Schein-Triumph an UBS-GV: Kleinaktionäre ziehen trotz Sieg den Kürzeren
Aktualisiert

Schein-Triumph an UBS-GVKleinaktionäre ziehen trotz Sieg den Kürzeren

Seit der Décharge-Verweigerung an der Generalversammlung der UBS glauben Kleinaktionäre wieder an ihre Macht. «Ein Trugschluss», finden Experten.

von
Othmar Bamert
Weiterhin nichts zu sagen: die Kleinaktionäre.

Weiterhin nichts zu sagen: die Kleinaktionäre.

Die UBS-Generalversammlung (GV) geht in die Geschichte ein: Erstmals gelang es den Kleinaktionären, gegen den Willen des Verwaltungsrates eine Mehrheit zu erreichen und der UBS-Führung für das Jahr 2007 die Entlastung zu verweigern. Beobachter werten die schallende Ohrfeige an die alte UBS-Garde um Marcel Ospel als einen grossen Triumph für die Aktionärsdemokratie in der Schweiz. Der Sieg beflügelt: Dominique Biedermann, der Chef der wichtigsten Interessenvertreterin der Aktionäre der Schweiz Ethos, will nun gleich die Credit Suisse ins Visier nehmen, schliesslich seien dort «die Exzesse bei der Vergütung noch schlimmer als bei der UBS», wie Biedermann dem «Tages-Anzeiger» sagte. Also soll nun an der CS-GV der Vergütungsbericht abgelehnt werden, Köpfe sollen rollen.

Kleinanlegervertreter Hans Jakob Heitz, der die Interessen der Kleinaktionäre schon bei der Swissair und im Lehman-Debakel vertreten hatte, wertet die Décharge-Verweigerung bei der UBS zwar als historisches Ereignis: «Den Kleinaktionären ist es erstmals gelungen, sich mit grossen institutionellen Anlegern wie Hedge-Funds zu vernetzen und gemeinsam zu einer Meinung zu gelangen, statt einfach den Empfehlungen des Verwaltungsrats zu folgen.»

Aber: Der Fall UBS sei eine Ausnahme gewesen. Ein Sieg wie die Décharge-Verweigerung gelinge nur, wenn sich die Interessen von Kleinaktionären und institutionellen Anlegern deckten. Wenn der Schulterschluss nicht stattfinde – was normalerweise der Fall sei –, werden die Kleinaktionäre von den Institutionellen gnadenlos überstimmt.

Treue Kleinanleger sind die Dummen

Überdies sind die Kleinaktionäre laut Heitz auch nicht die edlen Ritter für mehr Gerechtigkeit in der Wirtschaftswelt: «Die Geldgier in den Boomjahren hat alle erfasst, auch die Kleinanleger.» So wettert Heitz über Verlogenheit an der UBS-GV. «Es gab Aktionäre, die in zum Teil unsäglichen Voten Entscheidungsträger massiv verunglimpfen. In den Boomjahren hatten sie die gleichen Leute in den Himmel gelobt.»

Die Wut der Kleinanleger versteht Urs Aeberli, Chefredaktor des Anlagemagazins «Stocks». Die meisten Kleinaktionäre seien keine Zocker, sondern langfristige, treue Anleger. «Die fühlen sich nun zu Recht von der UBS-Führung über den Tisch gezogen, verführt von überzogenen Renditeversprechen der Anlageberater, die ihnen weismachten, die Börse sei eine Einbahnstrasse nach oben.» Und auch wenn sie zahlenmässig überlegen seien: Bezüglich Stimmrecht dominierten weiterhin die institutionellen Anleger. «Wenn die Kleinaktionäre wirklich etwas zu sagen hätten, wäre gestern der Vergütungsplan mit den Milliarden-Boni für die UBS-Spitze klar abgelehnt worden», so Aeberli.

Die Kleinaktionäre, die viel Geld verloren haben und trotzdem an der GV nichts zu sagen haben, sind seines Erachtens die grossen Verlierer des letzten Börsenjahrzehnts.

Décharge

Die Entlastung (Décharge) des Verwaltungsrats durch die Generalversammlung (GV) hat eine rechtliche wie kommunikative Bedeutung. Bei erfolgreicher Abstimmung (der Vorstand wird entlastet) billigen die Aktionäre die Geschäftsführung des Verwaltungsrats. Die Entlastung enthält jedoch keinen Verzicht auf Schadenersatzansprüche

Eine abgelehnte Décharge wird als Vertrauensentzug bezeichnet und öffnet die Tür für Verantwortlichkeitsklagen. Gründe für eine Verweigerung der Entlastung können zum Beispiel grobe Pflichtverletzung oder Unfähigkeit zur ordnungsgemäßen Geschäftsführung sein. Der Vertrauensentzug berechtigt den Aufsichtsrat zur Abberufung des oder der betreffenden Vorstandsmitglieder. Ein Aktionär, der die Entlastung verweigert hat, kann während sechs Monaten Klage einreichen.

Ein Vertrauensentzug entfaltet Warnwirkung gegenüber Aussenstehenden, insbesondere dem Kapitalmarkt, Kreditgebern und sonstigen Gläubigern.

(Quelle: Wikipedia)

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