Bonus-Debatte: «Klare Ansage wäre besser gewesen»
Aktualisiert

Bonus-Debatte«Klare Ansage wäre besser gewesen»

Die UBS kämpft mit einem angeschlagenen Image. Mit der Ankündigung, dass trotz Staatshilfe für 2008 Boni ausbezahlt würden, hat sich die Bank weiter ins Abseits gestellt. Wie es um die Marke UBS steht, erklärt Sven Henkel von der Uni St. Gallen.

von
Cyprian Zajac

20 Minuten Online: Herr Henkel, wie steht es zurzeit um das Image der Grossbank UBS?

Grundsätzlich muss man hier zwischen dem Image der Bank in der Schweiz und dem Image international unterscheiden. In der Schweiz hat sich die Entwicklung der vergangenen Monate sicherlich negativ auf den Ruf der Marke UBS ausgewirkt. International steht die Bank weiter als stabiles und bedeutendes Institut da, welches wie alle anderen auch mit der aktuellen Krise zu kämpfen hat.

Ist diese Boni-Ankündigung für die UBS nicht ein Marketing-Supergau?

Das ist sicher eine schwierige Situation für die Grossbank, jedoch ist der Weg der ehrlichen und nachvollziehbaren Kommunikation sicher der bessere. Weitaus schlimmer wäre es, wenn das Unternehmen versucht hätte, alles unter den Teppich zu kehren, wie es beispielsweise einige US-Banken in der Vergangenheit getan haben. Den Schweizer Bürgern und Kunden die Notwendigkeit dieses Schrittes zu erklären, wird sicher die Herausforderung sein, um das Vertrauen zurückzugewinnen.

Die ganze Situation wäre sicherlich nicht so angespannt, wenn die UBS von Anfang an kommuniziert hätte, dass diese Boni für die erfolgreich arbeitenden Manager sind. Hat die Kommunikationsabteilung der Bank einen Bock geschossen?

Natürlich wäre eine klare Ansage besser gewesen. Jedoch ist das bei internationalen Konzernen, so wie die UBS einer ist, nicht so einfach. Es dauert seine Zeit bis internationale Führungskräfte und der Verwaltungsrat alle Details festlegen. Die Entscheidungswege sind sehr lang und darunter leidet auch die Kommunikationsabteilung. Ausserdem hat die UBS mehrfach betont, dass die Boni sich an Mitarbeiter in unteren Hierarchiestufen richten: Konzernleitung und unter Umständen auch andere Kader gehen leer aus.

Diese Bonuszahlungen sind sicherlich in Verträgen festgelegt. Wenn die nicht eingehalten werden, würden der UBS eventuell Klagen drohen. Sind Bonuszahlungen die einzige Lösung, oder gäbe es einen anderen Weg?

Meiner Kenntnis nach wird auch nach Optionen gesucht. Was ich aber sagen kann ist, dass die Boni nicht an das obere Management gehen werden, sondern an Risk-Manager und andere, die in dieser Zeit sicher viel Arbeit leisten, um den Schaden in Grenzen zu halten. Zusätzlich muss man festhalten, dass in der Finanzbranche generell ein Teil des Lohnes als variabel im Arbeitsvertrag festgehalten ist. Bei Top Managern macht der fixe Anteil teilweise sogar nur 20 Prozent aus. Würde der variable Teil komplett wegbrechen, käme mancher Angestellte mit tiefem Fixlohn in Existenznöte, was auch nicht sinnvoll ist. Die Bank muss auch darauf achten, dass ihr Business läuft und dafür braucht es auch erfahrene, einsatzbereite Angestellte und Know-how. Nur so wird die Bank den Kredit des Staates zurückzahlen können.

Was kann die UBS machen um ihren Image-Schaden zu beheben?

Das kann nicht über die Medien geschehen. Wichtig ist, dass die Bank ihre Mitarbeiter, vor allem diejenigen an der Front, gut schult. Die Mitarbeiter müssen den Kunden die globalen Auswirkungen und die Notwendigkeit dieses Schrittes erklären, damit diese wieder Vertrauen in die Bank finden.

Wie reagieren die Schweizer auf die angekündigten Bonuszahlungen der UBS?

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Hat die Politik versagt?

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(Videos: 20 Minuten Online/Debby Galka und Kaja Eggenschwiler)

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