Nach 24 Jahren – «Hauptgrund war Vorfall mit meiner Gesundheit» – Lüthi hört als SCB-Boss auf

Publiziert

Nach 24 Jahren«Hauptgrund war Vorfall mit meiner Gesundheit» – Lüthi hört als SCB-Boss auf

An einer Medienkonferenz informiert der SC Bern zu den Themen «Sportliche Analyse und Umstrukturierungen». An dieser folgt dann auch die grosse Überraschung: Der langjährige Boss Marc Lüthi tritt zurück.

1 / 7
Marc Lüthi hat sich entschieden, als SCB-CEO zurückzutreten. 

Marc Lüthi hat sich entschieden, als SCB-CEO zurückzutreten. 

Urs Lindt/freshfocus
Hängende Gesichter beim SC Bern nach dem Saisonende. 

Hängende Gesichter beim SC Bern nach dem Saisonende. 

Marc Schumacher/freshfocus
Auch Lüthi ist enttäuscht. 

Auch Lüthi ist enttäuscht. 

Claudio De Capitani/freshfocus

Darum gehts

Marc Lüthi hielt sich an der Medienkonferenz am Mittwochnachmittag kurz. Der 60-Jährige sagte: «24 Saisons sind genug. Ich gebe meinen Job als CEO des SC Bern per 1. September auf. Ich möchte mich auf andere Dinge konzentrieren.» Das wars, mehr sagte Lüthi, der 1998 als Geschäftsführer bei den Bernern eingestiegen war, vorerst nicht. 

Der Verwaltungsrat wurde von Lüthis Entscheid, einen Schlussstrich als CEO zu ziehen, letztlich etwas überrumpelt. Er hat nicht damit gerechnet. Verwaltungsratspräsident Beat Brechbühl informierte an der Medienkonferenz sogleich: «Raeto Raffainer (der Sportdirektor, Red.) zeigte, was in ihm steckt. Er hat Knowhow im Kernbereich. Der VR hat sich entschieden, dass Raffainer neuer CEO wird. Das Amt des Sportdirektors wird aufgehoben.» Brechbühl wird selber am 1. September Lüthi als seinen Nachfolger als Verwaltungsratspräsidenten präsentieren. Er selber wird noch ein Jahr im Amt bleiben. 

Lüthi sagte etwas später zu den Beweggründen für seinen Rücktritt: «Der Hauptgrund war der Vorfall mit meiner Gesundheit. Deswegen habe ich mich für diesen Schritt entschieden. Es ist der richtige Zeitpunkt. Es wird Zeit, dass ein 60-Jähriger einem 40-Jährigen übergibt.» Für ihn gebe es auch in Zukunft sehr viel zu tun. Lüthi sieht seine Hauptaufgaben in der Finanzierung von diversen Projekten innerhalb des SCB. 

Eine Idee, die schon länger im Kopf war

Lüthi bestätigte gegenüber 20 Minuten, dass sein Entscheid schon vor einigen Wochen in seinem Kopf entstanden ist. Es seien aber noch viele Gespräche geführt worden, mit dem Verwaltungsrat und mit Raffainer. Und irgendeinmal stimmten alle zu. «Ich bin froh, ist es so gekommen. Ich freue mich einerseits, neue Dinge zu tun, ich freue mich aber auch darauf, dass ich die operative Verantwortung nicht mehr habe und Raeto das jetzt macht. Ich glaube, wir werden eine gute Zusammenarbeit haben, das wird ‹fäge›», so Lüthi.

Im Februar, als er über seinen Gesundheitszustand informierte, war der Rücktritt offiziell noch kein Thema. Was hatte sich denn seither in seinem Kopf geändert? «Nichts! Ich konnte damals einfach noch nicht sagen, was ich genau will, weil es auch noch nicht klar war. Darum, weil das kein einsamer Führungsentscheid von mir war, sondern es brauchte eine Menge Zustimmungen. Die Idee, was ich gerne will, entstand, kurz nachdem ich gesundheitlich wiederhergestellt war.»

«Das ist das Schlimmste»

Lüthi besass früher immer «den inneren Drang, operativ auch an den Spielen präsent zu sein, sei das am Morgen früh oder am Abend spät. Das habe ich nun als inneren Drang nicht mehr.» Nun will der 60-Jährige an Auswärtsspiele gehen und diese geniessen. «Früher gab es schon Spiele, wo ich dachte: ‹Verdammt nochmal, nun auch das noch heute Abend.› Von Davos runterfahren, wenn man eine Klatsche kassiert hat, das ist das Schlimmste, was es überhaupt gibt. Darum freue ich mich auf diesen Rollenwechsel.»

Angesprochen auf seine gesundheitlichen Probleme, sagte Lüthi, die Ärzte hätten ihm grünes Licht gegeben, dass so etwas nicht mehr passieren sollte. Und er selber will natürlich nicht, dass so etwas nochmals geschieht. «Darum: Vorbeugen ist besser als heilen», sagt Lüthi. Für ihn war es aber neben dem Aspekt der Gesundheit auch einfach Zeit zurückzutreten – und nun sei der richtige Zeitpunkt.

«Wir haben die Talsohle durchschritten, jetzt soll es wieder bergauf gehen. Ich habe 1998 in der tiefsten Misere übernehmen können, ich konnte den Verein aufbauen und durfte viele Erfolg feiern und hatte aber auch Misserfolge. Nun geht es Raeto genau gleich.» Für Lüthi ist nun der beste Moment, dass Raffainer übernimmt. Er habe das ja auch so getan: «Ich übernahm ja im Beinahe-Konkurs. So weit sind wir zum Glück jetzt nicht.»

Gesundheitliche Probleme bei Lüthi

Noch Ende Februar sagte Lüthi, nachdem er wegen einer Gehirnblutung hatte zurückstecken müssen, an einer Medienkonferenz: «25 Jahre lebte ich diesen Club, nun muss ich auf mich schauen. Das ist ungewohnt.» Diese extreme Situation brachte den 60-Jährigen dazu, sich zu überlegen, wie es weitergehen soll. «Ich will weitermachen – was genau oder in welcher Funktion, ist jetzt noch nicht klar.» Ein Abschied vom SCB war denkbar, noch war der Zeitpunkt aber nicht klar. Das kurzfristige Ziel Lüthis war es, die laufende Saison «mit Anstand und Würde abzuschliessen».

Dies missriet, denn die Berner liessen sich noch die Butter vom Brot nehmen und verpasste die Pre-Playoffs. «Der Misserfolg hat Emotionen ausgelöst. Vorwiegend negative», sagte Lüthi im «Blick». Es sei völlig offen, wie es mit ihm beim SCB weitergehe, aber es sei davon auszugehen, dass er kommende Saison noch mitmischen werde. Und im SRF meinte Lüthi: «Es sind tonnenweise Fehler passiert, auf allen Stufen. Bei mir angefangen, über die sportliche Führung bis weiss Gott wo.»

Lundskog bleibt SCB-Headcoach

Deine Meinung

7 Kommentare