«Time-out»: Kloten zu weich, um Meister zu werden

Aktualisiert

«Time-out»Kloten zu weich, um Meister zu werden

Die Kloten Flyers stehen auf Platz 1. Auf den ersten Blick ist es eine meisterliche Mannschaft. Aber auf den zweiten Blick fällt auf: Wenn die Klotener im Frühjahr in den Playoffs auf den HC Davos treffen sollten, ist die Saison vorbei.

von
Klaus Zaugg
Hier teilt Klotens Matthias Bieber (2.v.l.) mächtig aus, aber sonst ist Kloten zu weich.

Hier teilt Klotens Matthias Bieber (2.v.l.) mächtig aus, aber sonst ist Kloten zu weich.

Vor zwei Jahren verloren die Flyers den Titel auf eigenem Eis im siebten Finalspiel gegen den HC Davos. Die Mannschaft von heute ist besser als jene von 2009. Gleich schnell, kräftiger, ausgeglichener, besser ausbalanciert und ...härter. Selbst die statistische Differenz ist in dieser Saison verschwindend klein: 114:73 steht das Torverhältnis der Flyers, 112:72 jenes der Davoser. HCD-Trainer Arno Del Curto sagte in Verlaufe dieser Saison anerkennend, in Kloten habe es eine Weiterentwicklung gegeben. Die Mannschaft sei härter geworden.

Was heisst denn eigentlich hart? «Tough» sein wird im Eishockey als Eigenschaft zelebriert. Vordergründig steht die Eigenschaft «hart» für krachende Checks, Wasserverdrängung, Einschüchterung und Faustkämpfe, für «Unzerstörbarkeit» in den Playoffs, wenn der Schmerz bei Zerrungen und gebrochenen Knochen weggespritzt wird. «Tough» sein unterscheidet Hockey-Buben von richtigen Männern.

Mehr eine Frage der Einstellung

Aber hier geht es um etwas anderes. Richtig «tough» sein, hat wenig mit Kraft und Wucht, aber sehr viel mit der Einstellung zu tun. Ist also mehr eine Frage des Kopfes und des Herzens als der Muskeln. Die Spieler lernen einzustecken, kritische Situationen durchzustehen und sie akzeptieren keine Entschuldigungen. Sie jammern nicht mehr ständig über den Spielplan, Verletzungen, die Schiedsrichter, Kritik in den Medien und die Hockeygötter. Sie verhalten sich diszipliniert, spielen bei Schiri-Entscheiden kein Theater und sie regeln die Dinge auf ihre Weise auf dem Eis. Keine andere Mannschaft der Liga ist in diesem Sinne so «tough» wie der HC Davos. Weil Trainer Arno Del Curto diese Einstellung seit 15 Jahren vorlebt.

Wenn wir ausgerechnet in der Adventszeit den «Härtegrad» der Teams werten, kommen wir, leicht übertreibend, zu dieser Rangliste/Wertung

***Stahl

1. HC Davos

2. Kloten Flyers

3. SCL Tigers

***Hartholz

4. SC Bern

5. Servette

***Sperrholz

6. ZSC Lions

7. EV Zug

***Karton

8. Ambri

9. Biel

***Papier

10. Fribourg

11. Lakers

12. Lugano

Dass die SCL Tigers die Überraschungsmannschaft der Saison sind, hat sehr viel mit einem Wechsel von Denken und Handeln zu tun. Aus weinenden Buben sind endlich Männer geworden und diesen Wandel personifiziert Cheftrainer John Fust, sozusagen eine strukturierte Antwort auf den Nonkonformisten Arno Del Curto. Mit der Einstellung der SCL Tigers würden Lugano und Fribourg auf Augenhöhe mit Davos und Kloten spielen.

Kloten kann Playoffserie gegen Davos nicht gewinnen

Wir sind kurz vom Thema abgekommen. Zurück zum Spitzenkampf, zum Vergleich Kloten Flyers/HC Davos: In einzelnen Spielen können die Flyers über die Davoser hinwegbrausen. Aber nicht viermal in einer Playoffserie. Im Spiel am Samstag haben sie eine Lektion erhalten und 1:3 verloren. Die Partie war schnell, intensiv, auf sehr hohem Niveau und trotz der vielen Strafen und zwei Restausschlüssen nicht einmal besonders bösartig. Die Klasse beider Teams zeigte sich darin, dass das Spiel nicht ausgeartet ist.

Was bei einer Analyse auffällt: Die Flyers forderten die Davoser auf allen Ebenen heraus, sie versuchten alles, die Stöcke waren bei einigen Helden zuweilen ein bisschen hoch und der Provokateur Tommi Santala hatte einen grossen Abend. Aber es reichte nicht. Die Zürcher trafen auf einen HCD, der sich nichts bieten liess und sichtlich bestrebt war, ein Zeichen zu setzen und die 2:4-Niederlage vom 5. Dezember zu korrigieren. Wir haben auch gesehen, warum Arno Del Curto so auf Petr Taticek steht: Der tschechische Center ist eine «unzerstörbare» Kampfmaschine, in lichten Momenten ein «Mark Messier des Ostens».

Flyers noch zu weich

Wenn die Flyers und der HCD auf dem Niveau des letzten Samstages spielen, hat in einer Playoffserie nur noch der SC Bern eine Chance. Inzwischen sind die Klotener gegen den SCB sogar zu favorisieren. Dem SCB können sie den Titel entreissen.

Aber eine Playoffserie gegen den HCD können sie 2011 so wenig gewinnen wie 2009. Sie sind zwar härter geworden. Aber im Vergleich zum HCD immer noch zu weich.

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