Studie der Uni Basel: Sterblichkeit in kleinen Spitälern steigt schneller

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Studie der Uni BaselIn kleinen Spitälern steigt Sterblichkeit schon ab Auslastung von 60 Prozent

Kleine Spitäler kommen mit einer hohen Bettenauslastung schlechter zurecht als grosse. Das zeigt eine Studie der Uni Basel, die das Mortalitätsrisiko in Schweizer Spitälern untersucht hat.

von
Lukas Hausendorf
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Je mehr freie Betten, desto tiefer ist das Sterblichkeitsrisiko in einem Spital. Steigt die Auslastung, steigt auch das Sterblichkeitsrisiko, aber nicht in allen Spitälern gleich stark.

Je mehr freie Betten, desto tiefer ist das Sterblichkeitsrisiko in einem Spital. Steigt die Auslastung, steigt auch das Sterblichkeitsrisiko, aber nicht in allen Spitälern gleich stark.

20min/Marvin Ancian
Eine Studie der Uni Basel zeigt: In kleinen Kliniken steigt das Mortalitätsrisiko im Schnitt schon bei einer Auslastung von 60 Prozent.

Eine Studie der Uni Basel zeigt: In kleinen Kliniken steigt das Mortalitätsrisiko im Schnitt schon bei einer Auslastung von 60 Prozent.

20 Minuten
Bei grossen Spitälern liegt der Schwellenwert erst bei 90 Prozent, hier ist man offenbar eine hohe Bettenbelegung gewohnt.

Bei grossen Spitälern liegt der Schwellenwert erst bei 90 Prozent, hier ist man offenbar eine hohe Bettenbelegung gewohnt.

20min/Marvin Ancian

Darum gehts

Mit der Corona-Pandemie rückte die Bettenauslastung der Spitäler in der Schweiz so stark in den Fokus wie noch nie zuvor. Die Zahl der freien Betten wurde zu einer wichtigen Kennzahl, um Massnahmen zur Eindämmung des Krankheitsgeschehens abzuwägen. Eine Studie der Universität Basel (Originalstudie) zeigt nun, dass die Zahl der freien Betten allein kein verlässlicher Indikator ist. In vielen Spitälern steigt die Sterblichkeit teilweise schon deutlich an, bevor die Kapazitätsgrenze erreicht ist.

Die Forschenden unter der Leitung von Pflegewissenschafts-Professor Michael Simon haben 1,1 Millionen  anonymisierte stationäre Fälle aus 102 Schweizer Spitälern aus den Jahren 2012 bis 2017 ausgewertet. Dabei wurde die 14-Tage-Sterblichkeitsrate untersucht, mit dem Ziel, den kausalen Zusammenhang zur Bettenauslastung zu untersuchen. Begleitfaktoren wie Alter und Geschlecht der Patientinnen und Patienten sowie der Schweregrad der Erkrankung mit einbezogen. 

Grosse Spitäler sind hohe Belegung gewohnt

Dabei zeigte sich: Ab einer gewissen Auslastungsgrenze steigt das Sterblichkeitsrisiko im Schnitt um zwei Prozent pro Tag an. Und der Schwellenwert der einzelnen Spitäler klafft weit auseinander, er lag zwischen 42,1 Prozent und 95,9 Prozent der Bettenbelegung. Die Studie kommt zum Schluss, dass insbesondere kleine Spitäler schneller am Limit sind. Dort lag die Auslastungsgrenze im Schnitt bei rund 60 Prozent, während sie in grossen Krankenhäusern bei 90 Prozent liegt.

Bei einer niedrigen durchschnittlichen Auslastung könne es zu stärkeren Schwankungen kommen, so die Studienautoren. «Diese stark schwankenden Bettenauslastungen führen dazu, dass der Schwellenwert, ab dem die Mortalität steigt, niedriger ist und damit schneller erreicht wird», folgern sie. Gründe dafür könnten sein, dass bestimmte Behandlungen dann nicht mehr oder erst mit Verzögerung durchgeführt werden könnten und das medizinische Personal trotz starker Schwankungen konstant bleibe.

Kleine müssten enger kooperieren

«Viele kleine Einheiten sind nur schwierig effizient zu betreiben», kommt Simon zum Schluss. Das Problem könne angegangen werden, indem die Auslastungsschwankungen verringert und die Spitäler angemessen mit Personal ausgestattet würden. Eine Bündelung der Kliniken oder engere Kooperation zwischen den Kliniken verringere Schwankungen und reduziere das Sterblichkeitsrisiko, so Simon.   

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