Regensdorf ZH: Knallhart Senioren abgezockt
Aktualisiert

Regensdorf ZHKnallhart Senioren abgezockt

Eine junge Roma-Frau hat mit Herz zerreissenden Lügengeschichten mehrere gutgläubige Senioren um insgesamt 65 000 Franken gebracht. Auch in Regensdorf.

von
Attila Szenogrady

Innerhalb von wenigen Monaten hat eine heute 21-jährige Serbin ein kleines Vermögen von rund 65 000 Franken ertrogen. Die zur Volksgruppe der Roma angehörige Kriminaltouristin hatte sich allein stehende Schweizer Senioren als Opfer ausgesucht. Zu ihrem Beuteschema gehörten dabei vor allem sehr betagte Witwer, die sich tagsüber in Migros-Restaurants aufhielten und jeweils froh um eine bedeutend jüngere Gesprächspartnerin waren.

Todkranke Mutter oder Operation am Unterleib

Fest steht, dass die offensichtlich schauspielerisch begabte Täterin die Geschädigten mit frei erfundenen Unglücksgeschichten um den Finger wickelte. Entweder erzählte sie von ihrer angeblich todkranken Mutter, die in einem Bezirksspital dahin vegetieren würde. Oder von einer eigenen komplizierten Operation am Unterleib. Wobei sie jeweils vorgab, dass sie die hohen Rechnungen nicht gleich bezahlen könne und um ein Darlehen bat.

Zu den Opfern zählte auch ein 90-jähriger Mann aus Regensdorf. Der inzwischen verstorbene Rentner lernte die Täterin im Migros-Restaurant in Regensdorf beim Kaffeetrinken kennen. Dabei bekam er von der Täterin zu hören, dass sie dringend Geld für die Wohnungsmiete benötige. Ansonsten drohe ihr die Ausweisung. Er hatte Mitleid, übergab ihr insgesamt 1100 Franken und sah sein Geld nie wieder.

In Abwesenheit verurteilt

Erheblich schlimmer erging es einem heute 83-jährigen Stadtzürcher. Er wurde von der Angeklagten um rund 59 000 Franken gebracht. Immerhin war es ihm zu verdanken, dass er die Betrügerin im Sommer 2009 in eine Falle der eingeschalteten Polizei locken konnte.

Die junge Frau verbrachte danach bis zum letzten Herbst mehrere Monate in Untersuchungshaft. Sie gab zu, insgesamt vier betagte Herren ausgenommen zu haben. Da die Putzfrau inzwischen ausgeschafft wurde, erging das nun eröffnete Urteil in ihrer Abwesenheit. Sie wurde wegen mehrfachen Betrugs und weiteren Nebendelikten zu einer bedingten Freiheitsstrafe von zehn Monaten verurteilt. Die Staatsanwaltschaft hatte zwölf Monate auf Bewährung gefordert.

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