«Bodenlose Frechheit»: Kleiderhersteller klaut Bild von Luzerner Model
Aktualisiert

«Bodenlose Frechheit»Kleiderhersteller klaut Bild von Luzerner Model

In Spanien werden Shirts verkauft, die das Luzerner Tattoo-Model Hell Glam zeigen. Um Erlaubnis gefragt hat der Hersteller nicht. Nun wollen sich Model und Fotograf wehren.

von
gwa

«Ich war geschockt, als ich das gesehen habe», sagt das Luzerner Tattoo-Model Hell Glam (24). Eine Freundin schickte ihr ein Foto eines Shirts, das sie in den Ferien in Spanien in einem Kleiderladen gesehen hatte. Auf dem Shirt prangt gross das Antlitz von Hell Glam. «Das ist eine bodenlose Frechheit», sagt sie. Denn: Der Hersteller hat weder für die Benutzung des Bildes Geld bezahlt, noch hat er um Erlaubnis gefragt. Auch in Berlin sei das Shirt schon aufgetaucht.

«Hinter dem Bild steckt viel Arbeit», sagt Hell Glam. Für Foto-Shootings brauche es jeweils eine geeignete Location, Make-up und Requisiten müssen organisiert werden. Hinzu kommen mehrere Stunden für die Nachbearbeitung der Bilder. Und: «Ich gehe täglich ins Fitnessstudio, arbeite hart für mein Aussehen und damit auch für die Marke, die ich selbst darstelle», sagt Hell Glam. Dass ihr Gesicht mit dem Schriftzug «Hipster» überdeckt ist, verwässere ihre Marke zusätzlich: «Die Hersteller fanden es wohl passend, aber das ist nicht das, wofür ich stehe», sagt sie. Für die Luzernerin hätte der Fall zu keinem ungünstigeren Zeitpunkt kommen können: Sie hat sich im letzten Jahr bewusst aus dem Modelbusiness zurückgezogen, um ihre eigene Kollektion auf die Beine zu stellen. «Ich wollte das Bild für meine Kleidung verwenden - und dann passiert so etwas», sagt sie.

«In den Bildern steckt viel Herzblut und Leidenschaft»

Geschossen hat das Bild der Luzerner Fotograf Patrick Odermatt. Auch er hat kein Verständnis für den Bilderklau: «Es ist schade, wenn jemand so arbeitet», sagt er. Für Odermatt ist es nicht das erste Mal, dass jemand eines seiner Bilder ohne Erlaubnis verwendet. Er geht davon aus, dass die Hersteller sich das Bild irgendwo im Netz heruntergeladen haben: «Der Hersteller hätte problemlos herausfinden können, wer die Bilder gemacht hat und die Rechte daran besitzt. Wir hatten die Arbeit und sie verdienen jetzt Geld damit.» Neben dem finanziellen Schaden, der für Fotograf und Model entsteht, werde auch ein gewisser Stolz verletzt: «In den Bildern steckt viel Herzblut und Leidenschaft», so Odermatt. Nun prüfen Odermatt und Hell Glam rechtliche Schritte gegen den Kleiderhersteller: «Wir machen das schliesslich nicht nur aus Spass, wir verdienen unser Geld damit», sagt Hell Glam.

Laut Rechtsanwalt Martin Steiger sind rechtliche Schritte in diesen Fall mit einem «gewissen Aufwand verbunden», die beiden Luzerner hätten aber gute Chancen: «Hier liegt offensichtlich eine Verletzung des Urheberrechts vor. Zudem wurden auch die Persönlichkeitsrechte des Models damit verletzt», sagt der Experte für IT-, Immaterialgüter- und Medienrecht. In Europa sei das Recht am eigenen Bild unbestritten und das Urheberrecht sei international geregelt.

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