Experte erklärt: Klimaneutral bis 2040 – ist das für Luzern realistisch?

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Experte erklärtKlimaneutral bis 2040 – ist das für Luzern realistisch?

Die Stadtluzerner Bevölkerung hat entschieden: Bis 2040 soll Luzern klimaneutral werden. Doch bei diesem ambitionierten Ziel gibt es einige Fragezeichen. Ein Experte schätzt die Situation ein.

von
Yann Bartal
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Die Luzerner Stimmbevölkerung sagt ja zur Klima- und Energiestrategie.

Die Luzerner Stimmbevölkerung sagt ja zur Klima- und Energiestrategie.

20min/Matthias Giordano
Bis 2040 soll Luzern klimaneutral werden. Dazu wurden 32 Massnahmen beschlossen, wie zum Beispiel die Förderung von Photovoltaikanlagen Privater.

Bis 2040 soll Luzern klimaneutral werden. Dazu wurden 32 Massnahmen beschlossen, wie zum Beispiel die Förderung von Photovoltaikanlagen Privater.

20min/Michael Scherrer
Auch im Bereich «Mobilität» werden einige Massnahmen ergriffen, wie die Reduktion des öffentlichen und privaten Parkplatzangebots.

Auch im Bereich «Mobilität» werden einige Massnahmen ergriffen, wie die Reduktion des öffentlichen und privaten Parkplatzangebots.

20min/Rochus Zopp

Darum gehts

Die Stimmbevölkerung der Stadt Luzern will beim Klimaschutz entschlossen vorangehen. Sie hat die Klima- und Energiestrategie angenommen. Mit dem Ja der Bevölkerung zu Vorlage des Stadtparlaments wurden auch finanzielle Mittel über insgesamt 32,55 Mio. Franken gesprochen.

Die von der Stimmbevölkerung beschlossene Klima- und Energiestrategie hat es in sich. Der Ausstoss von energiebedingten Treibhausgasen soll bis 2040 auf null Tonnen reduziert werden. Der Energieverbrauch bis 2050 auf 2000 Watt Dauerleistung pro Kopf der Bevölkerung gesenkt werden. Der benötigte Strom soll gänzlich aus erneuerbaren Quellen und zu einem möglichst grossen Teil durch Solaranlagen in der Stadt Luzern hergestellt werden. Zudem wird eine weitere Reduktion des seit zehn Jahren stetig sinkenden Strassenverkehrsaufkommens angestrebt.

Um diese Ziele zu erreichen, will der Stadtrat bis 2030 insgesamt 32 Massnahmen vollständig umsetzen. Im Bereich Strom sollen beispielsweise Photovoltaikanlagen bei Privatpersonen gefördert werden. Besonders im Sektor «Mobilität» wird es einige Massnahmen geben, die Luzerner Privatpersonen zu spüren kriegen:

  • Die Erneuerungsrate des Personenwagenbestandes beträgt rund 14 Jahre. Ab dem Jahr 2026 dürfen daher keine fossilen Fahrzeuge mehr neu immatrikuliert werden.

  • Reduktion des öffentlichen und privaten Parkplatzangebots.

  • Wege sind kurz zu halten und wenn möglich zu Fuss, mit dem Velo oder dem öffentlichen Verkehr zurückzulegen.

  • Der motorisierte Verkehr ist auf leichte Fahrzeuge und elektrische und/oder erneuerbare Energie umzustellen.

Ziele seien realistisch – Zeitplan aber herausfordernd

Prof. Adrian Altenburger ist Co-Institutsleiter Gebäudetechnik und Energie an der Hochschule Luzern und gibt im Gespräch mit 20 Minuten seine Einschätzung über die Erreichbarkeit der Strategie ab. Die Ziele seien realistisch, doch die Zeitachse stelle die eigentliche Herausforderung dar, meint Altenburger. «Technisch ist klar, dass das machbar ist – das wissen wir seit 30 Jahren. Bringen wir es aber bis 2040 hin?»

«Die Krise ist auch eine Chance.»

Adrian Altenburger, Co-Institutsleiter Gebäudetechnik und Energie an der Hochschule Luzern

Momentan sei interessant zu beobachten, dass die Realität die Politik eingeholt habe. «Ich habe noch nie so viel Bereitschaft von Gebäudeeigentümern gesehen, um jetzt zu dekarbonisieren (also die Abkehr der Nutzung kohlenstoffhaltiger Energieträger) und die Energieeffizienz zu verbessern, da durch die verschiedenen Krisen der ökonomische Druck dafür steigt.» Die Krise sei daher auch eine Chance.

Um die Ziele zu erreichen, muss jeder und jede seinen Beitrag leisten, erklärt Altenburger. So gebe es sowohl im Privat- als auch Arbeitsumfeld Möglichkeiten, sparsamer mit Ressourcen umzugehen. Der Experte rät: Geräte abstellen, wenn man sie nicht braucht. Um materielle Ressourcen zu sparen, eher etwas zum Reparieren geben, statt wegzuwerfen. Und mehr Home Office, ÖV und Langsamverkehr statt Motorfahreinsatz.

Luzern hat so im gesamtschweizerischen Kontext ein Zeichen gesetzt, dass überraschend hohe Klimaziele von der breiten Bevölkerung unterstützt werden. 

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