Linsen unter Wasser: Knipsen im Bad erlaubt – Gäste sind alarmiert
Aktualisiert

Linsen unter WasserKnipsen im Bad erlaubt – Gäste sind alarmiert

Im Erlebnisbad im Westen von Bern darf neu wieder gefilmt und fotografiert werden. Trotz Auflagen stören sich Besucher und Politiker daran.

von
cho/bz

«Bitte Lächeln»: Im Erlebnisbad Bernaqua darf seit Dezember fotografiert und gefilmt werden – und zwar über wie auch unter Wasser. Die Betreiber haben im Dezember entschieden, das Film- und Fotoverbot aufzuheben. Dies stellte Besucher Nick Kittelmann aus Ostermundigen fest, als er und seine Freundin sich ein wenig Entspannung und Wellness gönnen wollten.

«Als wir eine Mutter sahen, wie sie mit dem wasserdichten Handy ihre Tochter beim Planschen filmte, schüttelten wir nur den Kopf», so Kittelmann. Er habe sich nicht viel dabei gedacht und weiter gebadet. Im dunkleren Solebad habe er dann jedoch einen jungen Mann an einer Unterwasserkamera hantieren sehen. «Da habe ich mich wirklich unbehaglich gefühlt», sagt Kittelmann.

Pädophilen- und Porno-Seiten

Als Kittelmann beim Bademeister nachfragte, erklärte ihm dieser, dass im Bad wegen zahlreicher Reklamationen der Besucher Aufnahmen unter gewissen Auflagen neu erlaubt seien.

Der 40-Jährige ist erstaunt, dass sich Badegäste über das geltende Verbot beschwert haben: «Niemand kann kontrollieren, was mit den Aufnahmen geschieht.» Diese könnten etwa auf Pädophilen-Portalen oder anderen einschlägigen Internetseiten gestellt werden. «Ich warte nur auf den Aufschrei, wenn sich jemand im Internet findet», so der Ostermundiger.

Keine Fremden im Bild

Die Regeln bezüglich der Aufnahmen seien sehr streng, sagt Sharon Zwahlen, Leiterin Kommunikation vom Bernaqua. Sie verweist auf Punkt 19 der Haus- und Badeordnung: «Das Fotografieren und Filmen von fremden Personen sowie das Telefonieren ist verboten.» Lediglich Erinnerungsaufnahmen von sich selbst und eigenen Familienmitgliedern seien erlaubt.

Politiker, die sich im Sommer für ein Kameraverbot in Badis starkgemacht hatten, reagieren skeptisch. «Ich bin erstaunt, dass das Verbot aufgehoben wurde», sagt BDP-Nationalrat Bernhard Guhl. Er hoffe schwer, dass das Personal die Situation beobachte und den Entscheid sofort rückgängig mache, sobald sich die Fälle häuften, in denen Badegäste gegen ihren Willen fotografiert werden.

«Gäste versuchten es heimlich»

Mit der neuen Regelung wolle das Bad Filmen und Fotografieren kontrolliert legalisieren, so Zwahlen: «Vorher haben es Gäste heimlich versucht und jetzt erlauben wir es mit klaren Regeln.» Die Hausordnung sei angepasst worden, nachdem Familien vermehrt ihren Unmut geäussert hatten, dass sie den Badeplausch ihrer Kinder nicht fotografieren durften.

Um Missbrauch zu vermeiden, würde auf den Überwachungskameras genau beobachtet, was die Gäste aufnehmen. Zwahlen: «Es ist eine Gratwanderung, aber wir müssen auch mit der Zeit gehen.»

Alle Geräte tabu

In Schweizer Erlebnisbädern gelten unterschiedliche Regeln. Auch im Aquarena fun im Bad Schinznach AG sind Fotos tabu. «Da man nicht abschätzen kann, mit welchen Geräten man Aufnahmen machen kann, sind alle elektronischen Geräte verboten», sagt Martin Allgäuer, Bereichsleiter Thermalbäder und Spa. Eine Aufhebung käme nicht in Frage. «Wir wollen niemandem die Chance geben, Gäste nackt oder unvorteilhaft zu fotografieren.»

Im Swiss Holiday Park in Morschach dagegen gilt das Kameraverbot laut Betreiber Walter Trösch nur in den Nacktzonen. «Wir haben so viele Eltern, die ihre Kinder beim Schwimmen fotografieren wollen, dass ein Verbot im Erlebnisteil keinen Sinn machen würde.» Unangebrachte Fotos müssten die Gäste nicht befürchten: «Alles ist transparent und es gibt keine dunklen Ecken mehr.» Seit dem Umbau habe sich niemand mehr belästigt gefühlt.

Deine Meinung