Aktualisiert 06.08.2007 14:05

Kleiner Schweizer wird nach Brasilien ausgeschafft

Die brasilianische Geliebte eines verheirateten Genfers muss die Schweiz verlassen. Dass der gemeinsame zweieinhalb Jahre alte Sohn mittlerweile eingebürgert wurde, spielt gemäss dem Entscheid des Bundesverwaltungsgerichts keine Rolle.

Die heute 36-jährige Brasilianerin war vor vier Jahren mit einem Touristenvisum in die Schweiz eingereist und arbeitete anschliessend illegal als Haushalthilfe. Sie lernte in der Folge einen verheirateten Schweizer kennen und gebar im Dezember 2004 einen Sohn. Der Vater des Kindes, der sich von seiner Frau nicht scheiden lassen will, anerkannte den Sohn. Er kommt seither mehrheitlich für den Lebensunterhalt der Brasilianerin und seines Sohnes auf. Er besucht die beiden auch praktisch täglich, so dass von einer Art Familie gesprochen werden kann. Inzwischen hat der Sohn das Schweizer Bürgerrecht erhalten.

Vor einem Jahr entschied das Bundesamt für Migration, dass die Brasilianerin mit ihrem Sohn die Schweiz verlassen muss. Das Amt verneinte einen schwerwiegenden persönlichen Härtefall, der es ermöglicht hätte, der Frau und ihrem Sohn eine Ausnahmebewilligung zu erteilen. Die gegen diesen Entscheid eingereichte Beschwerde hat das Bundesverwaltungsgericht in einem Grundsatzurteil abgewiesen. Das Urteil ist rechtskräftig und kann nicht ans Bundesgericht gezogen werden.

Die Richter in Bern verweisen in ihrem Urteil auf die restriktive Ausländerpolitik der Schweiz und argumentieren, es sei der Brasilianerin und ihrem zweieinhalbjährigen Sohn zumutbar, in einem anderen Land zu leben. Die Brasilianerin habe mehr als 32 Jahre in ihrem Heimatland gelebt und dort mehrere Berufe erlernt; eine Rückkehr sollte ihr deshalb nicht allzu schwer fallen. Und für den zweieinhalbjährigen Sohn, der noch nicht zur Schule gehe, stelle der Umzug nach Brasilien keine Entwurzelung dar.

Auf Grund seines Schweizer Bürgerrechts sei es dem Knaben sodann jederzeit möglich, in die Schweiz zu kommen. Auch die Mutter könne mit Touristenvisum zwei Mal drei Monate pro Jahr in der Schweiz leben. Zudem gebe es für den Vater zahlreiche andere Mittel wie Telefonate, Briefe, Internet, um mit seinem Sohn in Kontakt zu bleiben. Eine Verletzung des in der Europäischen Menschenrechtskonvention garantierten Anspruchs auf Achtung des Familienlebens liegt deshalb nach Meinung des Bundesverwaltungsgerichts nicht vor. (dapd)

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