17.08.2015 22:18

Miefige Schulzimmer

Klassen werden grösser – Luft wird dicker

Wegen steigender Klassengrössen herrscht in Schulzimmern immer öfter schlechte Luft. Das beeinträchtigt das Lernen. Nun soll eine Studie zum Thema durchgeführt werden.

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qll/sda
Am Montag hat in mehreren Kantonen die Schule wieder begonnen.

Am Montag hat in mehreren Kantonen die Schule wieder begonnen.

«Neue Studien aus dem Ausland zeigen, dass dicke Luft ernst zu nehmende Folgen auf die Leistung und den Gesundheitszustand von Schülern und Lehrern haben kann», sagt Jürg Brühlmann, Leiter Pädagogische Arbeitsstelle beim Dachverband Lehrer und Lehrerinnen Schweiz (LCH). Am Montag hat in mehreren Kantonen die Schule wieder begonnen. Während dem Unterricht sitzen rund zwei Dutzend Schüler während einer Lektion in einem Klassenzimmer, wodurch die Luft immer miefiger wird. Ob und welche Folgen diese Luft auf Schüler und Lehrer haben kann, soll nun auch eine Schweizer Studie zeigen, die im Herbst 2017 veröffentlicht wird.

Schülerzahl steigt weiter an

«Heute weiss man, dass man in einem Klassenzimmer mit 24 Schülern und den heutigen Raumausstattungen bereits nach 16 Minuten einen problematischen Kohlendioxid-Gehalt bekommt. Man muss also dringend lüften», so LCH-Präsident Beat Zemp zu «SRF». «Durch Sparmassnahmen steigt die Schülerzahl pro Klassenzimmer immer weiter», sagt Brühlmann. «Man möchte keine neuen Klassen schaffen, weil es dann mehr Raum und mehr Personal brauchen würde.»

Krankheiten verbreiten sich schneller

Die steigenden Klassengrössen seien ungesund: «Die Luft wird schneller schlecht», so Brühlmann. «Dadurch sinken Leistung und Konzentration der Schüler. Sie werden schneller müde und fühlen sich unwohl.» Auch könnten sich Krankheiten durch die ausgeatmete Luft eher verbreiten, da die Luftfeuchtigkeit steigt und sich Bakterien so schneller vermehren können. Auch Zemp sagt: «Wenn wir auf 26 Schüler gehen, dann wird das langsam gesundheitsgefährdend.»

Bereits über Norm

Zwar könne man dann lüften. Doch: «Wir alle waren schon in der Schule und wissen, wie Lüften ankommt. Vor allem wenn es draussen kalt oder laut ist», so Brühlmann. «Auch dadurch sinkt die Konzentration.» Der ideale Kohlendioxidgehalt liegt laut Brühlmann in einem Schulzimmer bei rund 1000 bis 1500 Parts per Million (ppm). Bereits heute liege er aber bis Mittag im Bereich von über 4000 ppm.

Mehrere Probleme

Laut Brühlmann ist jedoch nicht nur die dicke Luft ein Problem für Lehrer und Schüler: «Neben den Luftverhältnissen spielen auch Raumbedarf, Akustik- und Lichtverhältnisse eine grosse Rolle», so Brühlmann. «Auch diese Aspekte werden in der Studie untersucht werden.»

Gemäss der vom LCH herausgegebenen Zeitschrift «Bildung Schweiz»werden Schulzimmer für 25 Personen mit minimal 75 bis 80 Quadratmetern gebaut. Das ergibt eine Fläche von rund drei Quadratmeter pro Person. «Auch ein Ziegenbock hat gemäss Tierschutzverordnung Anrecht auf drei Quadratmeter», so Zemp.

Burnout-Belastung

Die Studie soll auch klären, ob die Luftqualität eine Rolle dabei spielt, dass Lehrer an Burnout erkranken, wie Brühlmann sagt: «Wir haben die Burnout-Belastung bei Lehrern angeschaut. Bisher lag der Schwerpunkt auf persönlichen Aspekten. Doch wir sind weitergegangen und haben uns überlegt, dass auch strukturelle Gegebenheiten das Wohlbefinden von Schülern und Lehrern mindern können.»

Diese strukturellen Mängel würden kaum wahrgenommen. «Der Grund dafür dürfte darin liegen, dass Lehrpersonen ihr ganzes Leben im Schulzimmer verbringen.» Sie seien mit den Umständen vertraut und «kennen nichts anderes», hiess es in «Bildung Schweiz».

Lösungen, die ins Geld gehen

Sobald die Studie fertiggestellt sei, werde man Lösungsansätze suchen. Mögliche Lösungen sind laut Brühlmann vor allem im Bereich der Konstruktion der Schulhäuser zu suchen. «Es müssen nicht nur Belüftungsmöglichkeiten geschaffen, es muss so umgebaut werden, dass es auch von der Akustik, vom Licht und vom Raum her stimmt. Solche Neu- und Umbauten werden jedoch massiv ins Geld gehen und das will im Moment keiner hören.»

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