Klimafreundliche Wirtschaft - Klimaaktivisten wollen grüne Nationalbank – finanziell könnte sich das lohnen
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Klimafreundliche WirtschaftKlimaaktivisten wollen grüne Nationalbank – finanziell könnte sich das lohnen

Am Freitag demonstrieren Klimaschützer und -schützerinnen gegen die Nationalbank: Sie soll grüner investieren. Das liegt auch im Interesse der Bank, denn Geld in fossile Energie anlegen, birgt finanzielle Risiken.

von
Fabian Pöschl
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Klimaaktivisten und -aktivistinnen des Bündnisses Rise Up for Change knöpfen sich die Nationalbank vor.

Klimaaktivisten und -aktivistinnen des Bündnisses Rise Up for Change knöpfen sich die Nationalbank vor.

Rise Up for Change
Sie fordern, dass die Nationalbank ihr Geld nicht mehr in fossile Energien investiert.

Sie fordern, dass die Nationalbank ihr Geld nicht mehr in fossile Energien investiert.

Rise Up for Change
Mit der Forderung waren die Klimaaktivisten schon am Mittwoch bei der Nationalbank in Zürich.

Mit der Forderung waren die Klimaaktivisten schon am Mittwoch bei der Nationalbank in Zürich.

Rise Up for Change

Darum gehts

  • Klimaaktivisten rufen zur Demo gegen die Nationalbank auf.

  • Sie fordern, dass die obersten Währungshüter aufhören, in fossile Energie zu investieren.

  • Von der grünen Umstellung würde die Nationalbank auch ökonomisch profitieren.

Die Klimajugend ziehts auf die Strasse. Sie demonstriert seit Wochenbeginn gegen die Klimaauswirkungen, die der Schweizer Finanzplatz verursachen soll. Am Montag waren UBS und Credit Suisse dran, am Mittwoch stand sie vor dem Hauptsitz der Schweizerischen Nationalbank (SNB) in Zürich.

Die Bank der Banken wollen sich die Klimaaktivisten und -aktivistinnen von Rise Up for Change am Freitagmittag ein weiteres Mal vorknöpfen, mit einer bewilligten Kundgebung auf dem Münsterplatz in Bern. Derzeit verhandelt das Bündnis noch mit der Stadt um eine Bewilligung für einen Marsch, wie eine Sprecherin sagt.

Wenn sich bei der SNB nichts ändert, gehen die Proteste weiter

Der Grund für die Demo ist das Versprechen der Zentralbank, dass sie kein Geld mehr in Firmen stecken wird, die primär im Kohleabbau tätig sind, wie der «Tages-Anzeiger» schreibt. Doch passiert sei seither wenig. «Die SNB hat versprochen, aus Kohle, Öl und Gas auszusteigen, investiert aber weiter viel Geld dafür und zerstört damit das Klima mit unserem Geld», sagt die Sprecherin der Klimabewegung.

Sollte die SNB den Forderungen der Klimademonstranten und -demonstrantinnen nicht nachkommen, würden die Proteste weitergehen. «Wir sind viele Menschen, die sich freiwillig engagieren, weil es dringend Änderungen braucht. Uns kann man nicht stoppen – die Klimakrise schon. Dazu müssen wir diese Krise wie eine Krise behandeln.»

SNB will mit Investitionen Gesamtmarkt abdecken

Die Nationalbank äussert sich auf Anfrage nicht zur Demo. Ein Sprecher sagt, dass die SNB eine breite Marktabdeckung bei ihren Aktienanlagen verfolge. Damit sei sichergestellt, dass sie den unterschiedlichen Risiken ungefähr im selben Mass ausgesetzt sei wie die gesamte Weltwirtschaft.

So sei der Anteil fossiler Energie in globalen Aktienindizes aufgrund der Transformation der Weltwirtschaft in den vergangenen zehn Jahren von gut elf auf drei Prozent zurückgegangen. Dementsprechend investiere die SNB heute auch weniger Geld in fossile Energien.

Die Nationalbank erwerbe keine Wertschriften von Unternehmen, die systematisch gravierende Umweltschäden verursachen würden. Ebenso verzichte sie auf Investitionen in Firmen, die grundlegende Menschenrechte massiv verletzen würden oder in die Produktion international geächteter Waffen involviert seien.

«Freiwilligkeitsprinzip funktioniert in der Finanzwelt nicht»

«Die SNB und andere Finanzinstitute machen viele leere Versprechen, die kaum dazu führen, dass die Finanzflüsse klimaverträglich werden», sagt Larissa Marti, Expertin Finanzwirtschaft von Greenpeace Schweiz. Die Nationalbank stelle die Marktneutralität immer noch über die Klimakrise. Andere Zentralbanken seien da schon viel weiter.

Marti fordert, dass die SNB aufhört, dem Markt passiv zu folgen. Stattdessen müsse sie Verantwortung übernehmen und proaktiv den Schweizer Finanzplatz dabei unterstützen, alle Geldflüsse so auszurichten, dass diese die Ziele des Pariser Klimaabkommens und somit eine klimafreundliche Wirtschaft unterstützen würden.

Fossile Energien bergen finanzielle Risiken

Von der grünen Umstellung würden die SNB und der Schweizer Finanzplatz auch ökonomisch profitieren. Verschiedene Studien hätten gezeigt, dass es gefährlich sei, immer noch in Unternehmen zu investieren, die fossile Energie fördern. Diese Firmen müssten bald ihr Geschäftsmodell umstellen, was mit hohen Kosten verbunden sei.

Sie hofft, dass die Klimaproteste den Druck auf die SNB erhöhen, sich anzupassen. «Zudem muss endlich die Politik handeln», sagt Marti. Das Freiwilligkeitsprinzip in der Klimafrage funktioniere in der Finanzbranche nicht. Durch ihre grosse Investitionssumme und die Ausstrahlungskraft innerhalb der Finanzindustrie komme der SNB eine besonders wichtige Rolle zu. Sie dürfe sich nicht länger hinter Marktneutralität verstecken.

SNB investiert mehr als 1 Billion

Die SNB hat 2021 erstmals eine Bilanzsumme von über einer Billion Franken erreicht. Den Hauptanteil davon machen Devisenanlagen aus. Diese bestehen aus Anleihen, Aktien sowie aus Anlagen bei Zentralbanken und der Bank für internationalen Zahlungsausgleich in Fremdwährungen.

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