Weisse Weihnachten: Klirrende Kälte, krachendes Blech
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Weisse WeihnachtenKlirrende Kälte, krachendes Blech

Die weisse Pracht über die Festtage hatte auch ihre Tücken: Auf den Strassen gab es zahlreiche Unfälle. Ferienverkehr sorgte im Raum Härkingen SO für lange Staus.

von
rub

Der Traum von weissen Weihnachten ist 2010 in Erfüllung gegangen. Verantwortlich war aber nicht Frau Holle, sondern Scarlett: Das Tief sorgte dafür, dass über die Feiertage praktisch die ganze Schweiz mit einer dicken Schneedecke überzogen war.

Einen Rekord verzeichnete Zürich: Dort lag mit dreizehn Zentimetern so viel Schnee wie seit Weihnachten 1986 nicht mehr, wie der private Wetterdienst Meteomedia mitteilte. Am meisten Neuschnee gab es allerdings in der Nordschweiz mit bis zu zwanzig Zentimetern.

20-Jähriger überlebt Sturz

Die Schattenseite der Bilderbuch-Schweiz zeigte sich auf den Strassen. Schnee und Eisglätte führten vielerorts zu Unfällen mit Verletzten und viel Blechschaden. Auf den Autobahnen kam es teilweise zu Staus und Wartezeiten.

In Syens VD verunfallte am Weihnachtsmorgen ein 30-jähriger Autofahrer tödlich. Er hatte in hohem Tempo ein anderes Auto überholt und dabei die Kontrolle über seinen Wagen verloren. Das Auto überschlug sich und kam auf dem Dach zum Stillstand. Die Feuerwehr konnte den Mann nur noch tot bergen.

Glück im Unglück hatte ein 20-jähriger Urner, der auf der schneebedeckten Klausenstrasse unterwegs war. Er geriet auf die linke Strassenseite, fuhr gegen einen Kolonnenstein und stürzte acht Meter den Abhang hinunter. Er überlebte verletzt und wurde ins Spital gebracht.

Bereits an Heiligabend hatte die weisse Weihnacht ihren Tribut gefordert. Im Kanton Graubünden krachte es über 20 Mal. Vier Personen wurden verletzt. Beim Bareggtunnel im Aargau waren ebenfalls am Freitag mehrere Autos in zwei Unfälle verwickelt: Am frühen Nachmittag fuhren fünf Autos aufeinander auf, und nach 17 Uhr stiessen im Tunnel zwei Autos zusammen. Der Rückstau erstreckte sich zeitweise über 10 Kilometer.

Bus gegen Tram in Zürich

Auch in der Stadt Zürich rollte der öffentliche Verkehr nicht reibungslos. Nachdem die Verkehrsbetriebe den Passagieren am Samstag wegen Problemen mit den Bussen auf den Bergstrecken rieten, auf das Tram umzusteigen, ereignete sich am Sonntagmorgen ein Unfall.

Auf vereister Strasse in der Nähe des Hauptbahnhofs stiessen ein Tram und ein Bus zusammen. Der einzige Passagier im Bus wurde verletzt und ins Spital gebracht. Die Busfahrerin erlitt Prellungen an den Beinen. Das Tram war leer, der Chauffeur blieb unverletzt.

Bereits in der Nacht auf Sonntag hatten sich im ganzen Kanton Zürich rund dreissig Verkehrsunfälle ereignet. Gemäss Kantonspolizei Zürich meist wegen «Nichtanpassen der Geschwindigkeit an die gegebenen Strassenverhältnisse».

Reise-Stau im Baselbiet und in Solothurn

In mehreren Kantonen staute sich der Verkehr nach Unfällen auf der Autobahn, wie Viasuisse mitteilte. Nicht immer aber war ein Unfall der Grund für kilometerlange Blechlawinen. Ausserordentlich starker Wintersport- und Ferienverkehr sorgte auf der Autobahn A2 im Kanton Basel-Landschaft in Fahrtrichtung Bern/Luzern für massive Staus und lange Wartezeiten. Grund war nach Angaben der Kantonspolizei Basel-Landschaft die massive Verkehrsüberlastung im Raum der Verzweigung Härkingen SO und der damit verbundene Rückstau bis weit ins Baselbiet hinein.

Ab 11.30 Uhr musste der Belchentunnel (der meistbefahrenste Autobahn-Strassentunnel der Schweiz) wiederholt und immer wieder komplett gesperrt werden, weil Stau im Tunnel

drohte. Aus Gründen der Verkehrssicherheit (beispielsweise das Risiko eines Fahrzeugbrandes) werde das nicht geduldet. Gegen 18 Uhr staute sich der Verkehr allein im Kanton Basel-Landschaft auf zwölf Kilometern Länge bis nach Arisdorf. Auf dem Gebiet des Kantons Solothurn gibt es einen weiteren Stau. Rega mit «nur» 50 Einsätzen

Die Rega zieht eine positive Bilanz der Weihnachtsfeiertage. Rund 50 Mal musste sie vom 24. bis 26. Dezember ausrücken. Es sei damit «relativ ruhig» geblieben, teilte die Rettungsflugwacht am Abend des Stephanstages mit. Trotz des schönen Wetters am Sonntag mussten die Einsatzkräfte lediglich rund 30 Mal an Unfallorte ausrücken, insbesondere wegen Wintersportlern, die auf Skipisten verunfallt waren.

Probleme bei den SBB

Am zweiten Weihnachtstag hatte auch die SBB mit Problemen zu kämpfen - ob ebenfalls wegen Schnee und Kälte, war unklar. Zwischen Basel und Olten war der Bahnverkehr am Sonntag während knapp sechs Stunden behindert. Grund war laut SBB eine gerissene Fahrleitung. Die Züge von Basel nach Lugano und Locarno fielen zwischen Basel und Olten aus. Die anderen Fernverkehrszüge waren zum Teil verspätet. Die Nonstop-Züge Basel-Zürich wurden via Bötzberg umgeleitet.

Die Strecke zwischen Neuenburg und La Chaux-de-Fonds NE war den ganzen Weihnachtsabend unterbrochen. Grund war eine beschädigte Schiene im Tunnel. Sämtliche Züge zwischen Neuenburg und Corcelles- Peseux NE fielen aus - sie wurden durch Busse ersetzt. (rub/sda)

Tiefe Temperaturen

Am Weihnachts- und insbesondere am Stephanstag ist es so kalt geworden, dass der Schnee vorerst liegen bleibt und sich nicht allzu schnell in grauen Matsch verwandelt. Der Sonntagmorgen fiel das Quecksilber vielerorts im Mittelland unter -10 Grad. Laut SF Meteo war es beim Flughafen Zürich-Kloten mit -15,9 Grad am kältesten - so kalt war es dort seit Anfang 2005 nicht mehr. In Tänikon TG wurden -15,5 Grad gemessen, in Ursenbach BE -12,4 Grad und in Gösgen SO sowie in Leibstadt AG und Wetzikon ZH -12,2 Grad. (sda)

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