Ludovic Magnin : «Klopp ist immer noch ein bisschen verrückt»
Publiziert

Ludovic Magnin «Klopp ist immer noch ein bisschen verrückt»

Emotionale Trainer wie Ludovic Magnin mischen erfrischend die Szene auf. Manchmal zu sehr. Der FCZ-Trainer büsst dafür mit einer Sperre gegen GC. Zieht er die Lehren daraus?

von
E. Tedesco
1 / 6
Am 20. Februar 2018 übernahm Ludovic Magnin bei den Profis des FC Zürich das Amt des Cheftrainers. Seinen ersten Titel als Profi-Trainer holte der 39-Jährige Ende Mai 2018 mit dem insgesamt zehnten Cupsieg des FC Zürich.

Am 20. Februar 2018 übernahm Ludovic Magnin bei den Profis des FC Zürich das Amt des Cheftrainers. Seinen ersten Titel als Profi-Trainer holte der 39-Jährige Ende Mai 2018 mit dem insgesamt zehnten Cupsieg des FC Zürich.

Keystone/Ennio Leanza
Florian Kohfeldt ist Trainer von Werder Bremen. Nach der Freistellung von Alexander Nouri stieg Kohfeldt am 30. Oktober 2017 interimsweise zum Cheftrainer auf. Im April 2018 schloss Werder mit dem 36-Jährigen einen Vertrag bis 2021 ab.

Florian Kohfeldt ist Trainer von Werder Bremen. Nach der Freistellung von Alexander Nouri stieg Kohfeldt am 30. Oktober 2017 interimsweise zum Cheftrainer auf. Im April 2018 schloss Werder mit dem 36-Jährigen einen Vertrag bis 2021 ab.

epa/Filip Singer
Magnin coacht seine Teams aktiv, mit viel Temperament und Leidenschaft.

Magnin coacht seine Teams aktiv, mit viel Temperament und Leidenschaft.

Keystone/Melanie Duchene

Mit ihren frischen Ideen, Sprüchen und emotionalen Auftritten am Spielfeldrand wirbeln viele Jungtrainer die verkrustete Trainerszene auf. Mit Ausbrüchen und emotionalen Aktionen sorgen sie schon mal für Aufsehen. Im Heimspiel gegen Frankfurt dreht Bremen-Trainer Florian Kohfeldt nach einer strittigen Entscheidung des Refs ab und will die Flucht ergreifen. Der Unparteiische wertet dies als Provokation und schickt den Trainer auf die Tribüne.

Letzten Mittwoch hat Alain Bieri nach 54 Minuten genug: Er verbannt Ludovic Magnin auf die Tribüne, weil der FCZ-Trainer fast pausenlos lamentiert.

Zwei temperamentvolle Jungtrainer. Ein Schicksal. Wie gehen sie damit um? Kohfeldt machte kein Geheimnis daraus, dass ihn der erste Platzverweis als Profitrainer sehr beschäftigt hat. «Ich habe lange darüber nachgedacht», so der 36-Jährige, «meine Handlungsweise steht immer unter dem Motto: Helfe ich der Mannschaft oder helfe ich der Mannschaft nicht? Wenn ich auf die Tribüne muss, helfe ich ihr nicht. Punkt.»

«Mir ist klar, dass ich der Mannschaft damit schade»

Auch Magnin hat seiner Mannschaft mit seinem ersten Platzverweis als Trainer einen Bärendienst erwiesen. Er ist im Derby gegen GC am Samstag gesperrt. Am Tag nach dem Platzverweis sagt Magnin: «Ich ärgere mich darüber, dass ich auf die Tribüne verbannt worden bin, aber ich habe gewusst, dass es einmal so kommen wird.»

Es kam – im 44. Spiel als Profitrainer. Sein Temperament ist seine Stärke, gleichzeitig aber auch eine Schwäche. «Natürlich ist mir klar, dass ich der Mannschaft mit einer Sperre schade.»

Emotionen gehörten zum Geschäft dazu. «Aber ich arbeite seit Jahren an mir und versuche mich zu verbessern.» Seine Art an der Seitenlinie komplett verändern, das will der 39-Jährige aber nicht.

Magnin verweist auf Pep Guardiola und Jürgen Klopp, beide sehr erfolgreiche Trainer, die in ihrer Laufbahn auch schon diverse Male auf der Tribüne gelandet seien. «Ich mag Klopp», sagt der FCZ-Coach, «er hat eine Entwicklung gemacht, ist ruhiger geworden, aber er ist immer noch ein bisschen verrückt.» Ein Typ halt, wie Magnin sagt.

«Als Trainer verliere ich nie den Fokus»

«Ich habe Mühe mit Leuten, die mich in eine Schublade pressen wollen. Generell mit Menschen, die andere in Schubladen pressen wollen», sagt Magnin. «Wer sagt, was die Norm ist? Wer bestimmt die Mitte? Was ich durchlebe, ist echt. Ehrliche Emotionen. Die kann ich versuchen zu kanalisieren, aber nicht ändern. Ich wäre nicht ich, wenn ich introvertierter wäre.»

Aber Magnin betont, dass die Grenze der Emotionen nicht überschritten und nie unter die Gürtellinie gehen darf. «Das ist zentral.»

Und wenn er seine Emotionen statt in Wutausbrüche in positives Coaching umwandeln würde? «Das mache ich sowieso», sagt der ehemalige Vize-Captain der Nati. «Als Trainer verliere ich den Fokus nie. Auch bei einer Roten Karte fokussiere ich sofort, was zu tun ist.»

«Klar ist, dass meine Aktion nicht gut war»

Magnin hat auch kein Problem damit, für ein Fehlverhalten einzustehen.

«Ich habe die Szene in St. Gallen auf der Leinwand gesehen und bin schon in der Pause zu Alain Bieri gegangen. Ich habe ihm gesagt, dass ich zurücknehme, was ich gesagt habe, und man so entscheiden kann, wie er es getan hat. Das hat er geschätzt. Aber klar ist, dass meine Aktion nicht gut war. Deshalb akzeptiere ich auch die Sperre gegen GC.»

Deine Meinung