STRENGERER ARTENSCHUTZ: Kleine Schritte hin zur Lösung eines grossen Problems
Aktualisiert

STRENGERER ARTENSCHUTZKleine Schritte hin zur Lösung eines grossen Problems

Zum Abschluss der UNO-Artenschutzkonferenz haben rund 5000 Delegierte aus fast 200 Ländern erste Zeichen gegen die weitere Zerstörung der Lebensgrundlagen gesetzt. Der wichtigste Schritt erfolgte in der Biopiraterie.

Von Biopiraterie spricht man, wenn beispielsweise ein Pharmakonzern genetische oder biologische Ressourcen wie Pflanzenwurzeln aus einem Entwicklungsland nutzt, ohne dafür zu zahlen.

Denn während die Firmen finanziell profitieren und sie sich Wirkstoffe und Herstellungsverfahren vielfach durch Patente sichern, gehen die Herkunftsländer von Rezepten und Rohstoffen oft leer aus.

In Bonn wurde am Freitag beschlossen, dass die Entwicklungsländer deshalb künftig an solchen Profiten beteiligt werden. Bis 2010 soll hierzu ein festes Regelwerk dazu erarbeitet werden.

Vereinbart wurden zudem Kriterien für den Meeresschutz. Und auch zum Regenwaldschutz wurden Initiativen ergriffen. Am Abend stimmten die Delegierten auf einer abschliessenden Plenarsitzung den insgesamt 38 Beschlüssen formal zu.

Ziel nicht erreicht

Erst zur nächsten Konferenz 2010 in Nagoya (Japan) sollen entsprechende Vertragstexte verabschiedet werden. Dies bedeutet, dass die Staatengemeinschaft ihr wiederholt proklamiertes Ziel nicht erreicht, bis 2010 den rasanten Schwund der biologischen Vielfalt «deutlich abzubremsen».

Die Bilanz der Umweltschutzorganisationen fiel denn auch kritisch aus. Die Konferenz habe die Lähmung der internationalen Staatengemeinschaft beim Arten- und Naturschutz deutlich gemacht, erklärte Greenpeace. WWF-Naturschutzexperte Jörg Roos bilanzierte: «Trotz einiger Fortschritte - der grosse Durchbruch ist leider ausgeblieben.»

Auch Sonja Ribi, Projektleiterin der Schweizer Pro Natura, kritisiert die Konferenz: «Der Verlust der Biodiversität muss auf die gleiche Dringlichkeitsstufe gehoben werden wie die Klimaproblematik. Diesen Eindruck konnte Bonn nicht vermitteln,» sagte sie.

«Kleine Schritte»

Der deutsche Umweltminister Sigmar Gabriel sprach von «kleinen Schritten», mit denen das Ziel erreicht werden müsse. Angesichts der dramatischen Zerstörung der biologischen Vielfalt in Wäldern, Meeren und Lebensräumen seien zwar eher «Siebenmeilenstiefel» notwendig, räumte er ein.

Die Erfahrungen nach rund 16 Jahren seit Bestehen der UNO- Konvention lehrten, dass bisher kaum Fortschritte erzielt wurden, weil viele Länder ihre wirtschaftlichen Interessen bedroht sahen und Lösungen blockierten. Die Konvention sei zuvor «praktisch tot» gewesen, sagte Gabriel nach der Konferenz, «jetzt ist sie sehr lebendig.»

Schweizer Delegation zufrieden

Seine Einschätzung wurde von den meisten anderen Regierungs-Delegierten und UNO-Repräsentanten geteilt. So auch von der Schweizer Delegation. «Wir wissen, dass die Defizite bei der Erhaltung der Biodiversität global und in der Schweiz noch gross sind», sagte Bruno Oberle, Direktor des Bundesamtes für Umwelt (BAFU), gegenüber der SDA.

Die Staatengemeinschaft habe sich bisher nicht genügend angestrengt. Die Konferenz von Bonn sei aber ein Erfolg. Unter anderem sei das Bewusstsein, die Biodiversität zu erhalten, deutlich gewachsen, sagte Oberle. (sda)

Naturzerstörung kostet Billionen

Die weltweite Naturzerstörung kostet die Menschheit Unsummen, die aber in keiner Preiskalkulation auftauchen. Der Finanzexperte Pavan Sukhdev bezifferte auf der UN-Artenschutzkonferenz allein die Kosten des Waldverlusts auf sechs Prozent des weltweiten Bruttosozialprodukts - das wären zwei Billionen Euro. Wenn man die Auswirkung auf die Armen mitberücksichtige, könnten die Kosten noch zehn Mal höher sein, sagte Sukhdev.

(AP)

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