1:12-Initiative: KMU-Komitee ist dafür, Kirchen sind uneins
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1:12-InitiativeKMU-Komitee ist dafür, Kirchen sind uneins

Die Juso bekommt Unterstützung von ungewohnter Seite: Hundert Firmenchefs kleiner und mittlerer Unternehmen befürworten die 1:12-Vorlage. Katholiken und Reformierte sind gespalten.

Die 1:12-Initianten machen Druck im Abstimmungskampf. Sie haben 100 Firmenchefs hinter sich geschart, die für die Initiative weibeln.

SP-Nationalrat Cédric Wermuth sagt im «SonntagsBlick»: «Aus Zeitgründen wollten wir eigentlich auf ein KMU-Komitee verzichten. Aber dann haben sich so viele gemeldet, dass wir die Namen von rund 100 Unternehmen Anfang Woche im Internet aufschalten werden. Diese Firmen setzen sich allesamt für ein Ja zur 1:12-Initiative ein.»

1:12-Initiative spaltet Katholiken und Reformierte

Auch die Vertreter der grossen Landeskirchen mischen sich in die Debatte um die 1:12-Initiative ein – und zeigen dabei unterschiedliche Toleranz für Spitzenlöhne. Die Katholiken sind bei der Lohnschere strenger als die Protestanten.

Thomas Wallimann-Sasaki, Präsident der Kommission Justitia et Pax, der sozialethischen Stimme der Bischofskonferenz, begrüsst die Initiative der Juso: «Es geht um eine fundamentale Gerechtigkeitsdebatte», sagt er in der Zeitung «Schweiz am Sonntag. «Es läuft beim Lohn aus dem Ruder – gegen oben wie auch gegen unten.» Einen absoluten oder relativen Lohndeckel will er nicht nennen, hält aber fest: «Eine Leitplanke ist der Bundesratslohn.» Also rund 450'000 Franken im Jahr.

«Lohnspanne von 1:30 bis 1:40 akzeptabel»

Die Reformierten nehmen dagegen tendenziell eine grössere Lohnspanne in Kauf. Aus Sicht des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes (SEK) sollten sich die Spitzenlöhne an den Verhältnissen der 1980er-Jahre orientieren. In diesem Sinn scheine heute eine Lohnspanne von 1:30 bis 1:40 akzeptabel, sagt SEK-Sprecher Thomas Flügge zur «Schweiz am Sonntag».

Auf Unterstützung stösst bei den Kirchenvertretern die Forderung nach einem Mindestlohn. Martin Werlen, Abt des Klosters Einsiedeln, sagt: «Es ist menschenunwürdig, wenn der Lohn für einen 100-Prozent-Job nicht ausreicht, um sich und die Familie zu ernähren.»

Mindestlohn «ernsthaft diskutieren»

Und Thomas Wipf, der frühere Präsident des Reformierten Kirchenbunds, sagt, einen nationalen Mindestlohn müsse man «ernsthaft diskutieren». Eine eigene Idee, wie man gegen Exzesse in den Chefetagen vorgehen könnte, hat der Basler Industriepfarrer Martin Dürr: Er schlägt vor, dass Manager ab einer bestimmten Salärhöhe in einem «Seitenwechsel» jährlich eine Woche «am unteren Rand der Gesellschaft» verbringen. «Das würde sie aufrütteln.»

«Mister Arbeit» für Mindestlohn - aber nur in Deutschland

Boris Zürcher, der neue Leiter der Direktion für Arbeit beim Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco), spricht sich für einen Mindestlohn in Deutschland, nicht aber in der Schweiz aus.

Im Interview mit der «SonntagsZeitung» sagt der Nachfolger von Serge Gaillard, Deutschland zahle einen hohen Preis für den Titel des Exportweltmeisters. «Die Kaufkraft der Erwerbstätigen stagniert, und die Arbeitsbedingungen am unteren Ende der Lohnverteilung erodieren.» Wie Kanzlerin Angela Merkel wäre er dort auch für eine Lohnuntergrenze.

In der Schweiz hätten sich Produktivität und Kaufkraft hingegen gleichmässig entwickelt. Zürcher warnt vor der 1:12-Initiative. Damit werde nur «eine unschweizerische Neidkultur bewirtschaftet».

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