Mehr Tier-zu-Mensch-Übertragungen : Klimawandel erhöht das Risiko für künftige Pandemien
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Mehr Tier-zu-Mensch-Übertragungen Klimawandel erhöht das Risiko für künftige Pandemien

Forschende haben mindestens 10’000 Viren ausgemacht, die das Potenzial haben, vom Tier auf den Menschen überzuspringen. Durch die globale Erwärmung könnten es noch einmal deutlich mehr werden.  

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US-Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler warnen: In den nächsten Jahrzehnten könnte das Risiko für neue Virusinfektionen aufgrund der globalen Erwärmung stark ansteigen. (Im Bild: Vertrocknete Mais-Plantage in Südafrika, 2016)

US-Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler warnen: In den nächsten Jahrzehnten könnte das Risiko für neue Virusinfektionen aufgrund der globalen Erwärmung stark ansteigen. (Im Bild: Vertrocknete Mais-Plantage in Südafrika, 2016)

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Laut der im Fachjournal «Nature» veröffentlichen Studie verändern Klimawandel und Landnutzung die Verbreitung von Wildtieren und führen so zu vermehrten Kontakten zwischen zuvor isolierten Arten und ihren Erregern. (Im Bild: Ein Fledermaus-Jäger, der auf den Philippinen eine Fledermaus einfängt, um sie auf Viren zu untersuchen, 2021)

Laut der im Fachjournal «Nature» veröffentlichen Studie verändern Klimawandel und Landnutzung die Verbreitung von Wildtieren und führen so zu vermehrten Kontakten zwischen zuvor isolierten Arten und ihren Erregern. (Im Bild: Ein Fledermaus-Jäger, der auf den Philippinen eine Fledermaus einfängt, um sie auf Viren zu untersuchen, 2021)

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Im Jahr 2070 werden sich die menschlichen Bevölkerungszentren in Äquatorialafrika, Südchina, Indien und Südostasien mit den prognostizierten Hotspots der artenübergreifenden Virusübertragung in der Tierwelt überschneiden.

Im Jahr 2070 werden sich die menschlichen Bevölkerungszentren in Äquatorialafrika, Südchina, Indien und Südostasien mit den prognostizierten Hotspots der artenübergreifenden Virusübertragung in der Tierwelt überschneiden.

Colin Carlson/Georgetown University

Darum gehts

  • Heisser und von Krankheiten geprägt: Das sind laut einer neuen Studie die Aussichten für die kommenden Jahrzehnte. 

  • Grund dafür ist der Klimawandel, durch den Tiere mit potenziell gefährlichen Viren in neue Lebensräume vordringen werden. 

  • Bereits jetzt sollen mindestens 10’000 Viren existieren, die das Potenzial haben, vom Tier auf den Menschen überzuspringen.

  • Bis zum Jahr 2070 könnten es bereits 15’000 sein. 

Forscher aus den USA haben vor wachsenden Risiken für neue Pandemien durch den Klimawandel gewarnt. Säugetiere, die für den Menschen potenziell gefährliche Viren in sich tragen und die ihren natürlichen Lebensraum in tropischen Regionen haben, seien wegen der globalen Erderwärmung zunehmend gezwungen, sich kühlere Lebensräume zu suchen, heisst es in einer am Donnerstag im Fachjournal «Nature» veröffentlichten Studie. Dadurch steige auch das Risiko der Tier-zu-Mensch-Übertragung bei Viren.

«Die meisten Wildtiere haben nicht viel Gelegenheit, untereinander Viren auszutauschen: Nur sieben Prozent der Säugetierarten teilen einen Lebensraum und sechs Prozent tragen bisher eines oder mehrere gemeinsame Viren in sich», zitiert Scinexx.de das Team. Doch wenn die Verbreitungsgebiete sich veränderten, «werden neue Interaktionen möglich – und ein Teil dieser Kontakte wird zur Übertragung von Viren auf zuvor nicht verfügbare Wirte führen.»

Prozess könnte bereits begonnen haben

Der Studie zufolge existieren mindestens 10’000 Viren, die das Potenzial haben, vom Tier auf den Menschen überzuspringen. Die Forscher gehen jedoch davon aus, dass durch die Wanderung von in den Tropen beheimateten Säugetieren in kühlere Gebiete bis ins Jahr 2070 mindestens 15’000 neue Viren entstehen werden, die von Tier zu Tier übertragen werden.

Vermutlich habe dieser Prozess bereits begonnen, schreiben die Autoren. «Wir haben einen neuen und potenziell verheerenden Mechanismus der Entstehung von Krankheiten aufgezeigt, welche die Gesundheit tierischer Populationen in der Zukunft bedrohen könnten und die aller Wahrscheinlichkeit nach Auswirkungen auch auf unsere Gesundheit haben werden», erklärte Co-Studienautor Gregory Albery von der Georgetown University in Washington. Die Studie lege «unbestreitbare Beweise» dafür vor, «dass die kommenden Jahrzehnte nicht nur heisser, sondern auch kränker sein werden».

«Sprung von Tier auf Mensch kann massive Auswirkungen haben»

Für ihre Studie analysierten die Forscher die mutmasslichen Bewegungen von mehr als 3100 Säugetierarten aufgrund des Klimawandels und die sich daraus ergebenden Virus-Übertragungen. Die Wissenschaftler legten dabei verschiedene Szenarien für die globale Erderwärmung zugrunde.

Diese Arbeit sei wichtig, so Sam Scheiner von der US National Science Foundation in einer Mitteilung: «Die Covid-19-Pandemie, frühere Sars-Varianten, Ebola und Zika zeigen, welche enormen Auswirkungen der Sprung eines Virus vom Tier zum Menschen haben kann». Um solche Übertragungen vorzusagen, müsse man wissen, was im Tierreich vor sich geht.

Auch Covid-19 könnte aufs Klima zurückzuführen sein

Schon im vergangenen Jahr berichteten Forschende im Fachjournal «Science of the Total Environment» von einem möglichen Zusammenhang zwischen Klimawandel und der Covid-19-Pandemie. Damit die Auswirkungen der globalen Erwärmung nicht Überhand nehmen, braucht es weitreichende Anpassungsmassnahmen, wie Klimaforschende erst im Februar 2022 festhielten: Menschen müssen sich von Lebensgewohnheiten verabschieden. Ein Weitermachen wie bisher liege nicht drin.  

Hast du oder hat jemand, den du kennst, Klimaangst?

Hier findest du Hilfe:

Pro Mente Sana, Tel. 0848 800 858

Kinderseele Schweiz, Beratung für psychisch belastete Eltern und ihre Angehörigen

Angehörige.ch, Beratung und Anlaufstellen

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

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