Aktualisiert 27.01.2011 13:16

MiamiKlavierrätsel gelöst

Vor zwei Tagen sorgte ein herrenloser Konzertflügel auf einer Sandbank vor Miami für Aufruhr. Nun haben sich zwei Filmemacher zur Aktion bekannt. Ihre Beweggründe dürften den Behörden nicht gefallen.

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Seit Dienstag wartet ein herrenloses Klavier mitten in der Biscayne Bay vor Miami auf einen Besitzer. Die Spekulationen in Medien und Blogs liessen nicht lange auf sich warten. So vermuteten einige, Liebeskummer sei der Grund für die Aktion. Andere glaubten, ein frustrierter Musiker habe damit seinen Unmut kundtun wollen.

Nun ist das Rätselraten vorbei: Billy und Anais Yeager, ein Filmemacher-Paar, haben gegenüber der «Miami New Times» zugegeben, den Flügel auf die Sandbank in der Biscayne Bay geschleppt zu haben. Sie hätten damit gegen die «Eitelkeit» der Stadt Miami protestieren wollen, fügte sie hinzu.

Eine symbolische Aktion

Die Yeagers sagten, sie hätten ihre Aktion zunächst nicht beichten wollen. Doch nachdem es die Geschichte weltweit in die Medien geschafft hatte, wollten sie den Eindruck vermeiden, dass es sich um «ein blödes Musikvideo» handle. Ihre Aktion sei «sehr symbolisch und tiefsinnig».

Das Instrument hätten sie um zwei Uhr morgens auf ein Boot geladen und seien sehr langsam über die Bucht gefahren. Nach sechs Stunden seien sie endlich auf der Sandbank angelangt. Zu zweit und mit Hilfe von Auflagerollen hätten sie das schwere Instrument so platziert, dass es auch bei Flut nicht unter Wasser stehen würde.

Nicht zum ersten Mal

Die freischaffenden Filmemacher Billy und Anais Yeager arbeiten derzeit am letzten Teil einer Trilogie mit dem Namen «Jesus of Malibu». Dabei begeben sich die Künstler auf eine «wahrheitssuchende Reise», die durch Nordamerika führt. Eine spezielle Rolle spielt nach ihren Angaben die Route 66. «In unserem Film wird die Wahrheit aufgedeckt», sagt Billy Yeager, «es geht um die Kraft der Musik und des Films und um Vibrationen.» Das Platzieren eines Instruments sei «ein politisches Statement, eine künstlerische Revolution gegen die Medien, die Korruption im Kunstmilieu und die Sklaverei der Völker.»

Ihre Aktion mit dem Flügel im Miami ist allerdings nicht die erste: Das Paar hatte zuvor im Death Valley, auf Costa Rica und in Guatemala Klaviere hingestellt. Manchmal sei die Botschaft positiv, manchmal, wie im Fall von Miami, negativ: «Es ist ein Protest. Den Menschen in Miami geht es nicht um Wahrheit, sondern um Eitelkeit.»

Ihre Kunstbewegung habe jedes Mal mehr Anhänger, freuen sich die Yeagers. «Es gibt schon Leute in Berlin und Paris, die ihre Instrumente an öffentlichen Plätzen deponieren», erzählen sie. «Manchmal ketten sie sie sogar an Parkuhren an.»

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