Spanischer Hochstapler: «Kleiner Nicolás» macht sich an den König ran
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Spanischer Hochstapler«Kleiner Nicolás» macht sich an den König ran

In Spanien ist ein 20-jähriger Hochstapler gefasst worden. Der junge Mann gab sich als Freund von König Felipe VI. aus - oder auch mal als Geheimdienstagent.

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Francisco Nicolás Gómez Iglesias beim Händedruck mit König Felipe VI. Wie der 20-Jährige es schaffte, sich zur Krönung reinzuschmuggeln, ist den Behörden ein Rätsel.

Francisco Nicolás Gómez Iglesias beim Händedruck mit König Felipe VI. Wie der 20-Jährige es schaffte, sich zur Krönung reinzuschmuggeln, ist den Behörden ein Rätsel.

In Madrid sorgt die Geschichte des jungen Francisco Nicolás Gómez Iglesias für beträchtliche Aufregung: Der 20-jährige Hochstapler war in den vergangenen Monaten bis in die höchsten Kreise der Politik und des Adels vorgedrungen. Wegen seines kindlichen Gesichtsausdrucks gaben ihm die spanischen Medien den Spitznamen «Der kleine Nicolás».

Laut «El Mundo» soll sich der 20-Jährige mal als Berater der Regierung, mal als Mitarbeiter des Geheimdienstes CNI ausgegeben haben. Auf Fotos ist er beim Händedruck mit König Felipe VI. oder mit dem früheren Ministerpräsidenten José María Aznar sowie mit anderen prominenten Politikern und Wirtschaftsbossen zu sehen.

«Der kleine Nicolás» (rechts) mit dem ehemaligen Ministerpräsident José María Aznar.

«Er hatte Zugang zu meiner Telefonleitung»

Wie schaffte er es, zur Krönung Felipes eingeladen zu werden?, fragen sich die Spanier. Einer, der mit Gómez Iglesias kürzlich zu tun hatte, klärt im Interview mit «El Mundo» auf: «Der Mann hatte Zugang zu den Datenbanken der Polizei und des Geheimdienstes. Ich habe es mit meinen eigenen Augen gesehen», erzählt Miguel Bernad von der ultrarechten Vereinigung Manos Limpias (Saubere Hände).

Der kleine Nicolás habe Bernad gebeten, die Klage wegen Korruption gegen die spanische Infantin Cristina zurückzuziehen. «Wir haben uns ein paar Mal getroffen. Er gab sich als Mitarbeiter des Geheimdienstes aus und sagte mir, dass er im Namen der Königsfamilie handle. Als Beweis spielte er mir die Aufnahme eines Telefongesprächs vor, das ich am Abend zuvor mit meiner Mutter geführt hatte. Ich war baff. Der Mann hatte Zugang zu meiner Telefonleitung», so Bernad.

Wie Gómez Iglesias es schaffte, einen Ausweis des CNI zu besitzen oder ein offizielles Auto der Regierung zu fahren, ist den Behörden schleierhaft. Bekannt ist jedoch, dass der junge Mann mit den blauen Augen als 15-Jähriger damit begonnen hatte, in der Jugendorganisation der konservativen Volkspartei (PP) von Ministerpräsident Mariano Rajoy ein Geflecht von Beziehungen aufzubauen.

Er stammt aus ärmlichen Verhältnissen

Zuletzt kassierte der Sohn einer kaufmännischen Angestellten und eines Warenverteilers bei Unternehmern Geld mit dem Versprechen, ihnen mit seinen Kontakten zu Aufträgen zu verhelfen. Er studierte Jus am renommierten Centro Universitario de Estudios Financieros, an dem ein Masterstudium rund 9000 Euro kostet.

Bei seiner Festnahme stellte die Polizei gefälschte Geheimdienstpapiere und Polizeiplaketten sicher. Die Justiz legt ihm Urkundenfälschung, Betrug und Amtsanmassung zur Last.

Der junge Mann war bis in die höchsten Kreise des Adels vorgedrungen.

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