Neuer Trend: Klimageräte heizen Stromverbrauch an
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Neuer TrendKlimageräte heizen Stromverbrauch an

Diese Woche laufen die Klimaanlagen heiss und unser Strombedarf steigt. Die Energieversorger verzeichnen einen neuen Trend.

von
Isabel Strassheim

Die Hitzewelle feuert unseren Stromverbrauch an.

Je heisser es wird, desto mehr lechzen wir nach Abkühlung. In der Stadt Zürich habe diesen Montag und Dienstag der Stromverbrauch im Vergleich zur Vorwoche zugenommen, sagt der Sprecher der Energiewerke EWZ, Thomas Jeiziner, zu 20 Minuten. Auch der Berner Versorger BKW bestätigt dies. Grund sei der höhere Kühlbedarf in Geschäften und Büros. «Die vermehrt im Einsatz stehenden Ventilatoren und Klimageräte in Privathaushalten tragen sicherlich ebenfalls zur Steigerung bei», sagt Jeiziner.

Genaue Angaben, um wie viel Prozent der Verbrauch diese Tage zugenommen hat, gibt es von den Energiebetrieben noch nicht. Generell gilt aber die Regel: «Pro Temperaturgrad, das über dem sommerlichen Durchschnitt liegt, steigt der Stromverbrauch um etwa ein Prozent an», erklärt BKW-Sprecher Gilles Seuret. Die Leute duschten mehr, liessen Klimaanlagen laufen oder stellten Eis her für Getränke. «In den letzten Jahren ist tatsächlich ein Trend ersichtlich, wonach im Sommer mehr Strom verbraucht wird als früher.»

Eine Stunde Kühlung entspricht 6 km Fahrt mit E-Auto

Klimaanlagen laufen inzwischen auch in immer mehr privaten Wohn- oder Schlafzimmern. Sie gelten als Stromfresser. Ein handelsübliches Klimagerät der Energieklasse A verbraucht 1,3 Kilowatt pro Stunde. Damit könnte man mit dem Elektroauto Zoe 6 bis 8 Kilometer zurücklegen.

Der steigende Strombedarf im Sommer ist verhältnismässig neu und deswegen noch nicht klar erfasst. «Der Trend zu einem immer höheren Stromverbrauch im Sommer durch zusätzliche Kühlung ist möglich, aber statistisch nicht eindeutig belegbar», sagt Simon Banholzer von der Schweizerischen Energie-Stiftung. Laut dem Strom-Projektleiter werden in sämtlichen Energieszenarien für die Zukunft ein steigender Bedarf im Sommer einberechnet. «Durch die weitere Klimaerwärmung gibt es einen wachsenden Bedarf an Kühlung.» Durch die extremeren Temperaturen werde auch für den Winter mehr Bedarf an Strom erwartet.

Im Sommer kommt Schweiz ohne Stromimporte aus

Diesen Sommer sei die Versorgung vor allem durch die Wasserkraftwerke in der Schweiz gesichert, so die BKW. «Momentan ist sehr viel Wasser in den Flüssen, und auch die Speicherkraftwerke sind dank Schmelzwasser gut gefüllt», sagt BKW-Sprecher Jeiziner. Die ganztägig scheinende Sonne fördere auch die Solarenergie.

Die grosse Frage ist jedoch, ob der künftig generell steigende Strombedarf mit erneuerbarer Energie gedeckt werden könne. «Wenn wir auf Kohleenergie aus dem Ausland zurückgreifen müssen, um unseren wachsenden Bedarf zu decken, dann heizt das unseren Strombedarf nur noch mehr an», sagt Banholzer von der Energie-Stiftung. Denn die CO2-Emissionen der Kohle setzen die Klimaerwärmung fort. «Diese Negativspirale wäre fatal.»

Strombedarf steigt stetig

Der Stromverbrauch werde durch die Umstellung auf Elektroautos und Hausheizungen durch Wärmepumpen ohnehin rapide steigen, und zwar viel stärker als durch die Kühlung im Sommer, betont Banholzer. Damit werden zwar die CO2-Emissionen von Benzin- oder Dieselmotoren und Ölheizungen vermieden. «Entscheidend aber wird sein, wie der für die E-Autos und Heizungen nötige Strom erzeugt wird.» Nur erneuerbare Energien können den Klimawandel stoppen.

Bislang ist es so, dass die Schweiz im Sommer aus Wasserkraft gewonnenen Strom exportiert. Das Schmelzwasser der Gletscher füllt dann die Flüsse und Stauseen und treibt die Turbinen an. Im Winter, wenn der Strombedarf noch höher ist als im Sommer und die Wasserkraftwerke weniger produzieren, ist die Schweiz auf Energieimporte aus dem Ausland angewiesen.

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