Aktualisiert 27.08.2012 14:39

Industrie passt sich anKleinere Packungen wegen Armut

Bald wiegen Magnum-Glace und Omo-Waschmittel weniger. Wegen der Eurokrise wendet der Unilever-Konzern sein Modell der günstigeren Kleinpackungen statt teurer Premium-Produkte auch in Europa an.

von
sas
Unilever ist der drittgrösste Konsumgüterkonzern der Welt.

Unilever ist der drittgrösste Konsumgüterkonzern der Welt.

Unilever passt wegen der Eurokrise seine Packungsgrössen an und will damit die Konsumenten mit geringerem Einkommen bei der Stange halten. Der niederländisch-britische Konsumgüterriese setzt dabei auf jene Strategie an, die bereits in Asien Erfolg versprochen hatte. «Die Armut kehrt nach Europa zurück», sagte Unilver-Europa-Chef Jan Zijderveld zur «Financial Times Deutschland». Wenn ein Spanier nur noch durchschnittlich 17 Euro pro Einkauf ausgebe, dann könne man ihm kein Waschmittel für die Hälfte seines Budgets verkaufen.

In Indonesien verkauft der drittgrösste Konsumgüterkonzern der Welt beispielsweise Einzelpackungen Shampoo für zwei bis drei Cent und verdient laut Zijderveld trotzdem ordentliches Geld. «Wir wissen, wie das geht, aber in Europa haben wir es in den Jahren vor der Krise verlernt», so der Unilever-Europa-Boss, der zuvor das Geschäft in Südostasien geleitet hatte.

Richtungsänderung einer ganzen Branche?

Unilevers Strategie könnte der Beginn eines Wandels in der Konsumgüterindustrie sein. Bislang hatten die Konsumgüterunternehmen nämlich versucht, Wachstum in den reifen westlichen Märkten etwa durch teurere Ökoprodukte oder Premiumlabels zu erreichen. Damit wollte man sich von den billigen Handelsmarken der Discounter abheben.

Auf Kleinpackungen setzt der Konzern in Griechenland und Spanien, wo Mayonnaise oder Waschmittel in Mini-Packungen verkauft werden. Eine ähnliche Strategie fährt der Konsumgüterriese – der unter anderem Signal-Zahnpasta oder Axe-Deo herstellt – auch in Grossbritannien. Im von der Schuldenkrise arg gebeutelten Griechenland verkauft Unilever Olivenöl zudem unter einer Günstigmarke.

In der reichen Schweiz wird vorerst nichts verändert. «Die Einkommens-Topografie in Europa ist sehr unterschiedlich,» erklärt der Unilever-Sprecher Markus Abt auf Anfrage. Darum werde man hierzulande beim breiten Sortiment bleiben.

«Kartons auf dem Boden – wie schrecklich ist das denn?»

«Die Märkte in Europa sind so etwas wie die Olympischen Spiele der Konsumgüterbranche: der Härtetest! Wer es hier schafft, der schafft es überall», so Zijderveld, der Unilever seit Anfang 2011 führt. Bisher geht seine Strategie auf: Nachdem die Umsätze des Konzerns in Europa stagnierten oder rückläufig waren, stand 2011 wieder ein kleines Plus von 0,7 Prozent in der Bilanz.

Kritik richtet der Unilever-Boss auch an den Handel: «In einem Apple-Store denkt jeder: Wow, was für ein Erlebnis! In einigen Supermärkten in Europa aber denken Sie: Halb leere Regale, Kartons auf dem Boden, kein Verkäufer weit und breit - wie schrecklich ist das denn?» Seine Forderung: Präsentation und Service müssen verbessert werden.

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