Kleines Mädchen zu Tode geprügelt
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Kleines Mädchen zu Tode geprügelt

Die Augen des Mädchens wirken blutunterlaufen, dunkle Flecken im Gesicht und am kahl rasierten Köpfchen weisen auf schwere Verletzungen hin.

Das Aussehen des Mädchens, das sterbend in der Weissenhorner Klinik in Deutschland entdeckt worden war, mussten die Ermittler am Computer rekonstruieren, weil es wegen der Schwere der Verletzungen auf einem Original-Foto nicht erkannt worden wäre. Brutale Schläge auf den Kopf führten zum Tod der etwa Dreijährigen, wie die Krumbacher Polizei am Donnerstag mitteilte. Über die Identität wird weiter gerätselt.

Eine heisse Spur zu Eltern oder Tätern gibt es drei Tage nach dem Auffinden noch immer nicht. Die Polizei setzte eine Belohnung von 5.000 Euro aus. Den Gerichtsmedizinern zufolge hatte das Mädchen wegen der massiven Verletzungen an Kopf und Körper «nur eine sehr geringe Überlebenschance». Alle Spuren von Misshandlungen stammten von einem stumpfen Gegenstand, erläuterte Polizeisprecher Armin Mayer. Worum es sich dabei gehandelt habe, sei noch unklar.

«Die Kleine muss bis zu ihrem Tod Höllenqualen gelitten haben», sagte ein Beamter der Sonderkommission der «Augsburger Allgemeinen». Medienspekulationen über stundenlange Folter wies Polizeisprecher Mayer zurück.

Bei der Obduktion der Leiche stellten die Gerichtsmediziner keine älteren Verletzungen fest. Auf frühere Erkrankungen oder eine Chemotherapie gab es keine Hinweise. Die Ermittler vermuten, dass der Täter dem Kind das blonde bis mittelblonde Haar abrasierte, um die Identifizierung zu erschweren.

Das Alter des Mädchens schätzten die Mediziner auf rund drei Jahre. Das Kind sei knapp einen Meter gross und - entgegen ersten Annahmen - schlank. Zunächst war von einem kräftigen Körperbau ausgegangen worden. Bei der Untersuchung stellte sich heraus, dass der ganze Körper nach der massiven Gewalteinwirkung angeschwollen war. Einen sexuellen Missbrauch des Kindes schlossen die Gerichtsmediziner erneut aus. Weitere Obduktionsergebnisse wollte die Polizei aus Ermittlungsgründen nicht bekannt geben.

Unterdessen wird weiter intensiv nach dem Täter und den Eltern des toten Kindes gefahndet. Die Suche konzentriert sich laut Polizei auf den Raum Weissenhorn und den bayerischen Landkreis Neu-Ulm. Dort befragten die Ermittler zahlreiche Personen und überprüften Familien mit etwa dreijährigen Kindern. Die meisten der rund 30 Hinweise kamen laut Polizei aus der näheren Umgebung.

«Wir gehen davon aus, dass wir den Täter im näheren Umfeld des Mädchens finden werden», sagte Polizeisprecher Mayer. Für den Krumbacher Polizeidirektor Walter Böhm liegt der dringende Verdacht nahe, dass die Eltern etwas mit dem Verbrechen zu tun haben. «Sonst hätten die sich doch längst gemeldet», sagte Böhm der «Augsburger Allgemeinen». Bisher meldete niemand das Mädchen als vermisst.

Ermittlungsgruppe aufgestockt

Weitere Hinweise erhoffen sich die Ermittler von der ZDF-Sendung «Aktenzeichen XY», die sich am heutigen Donnerstag mit dem mysteriösen Gewaltverbrechen beschäftigt. Das Foto des Mädchens soll ebenfalls zur Klärung beitragen.

Die Kripo Neu-Ulm stockte unterdessen die Ermittlungsgruppe «Klinik» von elf auf 25 Beamte auf. Mehr als 100 Zeugen wurden den Angaben zufolge bereits befragt, darunter Mitarbeiter, Patienten und Besucher des Krankenhauses. Offenbar hatte aber niemand bemerkt, wie das nackte, in ein Leintuch gehüllte Mädchen - es war nicht Patientin der Klinik - am Montag in die Krankenhaustoilette gebracht wurde. Eine Besucherin entdeckte am Nachmittag das Kind, das wenig später seinen schweren Verletzungen erlag.

(dapd)

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