08.12.2017 17:55

Ersatz für PestizideKlaviermusik soll Ungeziefer bekämpfen

In Frankreich spielen Bauern auf ihren Feldern Musik ab, um Pilze und Viren zu bekämpfen. Schweizer Experten sind skeptisch.

von
Thomas Mathis

So klingt die Musik, mit denen französische Bauern Pilzen und Viren den Garaus machen wollen. (Video: RTS)

Über 100 Landwirte in Frankreich beschallen ihre Kulturen zweimal täglich für rund zehn Minuten mit Klaviermusik. Auf dem Feld stehen weisse, handliche Kästchen, die aus vier Lautsprechern und eine Solarzelle bestehen. Dieses Gerät lässt mit einer Lautstärke von 60 Dezibel – ein normales Gespräch – Melodien erklingen, die für die Bekämpfung von Schädlingen entwickelt worden sind.

Die Melodien beeinflussen laut französischen Forschern den Prozess, in dem Proteine zusammengefügt werden. Jedes Protein gebe spezifische Töne von sich. Kenne man die Melodie, könne man damit den Prozess ankurbeln oder verlangsamen. Die Erfinderfirma Genodics SAS wirbt damit, dass nach der Installation des Geräts auf die schädlichen Pestizide verzichtet werden könne.

Bauer hat seine Zucchini-Kultur gerettet

Inbesondere Pilze und Viren könnten mit der Anlage zerstört werden. Unterstützt wird die Firma von mehreren Landwirten, die positive Erfahrungen gemacht haben. Gemäss der französischen Zeitung «Le Figaro» konnte ein französischer Bauer beispielsweise seine Zucchini-Kultur vor dem Mosaikvirus retten, gegen den es bisher keine Pestizide gibt.

In der Westschweiz scheint das System bereits im Gespräch zu sein. Der Fernsehsender RTS und «Le Matin» haben darüber berichtet. In der Deutschschweiz ist das Beschallungssystem sowohl in der Forschung als auch bei Produzenten noch nicht bekannt.

«Natur ist voller Geheimnisse»

Die Idee kommt zwar gut an, viele Fachleute äussern sich aber skeptisch. Wissenschaftlich sei das Themenfeld noch nicht so gut ausgeleuchtet, sagen verschiedene Experten. Beim Schweizer Bauernverband heisst es, dass man neuen Methoden nie abgeneigt sei, wenn deren Wirkung nachgewiesen sei. Offen für die Methode ist man bei Pro Natura. Man setzte sich dafür ein, Alternativen für den Gifteinsatz in der Landwirtschaft zu finden, sagt Sprecher Roland Schuler. «Wenn Musik hilft, soll man das testen.»

Jean-Luc Pasquier, Gartenbau-Fachmann an der Landwirtschaftsschule Grangeneuve FR, glaubt an den Erfolg der Beschallung: «Ich bin überzeugt, dass Musik einen Einfluss auf Pflanzen hat. Die Musik sendet Vibrationen aus, die alle Lebewesen berührt», sagt er der Zeitung «Le Matin». Der Biologe Edward Mitchell, Professor an der Universität Neuenburg und Mitinitiant der Volksinitiative für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide, kann sich hingegen nicht vorstellen, über welchen Mechanismus Musik bei Pflanzen wirken könnte. «Es gibt in der Natur aber noch viele unentdeckte Geheimnisse.»

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