Staad SG: Kleines Mädchen tot im Keller – Eltern verhaftet
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Staad SGKleines Mädchen tot im Keller – Eltern verhaftet

Am Dienstag hat die Polizei in einem Einfamilienhaus in Staad die Leiche eines Mädchens gefunden. Die Polizei geht von einem Tötungsdelikt aus. Die Eltern wurden festgenommen.

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Die Polizei entdeckte die Leiche von Jasmina (1) am 4. August 2015 im Keller eines Hauses in Staad SG.

Die Polizei entdeckte die Leiche von Jasmina (1) am 4. August 2015 im Keller eines Hauses in Staad SG.

Die Eltern Jessica T. und Hanspeter H. werden verdächtigt, das Mädchen getötet zu haben. Sie wurden verhaftet.

Die Eltern Jessica T. und Hanspeter H. werden verdächtigt, das Mädchen getötet zu haben. Sie wurden verhaftet.

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Laut den Nachbarn sah man die beiden nicht oft im Quartier.

Laut den Nachbarn sah man die beiden nicht oft im Quartier.

20 Minuten/rar

In Staad im Kanton St. Gallen machte die Polizei am Dienstag einen schrecklichen Fund: Im Keller eines Einfamilienhauses an der Steigstrasse entdeckten die Beamten eine Kinderleiche. Dabei handelt es sich um ein 2-jähriges Mädchen. Nach ersten Erkenntnissen geht die Polizei von einem Tötungsdelikt aus. Die Eltern wurden festgenommen. Dabei handelt es sich um die 32-jährige Jessica T.* und den 52-jährigen Hanspeter H.*

Ans Licht kam das Drama, nachdem die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) Rorschach bei der Staatsanwaltschaft St.Gallen eine Strafanzeige wegen des Verdachts der Verletzung von Fürsorge- und Erziehungspflichten erstattet hatte. Die Kesb ihrerseits wurde aktiv, weil Jessica T. einen Rückplatzierungs-Antrag für zwei ihrer drei weiteren Kinder gestellt hatte, die zurzeit fremdplatziert sind. Daraufhin hatte die Kesb im Rahmen weiterer Abklärungen die häuslichen Verhältnisse der Eltern überprüft.

Das Verhältnis innerhalb der Familie war «verrückt»

«Dabei konnte die Frau keine Angaben machen, wo sich ihr Kleinkind befindet», sagt Hanspeter Krüsi, Mediensprecher der Kantonspolizei St. Gallen, auf Anfrage. «Wir wussten, dass dort ein Kind wohnt, haben es aber nicht angetroffen», führt Bruno Gschwend von der Kesb Rorschach aus. «Als wir wissen wollten, warum es nicht da ist und wo sich das Kind befindet, konnte das Paar keine genaue Auskunft geben. Wir wollten das Kind aber sehen. Deshalb haben wir in Rücksprache mit den Behörden eine Strafanzeige eingereicht.» Die Kantonspolizei ordnete daraufhin eine Hausdurchsuchung an. Dabei fanden die Ermittler im Keller die Kinderleiche.

«Es ist ein komisches Gefühl, dass so etwas in unserer Nachbarschaft passiert», sagt ein Anwohner. Die Familie habe man hin und wieder draussen gesehen. Das Verhältnis innerhalb der Familie war «verrückt», wie der Anwohner sagt.

Eine andere Anwohnerin berichtet, dass die Familie eher gemieden worden sei. Sie sei «nicht umgänglich» gewesen. Die Tat schockiert dennoch: «Das betrifft mich sehr», sagt sie zu 20 Minuten.

«Er sah fürchterlich aus»

Doch nicht nur Betroffenheit, auch Wut und Angst ist in dem kleinen Ort spürbar. Die Eltern, vor allem H., hatten keinen guten Ruf. «Er sah fürchterlich aus, wir hatten Angst vor dem Mann», sagt eine Jugendliche, die in Staad wohnt.

Ein Anwohner wird laut: «Wenn ihr den nochmals rauslasst, dann könnt ihr mich auch einsperren», ruft er den Polizisten zu. Ein weiterer Anwohner beschreibt, wie H. öfter in der Nacht in seinem Garten rumgelaufen sei und gebrüllt habe.

Todesursache noch unklar

Der Zustand der Leiche lässt eine Identifikation nicht zu. Es muss aber davon ausgegangen werden, dass es sich bei dem aufgefundenen toten Kind um das gesuchte Kind handelt, welches bei seinen leiblichen Eltern wohnte. Das Institut für Rechtsmedizin St.Gallen wurde mit der Untersuchung des Leichnams beauftragt. Die Todesursache ist im Moment noch nicht bekannt.

T. befindet sich zurzeit in Haft. H. wurde vorsorglich in der Psychiatrie untergebracht. Beide werden verdächtigt, ihre Tochter getötet zu haben.

Dass das kleine Mädchen bei T. und H. gelebt hat, während zwei seiner älteren Halbgeschwister fremdplatziert waren, ist laut Gschwend von der Kesb Rorschach nicht ausgeschlossen. Man muss jeden Fall individuell beurteilen. «Wenn zwei Kinder aus einer anderen Beziehung fremdplatziert sind, heisst das nicht, dass auch das dritte aus einer neuen Beziehung platziert werden muss.» Dafür brauche es handfeste Indizien einer Kindeswohlgefährdung. «Ausserdem bedingt das, dass einer Gefährdung nicht anders begegnet werden kann.»

*Namen der Redaktion bekannt.

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