Aktualisiert 06.06.2005 07:39

Klares Ja zur Homo-Ehe

Schwule und Lesben können ihre Lebensgemeinschaft künftig in der ganzen Schweiz rechtlich absichern.

Mit einem klaren Ja hat das Volk am Wochenende das Gesetz über die eingetragene Partnerschaft gleichgeschlechtlicher Paare angenommen.

Das neue Gesetz ermöglicht es Schwulen und Lesben, ihre Partnerschaft auf dem Zivilstandsamt registrieren zu lassen. Für die eingetragenen Paare gelten weitgehend die gleichen Rechte und Pflichten wie für Ehepaare, namentlich betreffend Vorsorge, Erbrecht und Steuern. Keinen Zugang haben sie zur Adoption und zu Methoden der künstlichen Fortpflanzung.

Das von der EVP und der EDU mit dem Referendum bekämpfte Partnerschaftsgesetz passierte mit 1 557 672 (58,0 Prozent) Ja gegen 1 126 578 (42,0 Prozent) Nein. Die Schweiz ist das erste Land, das die Homosexuellen-Partnerschaft per Volksentscheid anerkennt.

Laut Bundespräsident Samuel Schmid tritt das neue Gesetz frühestens auf den 1. Januar 2007 in Kraft. Es müsse noch auf Verordnungsstufe und in den Kantonen umgesetzt werden, sagte Schmid am Sonntag vor den Medien.

Adoptionen sind kein Thema

Im Lager der Befürworter herrschte am Sonntag Einigkeit darüber, dass die Schweiz einen wichtigen Schritt zur Gleichberechtigung Homosexueller unternommen habe. Das Resultat sei ein Zeichen dafür, dass Homosexuelle gesellschaftlich akzeptiert würden, sagte Nicole Béguin, Co-Präsidentin der Lesbenorganisation Schweiz (LOS).

Die LOS und der Schwulen-Dachverband Pink Cross bekräftigten, dass sie nun keine Adoptionen und künstliche Befruchtungen für gleichgeschlechtliche Paare fordern werden. Dieses Thema stünde nicht zur Debatte, sagte Lilian Schaufelberger, Co-Präsidentin des Befürworterkomitees, gegenüber Schweizer Fernsehen (SF) DRS.

SP, CVP, FDP und Grüne erklärten übereinstimmend, mit der Annahme der Vorlage sei ein wichtiger Schritt zur Anerkennung von Schwulen und Lesben getan worden. Zufrieden ist auch der Schweizerische Evangelische Kirchenbund (SEK). Die evangelischen Kirchen sind daran, kirchliche Segnungen für homosexuelle Paare vorzubereiten.

«Bedenkliche Entwicklung»

Von einer «bedenklichen Entwicklung» sprach Nationalrat Ruedi Aeschbacher (EVP/ZH), Co-Präsident des Referendumskomitees. Heute bestehe ein Trend dazu, sich so wenig wie möglich an gesellschaftliche Leitplanken zu halten. Die SVP befürchtet, dass nun die Forderung nach der Registrierung von Konkubinatspaaren laut wird.

Enttäuschung herrscht auch bei der Schweizerischen Bischofskonferenz (SBK): Gut sei nicht, was eine Mehrheit erziele, sondern was auf Werten basiere, sagte der bischöfliche Kanzler Nicolas Betticher gegenüber SF DRS.

(sda)

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.