15.09.2020 22:00

AbstimmungsumfrageKlares Ja zu Vaterschaftsurlaub und Jets, offenes Rennen beim Jagdgesetz

Die Begrenzungsinitiative dürfte deutlich abstürzen, dagegen können Kampfjet-Fans jubilieren: Die 20-Minuten-/Tamedia-Abstimmungsumfrage zeigt hier klare Trends. Ein offenes Rennen gibt es beim Jagdgesetz.

von
Pascal Michel
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Das neue Jagdgesetz sieht vor, dass schon Wölfe, die auffällig sind, abgeschossen werden können.

Das neue Jagdgesetz sieht vor, dass schon Wölfe, die auffällig sind, abgeschossen werden können.

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Im Fokus des Gesetzes steht der Wolf. Gegner befürchten aber, dass auch andere Tiere geschossen werden könnten.

Im Fokus des Gesetzes steht der Wolf. Gegner befürchten aber, dass auch andere Tiere geschossen werden könnten.

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Während das Hauptargument der Befürworter der stetig wachsende Wolfsbestand ist, hält das Nein-Komitee dagegen, dass «Problemwölfe» bereits heute abgeschossen werden könnten.

Während das Hauptargument der Befürworter der stetig wachsende Wolfsbestand ist, hält das Nein-Komitee dagegen, dass «Problemwölfe» bereits heute abgeschossen werden könnten.

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Darum gehts

  • Die exklusive 20-Minuten-Umfrage zeigt, wo die Stimmberechtigten stehen.
  • Bei der BGI, den Kampfjets und dem Vaterschaftsurlaub zeigen sich klare Trends.
  • Offen ist der Ausgang beim neuen Jagdgesetz.

Beide Seiten kämpfen mit emotionalen Kampagnen für oder gegen den Wolf: Während die Befürworter des neuen Jagdgesetzes vor übel zugerichteten Schafen warnen und das Raubtier stärker regulieren wollen, zielen die Gegner auf das «missratene Gesetz» und setzen dabei auch auf Bilder von putzigen Jungwölfen. Das neue Gesetz sieht unter anderem vor, dass auch Wölfe, die noch keine Schäden verursacht haben, aber auffällig sind, abgeschossen werden können.

Die dritte Welle der Abstimmungsumfrage von 20 Minuten/Tamedia (siehe Box) zeigt nun, dass es beim Jagdgesetz auf ein sehr knappes Rennen hinausläuft. Aktuell sprechen sich 48 Prozent gegen und 49 Prozent für die Vorlage aus. Damit ist der Ausgang offen. Es zeichnet sich ab, dass die noch Unentschlossenen das Zünglein an der Waage sein könnten und die Vorlage auf beide Seiten kippen kann. Unentschlossen äussern sich derzeit drei Prozent der Stimmberechtigten. Das Hauptargument für die Vorlage ist laut Umfrage der stetig wachsende Wolfsbestand, und das meistgenannte Gegenargument ist, dass «Problemwölfe» bereits mit dem heutigen Gesetz abgeschossen werden könnten.

Ebenfalls zu einem Kopf-an-Kopf-Rennen dürfte es bei der Vorlage zur Erhöhung des allgemeinen Kinderabzugs kommen. Stand heute wollen den Plänen des Parlaments 51 Prozent folgen, 46 Prozent sind dagegen. Das stärkste Argument der Befürworter ist, es sei nötig, Familien finanziell zu entlasten, während die andere Seite betont, dies sei ein Steuergeschenk für diejenigen Familien mit den höchsten Einkommen.

Deutlichere Trends zeigen sich dafür bei den übrigen Vorlagen. Auf sehr grosse Zustimmung bei den Stimmbürgerinnen und Stimmbürgern stösst der zweiwöchige Vaterschaftsurlaub. Zwei Wochen vor der Abstimmung wollen 70 Prozent Ja sagen und nur 28 Prozent ein Nein einlegen. Ganze 84 Prozent der stimmberechtigten unter 35-Jährigen stimmen der Vorlage zu.

Die Hauptargumente sind hier seitens der Unterstützer, dass der Urlaub ein Schritt Richtung Gleichstellung sei und dass Väter nach der Geburt Verantwortung übernehmen wollten. Jene, die den Urlaub ablehnen, finden dagegen, der Staat müsse sich nicht einmischen und viele Grosskonzerne würden bereits einen Vaterschaftsurlaub kennen.

Mehrheit für neue Jets

Bei der Beschaffung neuer Kampfjets für sechs Milliarden Franken konnte das Ja-Lager im Vergleich zur letzten Umfrage von 58 auf 65 Prozent Zustimmung nochmals zulegen. 34 Prozent sind – Stand heute – dagegen. Weiterhin stehen Frauen der Jet-Beschaffung kritischer gegenüber (58 Prozent Zustimmung bei den Frauen, 71 Prozent bei den Männern). Das wichtigste Argument für das Geschäft ist, dass die bestehende Jet-Flotte in die Jahre gekommen sei. Die Gegner führen am häufigsten ins Feld, die Schweiz brauche höchstens eine Luftpolizei mit leichten Jets.

Einen schweren Stand hat die Begrenzungsinitiative der SVP. Sie fordert, die Zuwanderung eigenständig zu steuern und die Personenfreizügigkeit auf dem Verhandlungsweg zu beenden. Laut Umfrage lehnen 65 Prozent der Stimmberechtigten knapp zwei Wochen vor der Abstimmung die Vorlage ab. 33 Prozent wollen ein Ja einlegen. Die Initiative findet nur bei SVP-Sympathisanten eine Mehrheit. Wie bei ähnlichen Vorlagen zeigt sich ein «Polenta-Graben» mit einer stärkeren Unterstützung der Vorlage im Tessin (45 Prozent Ja-Anteil) ab.

Die Umfrage

In Zusammenarbeit mit LeeWas führen 20 Minuten und Tamedia auf ihren Newsportalen umfassende Abstimmungs- und Wahlumfragen durch. 20’310 Personen aus der ganzen Schweiz haben vom 10. bis 11. September online an der 3. Welle der 20+Minuten-/Tamedia-Umfrage zu den eidgenössischen Abstimmungen vom 27. September 2020 teilgenommen. Die Umfragedaten werden nach demografischen, geografischen und politischen Variablen modelliert. Der Fehlerbereich liegt bei 1,2 Prozentpunkten.
Weitere lnformationen: tamedia.ch/umfragen

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873 Kommentare
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Rob de Bob

16.09.2020, 18:52

Scheinbar hat die BGI eine Chance, denn diesem Umfrageergebnis kann ich nicht trauen. Lasst euch nicht entmutigen und geht zahlreich JA stimmen.

Parteiloser

16.09.2020, 18:42

Forschungsinstitute haben Hochkonjunktur mit ihren Meinungsumfragen. Darf gar nicht daran denken was das kostet und eigentlich unnötig ist. Wichtig ist das wir uns informieren und aktiv an unseren direkten Demokratie mitmachen. Ich werde als nicht SVPler ein überzeugtes JA einlegen zur BGI und danke der SVP das wir die Möglichkeit haben darüber abzustimmen. In der EU währen so viele froh wenn sie Abstimmen dürften und nicht nur Politiker wählen.

Carmen

16.09.2020, 15:43

Geht wählen! Dann wär zumindest das resultat representativ.