Aktualisiert 04.05.2012 08:48

Hans-Ulrich Lehmann«Klotens Chancen sind kleiner als 50 Prozent»

Die Liga hat es beschlossen: Die Lizenz der Kloten Flyers kann nicht auf ein neues Unternehmen übertragen werden. Bei Hans-Ulrich Lehmann schwindet die Hoffnung auf eine Rettung des Klubs.

von
Klaus Zaugg
So optimistisch wie auf dem Bild, ist Hans-Ulrich Lehmann nicht mehr.

So optimistisch wie auf dem Bild, ist Hans-Ulrich Lehmann nicht mehr.

Liga-Geschäftsführer Ueli Schwarz hat Klotens Präsident/Besitzer Jürg Bircher und dem möglichen Retter Hans-Ulrich Lehmann am Donnerstagabend die Spielregeln erklärt: Keine Übertragung der Lizenz von den alten, in unbekannter Millionenhöhe verschuldeten Kloten Flyers auf ein neues Unternehmen. Das bedeutet: Die Kloten Flyers müssen saniert werden, notfalls durch einen gerichtlichen oder aussergerichtlichen Nachlass.

Damit ist die Rettung vorerst gescheitert. Denn Lehmann hat es bisher kategorisch ausgeschlossen, in die Kloten Flyers AG (EHC Kloten Sport AG) zu investieren (20 Minuten Online berichtete). Das Unternehmen sei «zu toxisch». «Das ist richtig so», sagt Lehmann zu 20 Minuten Online. «Für mich war deshalb die Übertragung der Lizenz auf ein neues Unternehmen eine Option. Die Liga hat uns nun erklärt, dass dies nicht möglich ist. Dafür habe ich Verständnis und ich akzeptiere die Reglemente.»

Abwarten der Jahresrechnung

Ist damit die Rettung definitiv gescheitert? Nein. Hans-Ulrich Lehmann sagt gegenüber 20 Minuten Online, dass er den Abschluss der Jahresrechnung der Kloten Flyers per Ende April abwartet. «Dann liegen die konkreten Zahlen vor und dann habe ich eine Entscheidungsgrundlage.»

Dass er dann mit dem bisherigen Besitzer und Präsidenten Jürg Bircher eine Lösung findet, schliesst Hans-Ulrich Lehmann nicht aus. Die Frage, die nun allen auf der Zunge brennt: Hans-Ulrich Lehmann, als wie gross bezeichnen Sie die Chancen auf eine Lösung/Rettung? Seine Antwort gegenüber 20 Minuten Online: «Anfänglich war ich sehr optimistisch. Aber da jetzt die Übertragung der Lizenz ausgeschlossen ist, sind diese Chancen kleiner als 50 Prozent.»

Aber die Chance einer Rettung besteht immerhin noch. Die Lösung müsste nun sein, Hans-Ulrich Lehmann so einzuseifen und zu umgarnen, dass er sich emotional der Sache so verpflichtet fühlt, dass er einfach nicht mehr anders kann, als die Kloten Flyers zu retten. Dieser Sichtweise stimmt Hans-Ulrich Lehmann durchaus zu, gibt aber zu bedenken: «Ich habe in den letzten Tagen viele sehr positive Reaktionen von verschiedenen Seiten bekommen. Aber die Kloten Flyers haben heute Schwierigkeiten, weil das Geschäft in der Vergangenheit emotional und nicht rational beurteilt worden ist. Ich werde diese Angelegenheit rational beurteilen. Voraussichtlich werde ich mich vor Ende Mai entscheiden.»

Hoffen auf Solidarität der Spieler

Bis dahin müssen die Spieler wohl noch auf den April-Lohn warten, und Liga-Geschäftsführer Ueli Schwarz zählt jetzt auf die Solidarität der Spieler und der Klubs. «Jeder weiss, was wir an den Kloten Flyers haben und ich gehe davon aus, dass bis Ende Mai niemand versucht, Spieler abzuwerben.» Diese Einschätzung teilen auch verschiedene Spieleragenten.

Wie kann eine Lösung aussehen? Am einfachsten wäre ein aussergerichtlicher Nachlass. Diesem Vorgehen müssten die grössten Gläubiger der Kloten Flyers zustimmen: Das dürften der Steuervogt sowie die beiden Verwaltungsräte Jürg Bircher und Jan Schibli mit ihren Darlehen an die Kloten Flyers sein. Die Steuern müssen bezahlt werden und dann ginge es darum, mit Bircher und Schibli einen «Haircut» auszuhandeln: Auf wie viel Geld sind sie bereit zu verzichten? Wie viele Haare lassen sie sich schneiden? Im Falle eines Konkurses verlieren sie so oder so alles. Also kann Hans-Ulrich Lehmann mit einer gewissen Kompromiss-Bereitschaft von Bircher und Schibli rechnen. Aber eben: Eine Rettung um jeden Preis gibt es nicht.

Lausanne wäre bereit für den Aufstieg

Wie weiter? Liga-Geschäftsführer Ueli Schwarz sagt gegenüber 20 Minuten Online: «Ich hoffe, dass wir bis Ende Mai Klarheit haben. Im schlimmsten Falle hätten wir eine NLA mit elf Teams. Was dann aus der Lizenz der Kloten Flyers würde, kann ich jetzt nicht sagen.» Bereits zeichnet sich jedoch ab, dass die freigewordene Lizenz der Kloten Flyers von Lausanne beansprucht würde. Schwarz bestätigt: «Lausanne hat uns die Bereitschaft für einen Aufstieg signalisiert.» Allerdings hätten in diesem Falle die Klubs im Rahmen einer Liga-Versammlung das letzte Wort.

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