Kanton Waadt - Kleiner Hund tritt aus dem Grab heraus als Kläger vor Schweizer Gericht auf
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Kanton WaadtKleiner Hund tritt aus dem Grab heraus als Kläger vor Schweizer Gericht auf

Premiere in der Schweizer Justiz: Erstmals legt ein Hund als Kläger gegen einen Entscheid der Behörden Rekurs ein. Allerdings wurde der Pomeraner Lokum bereits eingeschläfert.

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Der Pomeraner Lokum soll als juristische Person auftreten dürfen (Symbolbild).

Der Pomeraner Lokum soll als juristische Person auftreten dürfen (Symbolbild).

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Darum gehts

  • Erstmals in der Schweiz will ein Anwalt einen Hund als klageberechtigtes Individuum anerkennen lassen.

  • Der Pomeraner Lokum soll gegen seinen Einschläferungsbefehl Rekurs einlegen dürfen.

  • Ob der Anwalt der Tierbesitzerin Erfolg hat, ist allerdings unsicher.

Lokum starb am Mittwoch: Der kleine Pomeraner, den seine Besitzerin aus der Türkei mitgebracht hatte, war laut 20 Minuten vermutlich vom Parvo-Virus infiziert und erlag den Folgen der Krankheit. Allerdings hätte er gemäss den Behörden sowieso sterben müssen: Das Veterinäramt des Kantons Waadt hatte das Hündchen mit einer Anordnung zum Einschläfern belegt, weil der Verdacht auf eine Tollwutinfektion bestand. Falls der Hund nicht bis am 23. August in die Türkei zurückgebracht werde, werde er am Tag darauf eingeschläfert.

Romain Jordan, Anwalt seiner Besitzerin legte Rekurs gegen die Verfügung ein. Und dies nicht nur im Namen der Frau, sondern auch als Rechtsvertreter von Lokum selbst. «Soviel ich weiss ist das das erste Mal in der Schweizer Justizgeschichte», so Jordan. Die Absicht sei, den Hund als nicht-menschliche Person als unmittelbaren Träger von Rechten zu etablieren, ohne dass der materielle Besitz einer Sache durch ihren Eigentümer vorausgesetzt wird.» Zu Deutsch: Der Hund soll als eigenständiger Kläger auftreten dürfen.

Er argumentiert, dass Lokum als empfindungsfähiges Wesen gilt, und zitiert die ausländische Rechtsprechung: In Argentinien wurden 2014 und in Kolumbien 2017 ein Orang-Utan und ein Bär als nicht-menschliche Personen anerkannt.

Grundsatzentscheid angestrebt

Obwohl Lokum nicht mehr lebt, soll der Rekurs gegen seine angeordnete Einschläferung nach dem Willen von Jordan, Mitglied des Genfer Tierschutzvereins nun behandelt werden: Es gehe ihm um einen Grundsatzentscheid, so der Anwalt.

Die Aussichten auf Erfolg sind laut Fachleuten nicht allzu hoch. François Bellanger, Rechtsprofessor an der Universität Genf, hält fest, dass ein Tier keine juristische Person ist. Es handle sich vielmehr um ein bewegliches Objekt, obwohl diese Definition seit einigen Jahren als umstritten gelte. «Folglich hat der Hund keine Möglichkeit, ein Urteil anzufechten.» Auch Honorarprofessor Thierry Tanquerel sieht es so: «Es handelt sich um einen Versuch, die Rechtsprechung zu verändern.»

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(trx)

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