigene Solokarriere.

Veröffentlichung 2006: Beyoncé «B'Day»

DR. DRE

Er ist so etwas wie die graue Eminenz unter den Studiohexern des Hip-Hop. André Romel Young hat den G-Funk massgeblich mitgeprägt und somit den Westcoast-Sound: Zu Beginn arbeitete der Stiefbruder von Warren G mit Ice Cube, später mit Snoop Dogg und 2Pac. Dann entdeckte er Eminem. In letzter Zeit machte er als Tracklieferant für 50 Cent und The Game von sich reden.

Veröffentlichung 2006: Snoop Dogg «Tha Blue Carpet Treatment»

LINDA PERRY

Mit den 4 Non Blondes hatte sie einen Hit, danach versandete diese Karriere in der Bedeutungslosigkeit. Perry schrieb weiter Songs und plante ein Comeback. Doch ihr Manager gab den Song an Christina Aguilera weiter, die mit der Ballade «Beautiful» einen Überhit landete. Seither arbeitete Perry auch mit Gwen Stefani, Pink und Melissa Etheridge. Vor allem aber entdeckte sie James Blunt.

Veröffentlichungen 2006: Christina Aguilera «Back To Basics»; Dixie Chicks «Taking the Long Way Home»

MAX MARTIN

Britney setzt auf Schwedenpower. Nach einer «Lehre» bei Denniz Pop (er schuf Ace of Base) und ersten Erfolgen mit den Rednex landete Martin Sandberg, wie er richtig heisst, seinen ersten Coup. Das Gespann Martin/Pop übernahm das Songwriting der damals unbekannten Backstreet Boys. Bis zu Pops Tod pushte man gemeinsam auch Britney Spears. Heute schreibt Martin u. a. für Céline Dion und Kelly Clarkson.

Veröffentlichung 2006: Pink «I'm Not Dead»

DJ DANGERMOUSE

In der Produzentenszene ist der Amerikaner derzeit die aufregendste Wundertüte. Er schafft die Verbindung von Hip-Hop und Elektro ebenso locker wie den Schritt in die Kunst. Mit dem Aktionskünstler Banksy veräppelte er die Paris-Hilton-CD. Sein anarchischer Witz verbindet sich mit fundiertem Musikwissen. Diese Fähigkeiten stellte er z.B. den Gorillaz zur Verfügung. Ebenfalls Kunden sind Sparklehorse und The Rapture.

Veröffentlichung 2006: Gnarls Barkley «St. Elsewhere»

Silvano Cerutti

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