Aktualisiert 15.08.2013 14:22

AbwehrzentrumKlose und Schär knacken Hitzfelds Hierarchie

Druck auf Stammspieler: Dank seiner Leistung gegen Brasilien darf Timm Klose hoffen, in der Nati-Hierarchie aufzusteigen. Auch Debütant Fabian Schär zeigte ein tolles Spiel.

von
Eva Tedesco

Timm Klose äussert sich zum Sieg gegen Brasilien und seinen neuen Coiffeur. (Video: 20 Minuten)

«Mit der Abwehr bin ich sehr zufrieden», lobte Nati-Coach Ottmar Hitzfeld das Verteidiger-Duo Philippe Senderos/Timm Klose, das beim 1:0-Sieg über Brasilien von Beginn weg auf dem Platz stand. Aber auch Debütant Fabian Schär, der nach der Pause mit Klose das zentrale Abwehrduo bildete, gab einen mehr als vielversprechenden Einstand.

Allerdings konnte Senderos, der bislang in der WM-Qualifikation hinter Steve von Bergen und Johan Djourou die Nummer 3 war, Unsicherheiten nicht kaschieren. Der Genfer ist nach dem Triumph gegen die Seleção wohl hinter Klose gerutscht, sofern der Wolfsburg-Verteidiger auf das von ihm am Mittwoch gezeigte Rendement kommt. Zudem übt auch Schär Druck auf die Hierarchie des Abwehrzentrums der Schweizer Nationalmannschaft aus.

«Schade, dass es nur ein Freundschaftsspiel war»

Klose tauchte als einer der ersten in der Interview-Zone auf; mit einem breiten Grinsen im Gesicht und einer neuen flotten Kurzhaarfrisur: «Vor unserem Spiel am Wochenende sind mir die langen Haare immer ins Gesicht gehangen und so habe ich sie zwei Minuten vor dem Spiel vorne abgeschnitten. Aber das hat irgendwie blöd ausgesehen – vorne kurz und an den Seiten so lang. Da hat Diego (Nati-Goalie Diego Benaglio, Anmerk. d. Red.) gesagt: ‹Komm, ich schneide dir die Haare.› Ich dachte erst, das sei ein Witz, aber es war keiner. Am Dienstag haben wir im Hotel einen Rasierapparat organisiert und er hat losgelegt.» Zufrieden mit dem Ergebnis? «Ich habe nur Komplimente erhalten – bis jetzt», sagt Klose.

Noch mehr als über die Künste von Benaglio freute sich Klose aber logischerweise über den Sieg der Nati über Brasilien und seinen geglückten Auftritt. «Das Resultat geht sicher um die Welt, denn das hat keiner erwartet. Schade nur, dass es ein Freundschaftsspiel war.» Doch der Sieg ist wichtig für die Moral. Und gut für Verteidiger Klose, denn in seinem erst dritten Länderspiel über die komplette Distanz konnte der Basler sein Spiel gegen Wales vergessen machen.

Böse Erinnerungen an Gareth Bale

Im Oktober 2011 hatte die Nati mit Klose in der zentralen Abwehr das EM-Qualispiel 0:2 verloren. Klose wird heute noch schwindlig, wenn er an Gareth Bale zurückdenkt, der das 2:0 für die Waliser erzielte. «Es war schwierig damals und vielleicht zu früh für mich. Darum ist es umso schöner, wenn man gegen einen Gegner wie Brasilien auf dem Platz stehen und alles geben darf.»

Ob es ihm gelungen ist, in der Hierarchie nach oben zu klettern, weiss Klose nicht. «Das müssen Sie Herrn Hitzfeld fragen», sagt der siebenfache Internationale. «Ich hatte extrem viel Spass auf dem Platz. Meine ganze Familie und viele Kollegen waren im Stadion und ich durfte endlich nicht als Gegner in diesem Stadion auflaufen, sondern als einer, der für die Schweiz spielt, und das puscht enorm.»

«Ich hätte es mir nicht schöner vorstellen können»

Enorm gepuscht muss auch Fabian Schär gewesen sein. Der Ostschweizer erlebte einen Traum, wie der vom Tellerwäscher zum Millionär. Vor 14 Monaten kickte der Ostschweizer noch beim FC Wil in der Challenge League, wechselte im Sommer 2012 zum FCB, wurde Stammspieler und Leistungsträger. Seit Mittwoch ist er nun auch A-Natispieler und feierte sein Debüt ausgerechnet gegen den fünffachen Weltmeister Brasilien – und das noch mit einem historischen Sieg.

«Quasi vor Heimpublikum mein erstes Länderspiel zu bestreiten und dann noch zu gewinnen – ich hätte es mir nicht schöner vorstellen können», sagte der 21-jährige Debütant. Der coole Verteidiger liess sich weder von der Technik noch vom Tempo der Brasilianer beeindrucken. Er spielte fehlerfrei und sorgte zusammen mit Klose dafür, dass die brasilianischen Angreifer in der zweiten Halbzeit kaum mehr bis vor Benaglio kamen.

Hitzfelds Rat

«Ottmar Hitzfeld hat mir gesagt, dass ich einfach das Spiel machen soll, das ich auch bei Basel mache und voller Selbstvertrauen und ohne Angst an die Sache rangehen soll. Ich glaube, das ist mir ganz gut gelungen», so Schär. «Ich habe auch schon gegen Chelsea und Tottenham gespielt und ich wusste, dass das Tempo gegen Brasilien ähnlich hoch sein wird. Wir hatten es gut im Griff, sind sehr kompakt gestanden und haben sehr wenig zugelassen.»

Zum Trikot-Tausch nach dem Spiel konnte man Schär nicht überreden. Der Ostschweizer wollte das Leibchen aus seinem ersten Länderspiel lieber selber behalten.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.