Kinderarbeit: Klein, hilflos, ausgenutzt
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KinderarbeitKlein, hilflos, ausgenutzt

Verdingkinder gibt es nicht mehr? Die ärmsten Länder unserer Erde zeigen ein anderes, ernüchterndes Bild.

von
rre

Bei uns ist die Kinderarbeit per Gesetz verboten. Doch die Zeiten, in denen kleine Kinder von ihren Familien getrennt wurden, um unter teilweise menschenunwürdigen Bedingungen niedere Dienste zu tun, liegt nur wenige Jahrzehnte zurück. Noch bis in die 50er-Jahre wurden kleine Mädchen und Buben aus finanzieller Not ihrer Eltern oder wegen deren schlichter Gleichgültigkeit als billige Arbeitskräfte – zumeist an Bauern – abgegeben. Als rechtlose Wesen mussten die hilflosen Kinder Schwerstarbeit leisten, wurden misshandelt, hungerten. Das Martyrium ist für die Opfer vorbei – zumindest in der Schweiz.

Denn nicht überall erfahren die Kleinsten von Gesetzes wegen diese Protektion. Seit 1989 gestehen die Vereinten Nationen Kindern zwar mit der UN-Kinderrechtskonvention den Schutz vor wirtschaftlicher Ausbeutung zu. Trotzdem halten sich längst nicht alle Länder an diese Verordnung. In vielen Ländern der Dritten Welt müssen selbst die Kleinsten mit anpacken, um die Familie durchzubringen. Selbst von gesundheitsgefährdender, körperlich anstrengender Arbeit werden die kleinen Hilfskräfte nicht verschont. Viele westliche Unternehmen nutzen diese Abhängigkeit aus. Auf dem Markt der Profitgier und der langfristigen Konkurrenzfähigkeit ist für Mitgefühl kein Platz.

Und doch: In einigen Firmen entwickelt sich nach und nach so etwas wie ein Problembewusstsein. Ein durchaus lukratives Geschäft, denn Nachhaltigkeit und Verantwortungsgefühl sind gut fürs Image, und das lässt selbst bei einigen bislang unerreichten Kundensegmenten das Portemonnaie lockerer sitzen.

Mittlerweile beziehen sich viele Firmen beim Verzicht auf Kinderarbeit auf einen Verhaltenskodex, der auch Lieferanten einschliesst. Eine gute Sache, vorausgesetzt, die angestellten Erwachsenen verdienen genug, um ihre Familien auch ohne das Zutun des Nachwuchses ernähren zu können.

Kinderarbeit? Hauptsache billig!

Mit ihrer nahezu undurchsichtigen Kette von verschiedensten Arbeits- und Verarbeitungsschritten gehört die Textilindustrie zu den Hauptarbeitgebern von Kindern. Von den Baumwollfeldern in Indien bis zu den Färbereien, Spinnereien und Nähbetrieben in Asien oder Osteuropa: Die Stoffe und ihre Rohprodukte durchlaufen zahlreiche Kinderhände. Einschätzungen des Kinderhilfswerks UNICEF zufolge arbeiten weltweit rund 150 Millionen Kinder unter schlimmsten Bedingungen. Häufig wird die Not mittelloser Familien schamlos ausgenutzt - die Eltern sind gezwungen, ihre Kinder an Menschenhändler zu verkaufen. Sie werden zu modernen Sklaven und als billige Arbeitskräfte an Fabriken verschachert oder müssen sich prostituieren. Sie leben und leiden weiter, die modernen Verdingkinder.

Kinderarbeit muss nicht sein!

Weitere Informationen zu fairer Mode finden Sie auf der Website der

TV-Tipp:

Das Magazin FAKT zeigt heute (Montag) einen Bericht über Kinderarbeit: FAKT, 21:45 Uhr, ARD.

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