Fehlende Plätze: «Kleine Verwahrung» kostet 2000 Franken
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Fehlende Plätze«Kleine Verwahrung» kostet 2000 Franken

Für psychisch auffällige Straftäter fehlen in der Schweiz 300 Therapieplätze. In manchen Fällen fordern die Betroffenen deshalb Wiedergutmachung.

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ij
Fehlende Therapieplätze: Häftling im Verwahrungstrakt der Strafanstalt Pöschwies. (Archivbild)

Fehlende Therapieplätze: Häftling im Verwahrungstrakt der Strafanstalt Pöschwies. (Archivbild)

Keystone/Alessandro Della Bella

In den letzten sechs Jahren stieg die Zahl von zu einer «kleinen Verwahrung» verurteilten Straftätern in der Schweiz um 150 Prozent. Insgesamt fallen 846 Gefängnisinsassen, also jeder Achte in diese Kategorie, berichtet die «SonntagsZeitung». Die Kantone haben deren Situation erstmals systematisch erhoben.

Die psychisch auffälligen Täter müssten therapiert werden. Allerdings fehlen landesweit bis zu 300 Betreuungsplätze, vermutet der Strafvollzugsexperte Benjamin Brägger. Diese sind teuer. Bis zu 2000 Franken pro Tag kostet die «kleine Verwahrung».

Täter fordern Wiedergutmachung

Wegen fehlender Therapieplätze fordern betroffene Täter vor dem Bundesgericht nun Wiedergutmachung. So musste der Waadtländer Jean-Claude F., der wegen Nötigung seiner Ex-Frau verurteilt wurde, zwei Jahre im Gefängnis warten, weil kein Therapieplatz frei war. Er ist mittlerweile auf freiem Fuss, verlangt nun aber 100'000 Franken Wiedergutmachung.

Für die Kantone gestaltet sich die Situation zunehmend ausweglos. Die Kosten für die fehlenden 300 Plätze würden sich auf 150 Millionen Franken pro Jahr belaufen. Im Kanton Fribourg wurde ein geplantes Projekt für 60 Therapieplätze aus Kostengründen abgelehnt.

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