Polizeieinsatz: Klickende Handschellen bei Miss-Schweiz-Wahl
Aktualisiert

PolizeieinsatzKlickende Handschellen bei Miss-Schweiz-Wahl

In Bern wurde die Princess of Switzerland gewählt, was Kritiker auf den Plan rief. Doch deren Proteste wurden von den Ordnungshütern im Keim erstickt.

von
Mira Weingartner

Ein Fest der Gegensätze: Während die Schönen und Reichen auf dem Bundesplatz ihre Gala-Roben ausführten und für die neue Miss Schweiz Laetitia Guarino ein Mädchentraum in Erfüllung ging, kam es auf den Gassen Berns zu Protesten und Verhaftungen.

Am frühen Samstagabend wurden die zwölf potenziellen Prinzessinnen auf dem Bundesplatz nebst klatschenden Zuschauern von jungen Aktivisten mit «Sexistische Kommerz-Scheisse» oder «Frauen Zoo» beschriebenen Pappschildern empfangen. «Profit aus den Körpern von Frauen zu schlagen ist nicht in Ordnung», meint etwa Seraina Patzen von den Jungen Alternativen Bern. Auch Tamara Funiciello von der Juso Bern war vor Ort: «Wir waren gesamthaft etwa 60 bis 80 Leute, um auf dem Bundesplatz friedlich unsere Meinung gegen die Veranstaltung zu vertreten.»

Nationalrätin ist schockiert

Das grössere Problem als «die Verdinglichung der Frauen» hatten die Aktivisten schliesslich aber mit der Polizei. Die grüne Nationalrätin Aline Trede, die selbst als geladener Gast in Abendrobe am Anlass teilnahm, konnte die Situation durch den durchsichtigen Glamour-Dome beobachten: «Plötzlich tauchten Kastenwagen auf, Polizisten stellten die friedlich Protestierenden an die Wand und einige wurden mit Handschellen abgeführt.» Trede findet diese polizeiliche Aktion völlig übertrieben. «An einem solch politischen Ort muss jede Meinung Platz haben», sagt die Nationalrätin. Sie sei über die Vorfälle auf dem Bundesplatz schockiert. Es zeige einmal mehr, wie unverhältnismässig die Polizei bei politischen Kundgebungen eingreife.

Auch mehrere minderjährige Aktivisten mussten mit auf den Polizeiposten. «Als ich mit meinen Freundinnen das Transparent auspacken wollte, wurde ich gleich abgeführt», erzählt eine 17-Jährige. Von den Beamten hätten sie nicht einmal eine Begründung für ihre Verhaftung erhalten: «Wir wurden in Handschellen gelegt und so durch die Stadt geführt, später mussten wir eine Stunde mit Kabelbindern um die Handgelenke stehend vor einer Wand verharren bis wir in eine Arrestzelle gebracht wurden, wir fühlten uns alle wie Schwerverbrecher.»

Trillerpfeifen und Signalhörner

Laut Polizei seien mehrere Dutzend Personen kontrolliert worden. Einige von ihnen hätten neben Vermummungsmaterial etwa Trillerpfeiffen und Signalhörner dabei gehabt, um die Veranstaltung zu stören. 20 Personen - darunter sieben Jugendliche - wurden deshalb auf die Wache gebracht. 18 von ihnen konnten noch in der Nacht entlassen werden. Zwei wurden in polizeilichen Gewahrsam genommen. Alles in allem werden 16 Personen angezeigt.

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