Gemeinden sparen sich Kosten - Klassenlager werden mit Firmengeldern gesponsert
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Gemeinden sparen sich KostenKlassenlager werden mit Firmengeldern gesponsert

Immer häufiger sparen sich Gemeinden die Kosten für Skilager und Landschulwochen – auch der Kanton Bern beteiligt sich nicht an den Kosten. Dafür fliessen nun Gelder aus der Privatwirtschaft in die Lager.

von
Christian Holzer
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Berner Unternehmen sollen die Durchführung der Klassenlager garantieren. Im Bild: Eine Schulklasse im Haus der Jugend in Schwarzsee FR. 

Berner Unternehmen sollen die Durchführung der Klassenlager garantieren. Im Bild: Eine Schulklasse im Haus der Jugend in Schwarzsee FR.

Adrian Moser/Tamedia
Dafür fliessen Gelder in ein spezielles Kässeli des Kantons. 

Dafür fliessen Gelder in ein spezielles Kässeli des Kantons.

Adrian Moser/Tamedia
Schulen erhalten daraus einen finanziellen Zustupf für Landschulwochen oder Skilager. 

Schulen erhalten daraus einen finanziellen Zustupf für Landschulwochen oder Skilager.

Fotograf

Darum gehts

  • Seit der Pandemie sparen Gemeinden immer häufiger am Schul- oder Skilager.

  • Der Kanton Bern darf sich gemäss Gesetz nicht an den Kosten beteiligen.

  • Ein Kässeli, das von Unternehmen gefüllt wird, soll die Durchführung von Klassenlagern fördern.

Immer häufiger fallen Klassenlager dem Sparstift zum Opfer – nicht zuletzt auch wegen Folgekosten der Pandemie werden Landschulwochen und Skilager oft von den Gemeinden gestrichen. Wie Andreas Hachen vom Verband der Schulleiterinnen und Schulleiter des Kantons Bern gegenüber SRF sagt, versuchen Gemeinden mit weniger Geld oft den Kindern mit einzelnen Tagesausflügen doch etwas bieten zu können: «Das Problem gab es früher auch schon, hat sich nun aber zugespitzt.»

Die bernische Bildungsdirektorin Christine Häsler betont jedoch, wie pädagogisch wertvoll Klassenlager seien und viel für den Klassenzusammenhalt bringen würden. Auch die Lehrpersonen könnten dabei die Kinder während einer Woche ausserhalb der Schule begleiten und fördern.

Während Lehrerinnen und Lehrer in der ganzen Schweiz Sparmassnahmen bezüglich Klassenlagern bedauern, versucht der Kanton Bern Hand zu bieten. Denn der Kanton beteiligt sich schon lange nicht mehr an Lager-Kosten – es ist ihm von Gesetzes wegen untersagt. Bildungsdirektorin Häsler hat darum ein Pilotprojekt entwickelt, bei dem Geld gesammelt und verteilt wird: «Dieses zusätzliche Angebot soll die Gemeinden und Schulen unterstützen, noch mehr Lager zu machen oder ihre Lager zumindest durchführen zu können.»

Grosssponsor Bank

Die 440’000 Franken dafür fliessen aus der Privatwirtschaft. Mit jährlich 100’000 Franken steuert die Berner Kantonalbank BEKB den grössten Brocken bei: «Uns ist ganz wichtig, dass alle Kinder die Möglichkeit haben, ein solches Klassenlager besuchen zu können», sagt Antoinette Hunziker-Ebneter, Verwaltungsratspräsidentin der BEKB.

Das Sponsoring der Unternehmen kommt jedoch nicht nur gut an. Diana Bütikofer, Schulleiterin des Pestalozzi-Schulhauses Stadt Bern, ist skeptisch. Alle müssten dieselben Chancen haben: «Nicht, dass gewisse Klassen ein Sponsoring hinbringen und andere nicht.»

Die Klassenlager dürfen von den Unternehmen jedoch nicht als Werbeplattform genutzt werden. So dürfen die Geldgeber und Geldgeberinnen weder Werbung machen noch Artikel mitgeben, oder das Firmenlogo darf nicht auf den Unterlagen ersichtlich sein. Zudem muss das Klassenlager die Kriterien des Lehrplans21 erfüllen und ein UNO-Nachhaltigkeitsziel behandeln. Auch der Zustupf ist konkret geregelt: 900 Franken gibt es maximal für eine 20-köpfige Klasse: «Man soll sich damit nicht zurücklehnen können. Es soll den Aufwand für Lehrpersonen und Eltern senken», Tanja Bauer, Co-Präsidentin des Vereins Chindernetz Bern. Und es soll verhindern, dass allenfalls noch mehr Schullager einfach abgesagt werden.

Woher stammt das Geld?

Der gesponserte Geldbetrag der BEKB stammt nicht aus dem Bankgeschäft selber, sondern vom eigenen Förderfonds. Dieser unterstützt in der Region Bern und Solothurn Institutionen und Projekte im Bereich Kultur, Sport, Ökologie und Bildung sowie Gesundheit/Soziales. Die Bedingung: Die Projekte dürfen nicht rein kommerziell ausgerichtet sein.

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