«Clash of Clans»: Kleine Barbaren scheffeln 5 Millionen am Tag
Aktualisiert

«Clash of Clans»Kleine Barbaren scheffeln 5 Millionen am Tag

Was als kostenlos angepriesen wird, kann für Spieler teuer werden: Das Free-to-play-Modell ist bei Mobile-Games auf dem Vormarsch und spült Millionen in die Kassen der Entwickler.

von
tob
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Besonders bei Frauen beliebt: «Candy Crush Saga» fesselt täglich Millionen von Spielern an ihre Bildschirme und spült gleichzeitig ordentlich Zaster in die Kassen von Entwickler King.

Besonders bei Frauen beliebt: «Candy Crush Saga» fesselt täglich Millionen von Spielern an ihre Bildschirme und spült gleichzeitig ordentlich Zaster in die Kassen von Entwickler King.

Das finnische Spiel «Angry Birds» hat schon zahlreiche Ableger und scheint dabei nichts von seiner Popularität einzubüssen. 200 Millionen Dollar Umsatz vermeldete Entwickler Rovio für 2012.

Das finnische Spiel «Angry Birds» hat schon zahlreiche Ableger und scheint dabei nichts von seiner Popularität einzubüssen. 200 Millionen Dollar Umsatz vermeldete Entwickler Rovio für 2012.

Ebenfalls aus Finnland stammt «Clash of Clans». Das Spiel gilt als der umsatzstärkste iOS-Titel. Laut inoffiziellen Angaben generiert der Entwickler damit fünf Millionen Dollar - pro Tag.

Ebenfalls aus Finnland stammt «Clash of Clans». Das Spiel gilt als der umsatzstärkste iOS-Titel. Laut inoffiziellen Angaben generiert der Entwickler damit fünf Millionen Dollar - pro Tag.

Rund 40 Prozent aller Apps, die im ersten Quartal 2014 im Play Store von Google heruntergeladen wurden, waren Games. Dies geht aus einer neuen Statistik der Website Appannie.com hervor. Besonders lukrativ für die Entwickler sind sogenannte Free-to-Play-Spiele (F2P). Die Anwendung ist dabei kostenlos. Geld scheffeln die Entwickler mit zusätzlichen Inhalten: Outfits, Waffen, Karten oder bei Aufbauspielen auch mit der Möglichkeit, die Zeit bis zur nächsten Handlung schneller verstreichen zu lassen. Während beim Strategiespiel «Clash of Clans» am Anfang alles recht flott läuft, werden die Bauzeiten immer länger. Schnell wartet man zwei oder drei Tage, bis ein Gebäude steht – wem die Geduld fehlt, der zahlt.

F2P ist ein Erfolgsmodell – für die Entwickler. Denn: Mittlerweile werden 98 Prozent aller Einnahmen im Play Store über In-App-Käufe generiert. Der Medienwissenschaftler Jeffrey Wimmer beobachtet den Trend mit Sorge und hält solche Games für einen Rückschritt. «Meiner Meinung nach steht bei diesen Spielen weniger die Unterhaltung im Vordergrund als vielmehr der Profit», sagt der Professor in einem Interview mit dem «Spiegel». Es gehe darum, «den Spielern das Geld aus der Tasche zu ziehen» – und das reichlich.

5 Millionen Dollar am Tag

Das Facebook- und Smartphone-Game «Candy Crush Saga» zieht Spielern jeden Tag rund 800'000 Franken aus der Tasche. Noch mehr Umsatz generiert das besonders bei jungen Zockern beliebte «Clash of Clans». Die Facebook-Seite des Entwicklerstudios Supercell wurde Anfang Jahr von einem Hacker gekapert. Dieser teilte darauf einen Screenshot der Umsatzzahlen des finnischen Unternehmens.

Demnach sollen beim Online-Strategiespiel täglich rund 30 Millionen Spieler aktiv sein, die einen Umsatz von mehr als 5 Millionen US-Dollar generieren – pro Tag. Sowohl «Clash of Clans» als auch «Hay Day» (ebenfalls von Supercell) belegen seit Monaten die vordersten Plätze von Apples Rangliste mit den umsatzstärksten Apps. Im letzten Jahr hatte der finnische Entwickler seinen Umsatz mit den Games auf 650 Millionen Euro verachtfacht.

F2P ist auf dem Radar

Auch in der Schweiz wird Free-to-Play immer mehr zum Thema: «Wir bekommen immer wieder Rückmeldungen von verärgerten Eltern, da solche in-App-Käufe intransparent sind und schnell aus dem Ruder laufen können», sagt Sara Stalder, Geschäftsleiterin der Schweizer Stiftung für Konsumentenschutz. Das F2P-Modell habe man auf dem Radar, da es für viele Konsumenten ein Ärgernis sein könne. Einzelfälle, bei welchen es bereits zu grossen finanziellen Schäden geführt habe, wurden ihr aber bisher keine gemeldet.

Auf einem iPhone oder iPad können In-App-Käufe mit dem Punkt «Einschränkungen» in den Einstellungen gesperrt werden. Eine ähnliche Funktion existiert auch in Googles Play Store. Mit der Option PIN festlegen wird ein Code erstellt, der bei jedem Kauf verifiziert werden muss.

Anfang Jahr machte auch die EU-Kommission mobil gegen In-App-Käufe: Sie will die Bezeichnung «Free» aus Spielen verbannen, deren Zugang zum Game zwar kostenlos ist, die aber den Kauf teurer Zusatzinhalte nach sich ziehen. Die Bezeichnung sei irreführend. Derzeit würden mehr als 50 Prozent der Online-Spiele auf dem EU-Markt als «kostenlos» angepriesen, obwohl sie häufig – teilweise teure – In-App-Käufe nach sich zögen.

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