20.11.2020 07:58

Bezirksgericht FrauenfeldGrossmutter geköpft - Enkel droht kleine Verwahrung

Im Herbst 2018 tötete E. A.* in Frauenfeld seine Grossmutter und köpfte sie danach. Bald steht der Enkel vor Gericht. Er gilt als schuldunfähig.

von
Jeremias Büchel
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Angeklagt wird E. A.*

Angeklagt wird E. A.*

Er gilt als schuldunfähig. 

Er gilt als schuldunfähig.

Grosses Polizeiaufgebot im August 2018 … 

Grosses Polizeiaufgebot im August 2018 …

Leser-Reporter

Darum gehts

  • Mitte Oktober 2018 wurde eine 74-jährige Mazedonierin tot in einer Wohnung in Frauenfeld aufgefunden.

  • Ihr Enkel, ein damals 19-jähriger Italiener, wurde kurz nach der Tat beim Flughafen Zürich verhaftet.

  • Er hatte den abgetrennten Kopf seiner Grossmutter in einem Rucksack dabei.

  • Der Täter steht am Mittwoch vor Gericht.

  • Infolge einer schweren psychischen Störung gilt der Mann als schuldunfähig.

  • Die Staatsanwaltschaft beantragt eine stationäre therapeutische Massnahme (kleine Verwahrung) und einen Landesverweis von 15 Jahren.

Im Oktober 2018 wurde am Flughafen Zürich der damals 19-jährige E. A. * verhaftet. Im Rucksack hatte er den Kopf seiner Grossmutter dabei. Diesen hatte er der 74-jährigen Mazedonierin vom Körper abgetrennt. Am Mittwoch steht der Enkel deswegen vor Gericht.

Wie aus der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft zu entnehmen ist, griff der Enkel am 16. Oktober am späteren Nachmittag die am Boden betende Grossmutter unvermittelt von hinten an, umfasste ihren Hals und strangulierte sie mit beiden Händen, bis sie bewusstlos wurde. Danach holte der Enkel in der Küche ein Rüstmesser und kehrte zur bewusstlosen Grossmutter zurück, kniete zu ihr nieder und stach mit dem Messer in den linken Brustkorb der Frau. Durch die Folge dieses Stiches verstarb die damals 74-Jährige.

Danach trennte der Enkel mit demselben Rüstmesser den Kopf der Verstorbenen ab. Nach der Tat verpackte er den Kopf in einen Rucksack, packte zudem seine Papiere, wenige Kleidungsstücke und das Ladekabel seines Handys ein. Im Anschluss schrieb er einen Bekennerbrief, den er in der Wohnung zurückliess, und machte sich mit dem gepackten Rucksack auf zum Bahnhof Frauenfeld und anschliessend zum Flughafen Zürich, wo er schliesslich verhaftet wurde.

Täter schuldunfähig

Weshalb der junge Mann den Kopf seiner Grossmutter abtrennte, wird aus der Anklageschrift nicht ersichtlich. Klar scheint jedoch, dass er krankheitsbedingt zum Tatzeitpunkt nicht bei Sinnen war. Ein forensisch-psychiatrisches Gutachten kommt jedenfalls zu diesem Schluss. Die Staatsanwaltschaft geht von einer sogenannten Schuldunfähigkeit aus, weshalb sie für die Tat einen Freispruch beantragt. Das heisst aber nicht, dass der heute 21-Jährige auf freien Fuss kommen soll. Die Staatsanwaltschaft beantragt eine stationäre Massnahme, wo seine psychischen Probleme behandelt werden sollen. Umgangssprachlich spricht man von einer «kleinen Verwahrung» (siehe Box). Zudem fordert die Staatsanwaltschaft im Anschluss an die Massnahme einen Landesverweis von 15 Jahren. Der Prozess findet am Mittwoch vor dem Bezirksgericht Frauenfeld statt.

Kleine Verwahrung

Bei der kleinen Verwahrung nach StGB 59 geht das Gericht davon aus, dass der Täter behandelbar ist und wieder in die Gesellschaft integriert werden kann, aber halt zu einem späteren Zeitpunkt, da Therapieerfolge oft viel Zeit brauchen. Der Verurteilte muss nicht ins Gefängnis, sondern in ein Massnahmezentrum. Die bauliche Sicherheit in solchen Zentren ist vergleichbar mit Gefängnissen. In Massnahmezentren werden die Verurteilten therapiert. In geschlossenen Zentren wird gewährleistet, dass die Insassen nicht nach draussen können und die öffentliche Sicherheit nicht gefährden.

Regelmässige Überprüfung

Bei der kleinen Verwahrung überprüft die Vollzugsbehörde mindestens einmal pro Jahr, ob die angeordnete Massnahme noch nötig ist oder Anpassungen möglich sind, etwa die Verlegung in eine offene Abteilung innerhalb der Massnahmeeinrichtung oder die Gewährung von Ausgang oder Urlaub. Auch das Risiko, das von der Person ausgeht, fliesst in den Entscheid ein. Der Schutz der Bevölkerung hat dabei hohe Priorität.

Kommt das Amt für Justizvollzug wiederholt zum Schluss, dass die stationäre Massnahme weitergeführt werden soll, muss nach fünf Jahren das Gericht nochmals über die Anordnung entscheiden. Erfahrungsgemäss dauert der Massnahmenvollzug mehrere Jahre, weil es längere Zeit braucht, bis Therapien zu dauerhaften Änderungen führen. (jeb)

* Name der Redaktion bekannt

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