Doping im Hobbysport: Kleine Hoden, grosse Männerbrüste
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Doping im HobbysportKleine Hoden, grosse Männerbrüste

Viele Freizeitathleten nehmen sich an Spitzensportlern ein schlechtes Beispiel: Sie beschaffen sich illegal Anabolika und Amphetamine. Dabei werden nicht nur die mit der Einnahme verbundenen lebensbedrohlichen Nebenwirkungen ausgeblendet.

Während es Frauen gibt, die dem zweifelhaften Schlankheitsideal hinterher hungern und dabei Leib und Leben riskieren, markieren diverse Herren den starken Mann: Um ihren Muskeln Volumen zu verleihen, wuchten sie Hanteln und Gewichtstangen. Einst hochverehrten Comichelden wie Superman oder Batman will Mann schliesslich das Wasser reichen können und so greift er zu Anabolika und Amphetaminen. Einer in Deutschland durchgeführten Schätzung zufolge sollen rund 200 000 unserer nördlichen Nachbarn regelmässig dopen. Die Einnahme verbotener Substanzen ist besonders in Fitness-Studios verbreitet: Dort - so die Vermutung - hat jeder Fünfte schon mindestens einmal Erfahrungen mit illegalen Muskelboostern gemacht.

Anabole Steroide: Mehr als 90 Prozent verursachen Leberschäden

Auch in der Schweiz ist davon auszugehen, dass immer mehr Hobbysportler zu Substanzen greifen, die Fettpölsterchen verhältnismässig rasch in Muskelstränge verwandeln sollen. Ein - zumindest subjektiv perfekt empfundener Körper - trotz gravierender Folgen für die Gesundheit? Über 90 Prozent der illegal erworbenen zu schluckenden oder zu injizierenden Stoffe schädigen nachweislich die Leber.

In der Bodybuilder-Szene sind anabole Steroide besonders beliebt. Dabei handelt es sich um synthetisch hergestellte Substanzen, die in ihrer Wirkung dem männlichen Sexualhormon Testosteron ähneln. Sie wirken direkt auf den Eiweisstoffwechsel der Muskelzellen und führen so zu deren Aufbau. Mangelndes Wissen und das naive Ausblenden der mit der Einnahme einhergehenden Nebenwirkungen machen die Präparate zweifelhafter Herkunft zu tickenden Zeitbomben.

Lieber tot als ungestählt?

Eine abschreckende Wirkung, die durch herzbedingte Todesfälle von nachweislich gedopten Berühmtheiten des internationalen Leisungssports resultiert? Fehlanzeige! Diese Haltung wird in Fachkreisen mit grosser Sorge verfolgt: «Die Entwicklung im Breitensport halten wir aus ärztlicher Sicht für hochgradig bedenklich», meint Arnold Schüller, Vizepräsident der Ärztekammer Nordrhein (D) in einem Interview mit dem «Deutschen Ärzteblatt». Zu den gängigsten Nebenwirkungen, die im schlimmsten Falle zum Tode führen, gehören ein erhöhtes Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko, schwere Schädigungen der Leber, Gefässschädigungen, Zittern, Kopfschmerzen, die «Vermännlichung» bei Frauen; verkleinerte Hoden, verminderte Spermienproduktion und die Bildung einer für Frauen typischen Brust. Auf was sich «Hobbydoper» einlassen, zeigt die Bildstrecke oben.

(rre)

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