Vom Untergang bedroht: «Klimaflüchtling» erhält kein Asyl in Neuseeland

Aktualisiert

Vom Untergang bedroht«Klimaflüchtling» erhält kein Asyl in Neuseeland

Weil seine Heimat untergeht, bat ein Bewohner von Kiribati in Neuseeland um Asyl. Ein positives Urteil hätte wohl Millionen beeinflusst – doch er blitzte vor dem Obersten Gericht ab.

von
rey

Ioane Teitiota hätte der erste anerkannte Klimaflüchtling der Welt sein können. Doch das oberste Gericht Neuseelands lehnte den Asylantrag des 37-Jährigen von Kiribati endgültig ab. Sein Fall hätte Auswirkungen für Millionen Menschen rund um die Welt haben können.

Teitiota und seine Familie hatte seine Heimat auf der Flucht vor dem Klimawandel verlassen. Der Pazifikinselstaat Kiribati ist einer der tiefstliegenden Staaten der Welt und wird durch den Anstieg des Meeresspiegels unmittelbar bedroht.

«Die Konvention trifft nicht auf ihn zu»

Teitiota wollte unter Berufung auf die UNO-Flüchtlingskonvention gegen die Ablehnung seines Flüchtlingsantrags durch ein Einwanderungstribunal vorgehen. Die Konvention biete Personen Schutz, die etwa auf Grund von Rasse, Religion, Nationalität oder Überzeugung verfolgt würden.

«Jemand, der ein besseres Leben sucht, indem er den empfundenen Folgen des Klimawandels entflieht, ist nicht eine Person, [...] auf die die Konvention zutrifft», hielt der Richter in dem am Dienstag veröffentlichten Urteil fest.

Das wirtschaftliche Umfeld sei in Kiribati womöglich weniger attraktiv als in Neuseeland. «Aber der Antragsteller wäre bei einer Rückkehr individuell keiner Verfolgung ausgesetzt.»

Mit befristetem Arbeitsvisum eingereist

Teitiotas Anwalt argumentierte, Teitiota und seine Frau fürchteten um die Gesundheit ihrer drei Kinder, wenn sie nach Kiribati zurückkehren müssten. Die Familie, deren Kinder in Neuseeland geboren wurden, lebt und arbeitet auf einem Bauernhof.

Der Mann war mit einem befristeten Arbeitsvisum nach Neuseeland gekommen, nach dessen Ablauf aber nicht zurückgekehrt. Die Einwanderungsbehörde will ihn abschieben.

Zieht ganz Kiribati nach Fidschi?

Die Lage in Teitiotas Heimat Kiribati ist ernst. Die tiefliegenden Inseln sind durch Erosion infolge starker Stürme gefährdet. Salzwasser dringt in die Brunnen ein.

Wegen der akuten Bedrohung plant die Regierung gar, die gesamte Bevölkerung nach Fidschi umzusiedeln. Dazu soll auf der Fidschi-Hauptinsel Viti Levu ein grosses Stück Land gekauft werden, wohin die Rund 100'000 Einwohner des bedrohten Inselstaates ziehen könnten. (rey/sda)

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