Ausserrhoder Kantonsgericht: Knast statt Therapie für Grossmaul
Aktualisiert

Ausserrhoder KantonsgerichtKnast statt Therapie für Grossmaul

16 Monate unbedingte Freiheitsstrafe für einen 20-jährigen Herisauer: Das Ausserrhoder Kantonsgericht verurteilte den Schweizer mit siebenjähriger krimineller Karriere wegen Raubs, sexuellen Handlungen mit einem Kind und weiteren Delikten.

Die Anklage hatte für den vorbestraften jungen Mann, der gegenwärtig in Sicherheitshaft in Gmünden, Teufen, einsitzt, eine unbedingte Freiheitsstrafe von 18 Monaten gefordert. Der amtliche Verteidiger forderte eine unbedingte Strafe von zwölf Monaten.

Keine Therapie

Das Gericht liegt mit seinem Urteil tendenziell eher auf der Linie des Verteidigers. Es sprach eine Gesamtstrafe aus; darin sind auch früher ausgesprochene unbedingte Strafen enthalten, die nun vollzogen werden. Ausserdem muss der Mann Kosten in der Höhe von rund 40 000 Franken tragen.

Staatsanwalt, Verteidigung und der Angeklagte selber fanden eine Therapie sinnvoll, «damit die Persönlichkeitsstruktur des Angeklagten positiv beeinflusst werden kann,» wie es in der Anklageschrift hiess. Für das Kantonsgericht war eine Massnahme kein Thema, wie der Gerichtspräsident am Dienstag erklärte.

Der junge Kleinkriminelle hat bereits rund 300 Tage gesessen. Falls die Zweidrittels-Regel - Entlassung nach Verbüssung von zwei Dritteln der Strafe - zur Anwendung gelangte, wäre er bald auf freiem Fuss. Das ist aber Sache der Strafvollzugsbehörden.

Vandalismus und Taxi-Raub

Der junge Mann hatte regelrechte Saubannerzüge durch Herisau absolviert: Dabei knickte er zahlreiche Aussenspiegel ab und zerkratzte Autos. Er schlich in Solarien ein und brach Münzautomaten auf oder schleppte sie gleich ab. Er gab sich als Polizist aus und verschaffte sich Zutritt zu einem Haus. Das wertete die Anklage als Amtsanmassung.

Mit einem Taschenmesser verübte er einen Raubüberfall auf einen Herisauer Taxichauffeur. Beim Bahnhof Herisau entzündete er in einem Velounterstand das auslaufende Benzin eines Motorfahrrads. Deshalb war er der Brandstiftung angeklagt.

Freisprüche

Das Gericht gewichtete mehrere Straftaten leichter als die Anklage: Von Brandstiftung, Amtsanmassung, Betrug und qualifiziertem Raub sprach es ihn frei.

Verurteilt wurde der Mann wegen einfachen Raubs. Ein Taschenmesser gilt nicht als gefährliche Waffe. Hingegen verurteilte ihn das Gericht werden sexueller Handlungen mit einer 14-Jährigen und wegen der zahlreichen Diebstähle.

Grossmäuliger Hochstapler

Der Angeklagte, der ab und zu Kokain konsumierte, sei kein Schwerkrimineller; er sei haltlos, unstrukturiert und frustrationsintolerant und ein grossmäuliger Hochstapler, hatte der Verteidiger argumentiert. Der Angeklagte hatte seine Delikte sofort zugegeben und auch noch aufgebauscht. Er hatte sich in der Rolle des gefährlichen Ganoven gefallen.

Er könne seine Straftaten leider nicht ungeschehen machen, sagte der Angeklagte vor Schranken. Es tue ihm sehr leid; er habe sich bei allen Geschädigten entschuldigt. Er wolle sobald wie möglich eine Arbeitsstelle antreten. Die Sicherheitshaft sei hart für ihn.

(sda)

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