Sorgen um Marktwert: Knatsch um Bundesliga-Spielerdaten
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Sorgen um MarktwertKnatsch um Bundesliga-Spielerdaten

Seit dieser Saison können Online-Medien die gleichen Spieler-Statistiken erwerben wie die Bundesligaklubs. Was die Fans erfreut, sorgt bei den Klubchefs für Sorgenfalten.

von
fbu
Bild.de nutzt eine Vielzahl von Daten in ihrem Sportdaten-Center. (Quelle: Bild.de)

Bild.de nutzt eine Vielzahl von Daten in ihrem Sportdaten-Center. (Quelle: Bild.de)

Nach der ersten Runde der Bundesliga machte in verschiedenen deutschen Medien die Information die Runde, dass Lukas Podolski vom 1. FC Köln der lauffaulste Spieler des ersten Spieltags war. Erstmals ist es Zeitungen und Online-Portalen in dieser Saison nämlich möglich, detaillierte statistische Daten zu Spielen und Akteuren zu erwerben und ihrer Leserschaft zur Verfügung zu stellen.

An der Bundesliga-Manager-Tagung von letzter Woche kam nun ans Licht: Die Klubverantwortlichen haben nur wenig Freude an der Veröffentlichung von Leistungs-Daten ihrer Profis. Vor allem Volker Finke und Horst Heldt (Sportdirektoren des 1. FC Köln bzw. Schalke 04) befürchten, dass ihre Spieler dadurch an Marktwert verlieren.

Sträuben gegen Neues beinahe Tradition

Seit dieser Saison verfügen Spiegel Online, Bild.de, Kicker.de und weitere Online-Plattformen über das gleiche Datenmaterial wie alle Bundesligatrainer. Konkret geht es um Informationen über Zweikämpfe, Ecken, Laufdistanzen etc. Neu beziehen alle Bundesliga-Klubs die Statistiken von der auf diesen Themenbereich spezialisierten Firma «Impire». Dadurch sparen die Vereine rund fünf Millionen Euro im Jahr. Der Deal lässt den Analyse-Experten aber auch die Möglichkeit offen, ihre Daten an Medienunternehmen zu verkaufen.

Zur Kritik der Klub-Manager sagt der Impire-Vertriebschef Mario Hanus gegenüber MEEDIA: «Ich denke nicht, dass die Veröffentlichung der Spieldaten den Marktwert eines Spielers beeinflusst, schliesslich werden objektive Leistungsdaten schon seit 20 Jahren erfasst und publiziert.» Dieses Beispiel zeigt wieder einmal, dass die Verantwortlichen der Bundesliga gegenüber Neuerungen grundsätzlich eher kritisch sind. Ähnlich war es bereits bei der Einführung der 15.30-Uhr-Anspielzeiten – heute beschwert sich darüber niemand mehr.

Experten bemerken schlechte Leistung auch so

Für die Fans sind die zusätzlichen Informationen ein echter Gewinn. Zudem dürften Experten auch ohne diese Statistiken merken, wann Spieler eine gute bzw. eine schlechte Performance hinlegen. Dieser Meinung ist auch Klaus Smentek, der Chefredakteur vom Kicker: «Wenn ein Spieler eben nicht lauf- oder zweikampfstark ist, wird es jeder Fachmann auch ohne diese Daten sehen.»

Trotzdem will der Ligaverband DFL mit «Impire» in Verbindung treten und über eine Einschränkung der Datenweitergabe verhandeln. Die Erfolgschancen sind wohl eher gering. Auch andere Firmen geben Daten zur Veröffentlichung weiter. Es dürfte also kaum zu verhindern sein, dass auch der Fan jedes Leistungsdetail zu den Spielern in Erfahrung bringen kann.

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