Zürcher S-Bahn: Kleber fordern Pendler auf, niemanden anzusehen
Aktualisiert

Zürcher S-BahnKleber fordern Pendler auf, niemanden anzusehen

In S-Bahnen verwirren diverse Scherz-Sticker die Zugpassagiere. Die SBB glauben, dahinter stecke eine Guerilla-Werbeaktion.

von
ann
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Mit offiziellen SBB-Piktogrammen, in SBB-Blau und mit der richtigen Schrift: Amüsante Anweisungs-Sticker in Zürcher S-Bahnen.

Mit offiziellen SBB-Piktogrammen, in SBB-Blau und mit der richtigen Schrift: Amüsante Anweisungs-Sticker in Zürcher S-Bahnen.

Leser-Reporter/Fabienne Leuenberger
Lernen auch Sie gern Leute kennen im Zug? Dann stellen Sie sich am besten vor dieses Schild, vielleicht hilft es Ihnen bei Ihrem Vorhaben.

Lernen auch Sie gern Leute kennen im Zug? Dann stellen Sie sich am besten vor dieses Schild, vielleicht hilft es Ihnen bei Ihrem Vorhaben.

Leser-Reporter/Fabienne Leuenberger
Das Symbol ist jenes des Wartsaals. Zur Aussage des Schilds darf sich jeder seinen eigenen Reim machen.

Das Symbol ist jenes des Wartsaals. Zur Aussage des Schilds darf sich jeder seinen eigenen Reim machen.

Leser-Reporter/Fabienne Leuenberger

«Hat die SBB plötzlich Humor», fragte sich eine Leserin, als sie am Montagabend mit dem Zug vom Zürcher Hauptbahnhof nach Oerlikon fuhr. Denn die junge Frau aus der Romandie entdeckte auf der Glaswand bei einer Tür einen «lustigen, grossen blauen Sticker». «Ich lerne gerne Leute kennen», stand da in weisser Schrift auf typischem SBB-Blau. Es wirkte auf die Leserin so, als wäre dies das Motto des Abteils.

Am gleichen Abend entdeckten sie und ihre Freundin in anderen S-Bahnen noch weitere solche Kleber. Auf einem zweiten wurde das Auge verwendet, das von den SBB in schwarz mit gelbem Hintergrund an all jenen Zügen angebracht wird, in denen Selbstkontrolle gilt. Auf dem blauen Kleber an der Glaswand der zweiten S-Bahn war das Auge weiss und durchgestrichen. «Blickkontakte mit anderen Reisenden vermeiden. Danke», stand dabei. Und ein dritter Kleber verkündete mitsamt dem Piktogramm «Wartsaal»: «Ich bin eine soziale Person.»

«Reinigungspersonal hat grossen Mehraufwand»

Bei den SBB hat man Kenntnis von den Klebern. «Es handelt sich wohl um eine Guerilla-Marketingaktion», sagt Sprecherin Franziska Frey. Offenbar wissen die SBB nicht, wer dahintersteckt. Frey bestätigt aber, dass die Kleber täuschend echt aussehen. «Da hat sich jemand wirklich Mühe gemacht, das Corporate Design der SBB möglichst originalgetreu zu übernehmen.» Das schmeichle den SBB.

Weniger Freude habe aber das Reinigungspersonal, das einen grossen Mehraufwand habe. Es komme immer wieder vor, dass Züge mit Klebern getaggt würden, so Frey. Diese würde man so rasch wie möglich entfernen, um den Reisenden saubere Züge anbieten zu können.

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