Publibike stellt Betrieb ein: «Klauerei hat sich wie ein Virus in Bern verbreitet»
Aktualisiert

Publibike stellt Betrieb ein«Klauerei hat sich wie ein Virus in Bern verbreitet»

In der Stadt Bern sind derzeit keine Publibikes mehr vorhanden: Der Anbieter hat sämtliche Leihräder eingezogen und den Betrieb für rund zwei Wochen unterbrochen.

von
Mira Weingartner
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In der ganzen Stadt Bern ist kein einziges Publibike mehr verfügbar. Der Grund: Die Betreiberin, Postauto, hat den Betrieb vorübergehend eingestellt.

In der ganzen Stadt Bern ist kein einziges Publibike mehr verfügbar. Der Grund: Die Betreiberin, Postauto, hat den Betrieb vorübergehend eingestellt.

Die Flotte soll nun so aufgemöbelt werden, dass sich Langfinger künftig nicht mehr einfach so bedienen können.

Die Flotte soll nun so aufgemöbelt werden, dass sich Langfinger künftig nicht mehr einfach so bedienen können.

Yoshiko Kusano

Während den beiden Wochenendnächten wurden in der Stadt Bern rund 200 weitere Leihvelos gehackt und geklaut. Dies hat das Fass endgültig zum Überlaufen gebracht – Postauto, die Betreiberin der Veloflotte, hat genug: «Publibike hat sich entschieden, den Betrieb in Bern zu unterbrechen und alle Velos per sofort einzuziehen und nachzurüsten», sagt Sprecherin Katharina Merkle. Sukzessive werden nun sämtliche Leihräder an den Stationen eingesammelt. Die Mitarbeiter sind zudem daran, die ganze Stadt nach den Hunderten von gestohlenen Bikes abzusuchen. «Eines mussten wir in den vergangenen Tagen gar aus der Aare bergen»

Der Entscheid, das Angebot auf Eis zu legen, kommt plötzlich: Bis am Freitag sei man noch davon ausgegangen, dass der Betrieb weitergeführt werden könne, da an den Stationen noch genügend Velos zur Verfügung gestanden seien, schrieb Publibike. Dies hat sich durch die Eskapaden diebischer Nachtschwärmer nun aber geändert – «das Angebot wäre für die zahlende Kundschaft schlicht nicht mehr zufriedenstellend.»

Einbusse von mehreren zehntausend Franken

Doch Publibike gibt nicht auf: Die Flotte wird nur vorübergehend eingezogen, in spätestens zwei Wochen sollen die Velos allesamt wieder in der Stadt den Nutzer zur Verfügung stehen. «Dieser Unterbruch ermöglicht eine schnelle und umfassende Nachrüstung.» Man werde in jedes der bislang leicht zu knackenden Schlösser ein mechanisches Teilchen einbauen. Dieses soll Velos und E-Bikes künftig diebstahlsicher machen.

Für Postauto sind die jüngsten Ereignisse ein grosses Ärgernis: «Der zusätzlich entstandene Aufwand für all unsere Mitarbeiter ist enorm», sagt Merkle. Einerseits müsste das Sicherheits-Teilchen fertig entwickelt und in Windeseile produziert werden. Andererseits muss das Unternehmen durch die zwangsläufige Pause mit einer grossen finanziellen Einbusse rechnen. Merkle spricht dabei von einer happigen Schadenssumme: «Durch die Klauerei verlieren wir mehrere zehntausend Franken.»

Böses Erwachen nach Traumstart

Dabei hätte alles so gut begonnen: Publibike legte in der Bundesstadt einen Traumstart hin. Das Wetter stimmte, die Stadtbewohner und Pendler nutzten die Leihvelos tagtäglich rege. «Dies, bis sich die Klauerei der Publibikes wie ein Virus in der Stadt auszubreiten begann», meint Merkle betrübt.

So sollen die, die diesem illegalen Volkssport frönten, nicht ungestraft davon kommen: «Wir haben bereits diverse Anzeigen bei der Polizei eingereicht», sagt die Sprecherin. Etwa gegen Velo-Diebe, die auf einem Velo strampelnd auf frischer Tat ertappt wurden, oder gegen solche, die im Internet mit ihren Diebstählen prahlten.

Publibike spendiert Gratismonat

Dennoch scheint es, dass Postauto das Ganze möglichst bald ad acta legen möchte. Merkle: «Wir haben das ehrgeizige Ziel, unserer Kundschaft in spätestens zwei Wochen eine zufriedenstellende Flotte bereitstellen zu können.» Damit man es sich mit der Kundschaft ganz sicher nicht vergrault, zeigen sich die Betreiber zudem grosszügig: Publibike vergütet seinen Berner Abonnenten einen Abo-Gratismonat.

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