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Amanda Knox im Knast«Knast-Literatur-Preis» für Amanda Knox

Nach ihrer Verurteilung ist Amanda Knox in eine Zweierzelle einquartiert worden. Sie verbringt ihren Alltag mit Fernsehen, Lesen und Schreiben. Ihre letzte Geschichte wurde sogar im Gefängnis ausgezeichnet – sie handelt von einer jungen Frau, die während einer wilden Partynacht sexuell missbraucht wird.

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Im Hochsicherheitsgefängnis von Perugia sehen die Tage alle gleich aus. Amanda Knox, die bis anhin eine Zelle mit drei anderen Insassinnen – einer Rumänin, einer Chinesin und einer Kosovarin - teilen musste, ist jetzt im zweiten Stock im Frauentrakt des Gefängnisses von Capanne untergebracht worden. Dort teilt sie sich eine Zelle mit der 53-jährigen Landsfrau Laura.

«Bei unserem ersten Besuch war sie komplett am Boden zerstört. Bei unserem zweiten Besuch sagte sie: ‹Ich bin bereit zu kämpfen›», sagte Knox' Mutter Edda Mellas, die ihre Tochter zweimal in der Woche besuchen darf. Amanda habe immer noch Vertrauen in die italienische Justiz und sie beginne nun, sich an einen geordneten Tagesablauf anzupassen. «Sie bekommt sehr viel Unterstützung von den anderen Frauen und den Wärterinnen. Sie passen alle auf sie auf.»

Preis für Geschichte gewonnen

Amanda Knox verbringe ihre Tage mit Lesen und Schreiben, berichtet der «Corriere della Sera». In ihrer Zelle steht ein Fernseher, neben ihrem Bett stapeln sich die Bücher. Die 22-Jährige soll kürzlich mit ihrer Geschichte «My Love» einen Gefängnis-Wettbewerb gewonnen haben. Die Geschichte handelt von einer jungen Frau, die einen Brief von einem Mann erhält, der in sie verliebt ist. Im Brief erzählt der Mann, er könne sich die Frau «splitternackt» und geschlagen auf dem Boden liegend vorstellen.

In der Geschichte wird die Frau nach einer wilden Partynacht, bei der reichlich Alkohol und Drogen konsumiert wurden, mit der Ambulanz ins Spital gefahren. Der Hauptdarsteller bereut es, der Frau nicht geholfen zu haben. «Als ich zurückkam, hatten sie dich schon ins Krankenhaus gefahren. Du musst aber wissen, dass ich dich nicht im Stich lassen wollte… Ich hoffe nur, es geht dir gut. Verzeih mir.» Eine frappante Ähnlichkeit von Knox' Erzählung zum Mordfall an Meredith Kercher ist kaum zu übersehen.

Raffaele Sollecito geht es nicht gut

Inzwischen melden sich auch die Eltern des Mitverurteilten Raffaele Sollecito zu Wort. Seine Stiefmutter Mara ist über das Urteil sehr unglücklich: «Das Gericht hat seine Arbeit nicht richtig gemacht. Sie hätten Raffaele freisprechen sollen. Er ist vollkommen unschuldig.» Luca Maori, sein Anwalt, macht sich Sorgen um seine Psyche. Der junge Informatiker habe zu ihm gesagt: «Ich fühle mich wie in einem höllischen Albtraum. Was soll ich jetzt machen?»

Auch Knox könne an einigen Tagen nicht begreifen, dass sie verurteilt ist, erzählen ihre Anwälte. «Niemand glaubt mir», sagt sie dann, «und ich verstehe nicht, wieso. Ich habe immer die Wahrheit gesagt. Ich habe Meredith nicht getötet.»

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