Bärlauch-Gate: «Knoblauch der Bären» kostet fast 100 Fr pro Kilo
Aktualisiert

Bärlauch-Gate«Knoblauch der Bären» kostet fast 100 Fr pro Kilo

Eine Kundin findet einen lustigen Übersetzungsfehler auf der Bärlauch-Packung. Die Migros beweist Humor, doch am Ende reden alle über den Preis.

von
mat
1 / 8
Der Bärlauch ist eine der ersten Frühlingspflanzen.

Der Bärlauch ist eine der ersten Frühlingspflanzen.

Keystone/Martin Ruetschi
Mit seinem satten Grün und dem intensiven Geruch ist er ein deutlicher Vorbote der wärmeren Jahreszeiten.

Mit seinem satten Grün und dem intensiven Geruch ist er ein deutlicher Vorbote der wärmeren Jahreszeiten.

AP/Barbara Gindl
In einer Migros-Filiale in Lausanne machte eine Kundin eine lustige Entdeckung. Zwischen Rosmarin und Dill wurde «Ail des Ours» – wie Bärlauch auf Französisch korrekt heisst – angeboten. Die deutsche Bezeichnung auf dem Etikett war jedoch eine etwas zu wörtliche Übersetzung: «Knoblauch der Bären».

In einer Migros-Filiale in Lausanne machte eine Kundin eine lustige Entdeckung. Zwischen Rosmarin und Dill wurde «Ail des Ours» – wie Bärlauch auf Französisch korrekt heisst – angeboten. Die deutsche Bezeichnung auf dem Etikett war jedoch eine etwas zu wörtliche Übersetzung: «Knoblauch der Bären».

Twitter/@Ballymag

Der Bärlauch ist eine der ersten Frühlingspflanzen. Mit seinem satten Grün und dem intensiven Geruch ist er ein deutlicher Vorbote der wärmeren Jahreszeiten. Entsprechend findet man das mit Schnittlauch, Zwiebel und Knoblauch verwandte Kraut aktuell auch in den Supermärkten.

In einer Migros-Filiale in Lausanne machte eine Kundin am Kräuter-Regal eine lustige Entdeckung. Zwischen Rosmarin und Dill wurde «Ail des Ours» – wie Bärlauch auf Französisch korrekt heisst – angeboten. Die deutsche Bezeichnung auf der Etikette war jedoch eine etwas zu wörtliche Übersetzung: «Knoblauch der Bären».

Kaum hatte die Kundin den Schnappschuss mit der «Übersetzung des Tages», wie sie schrieb, auf Twitter gestellt, folgte die Reaktion der Migros: «Oh! Herzig ist's ja irgendwie», schrieb die Pressestelle und postete ein Smiley und ein Bären-Emoji dazu.

Es sei ein «amüsanter Fehler, der keine rechtlichen Probleme aufwirft», sagte Tristan Cerf, Mediensprecher Romandie, zu 20 Minuten: «Man versteht schon, dass es kein Sauerkraut ist.» Auch deshalb habe man das Bild auf den Facebook- und Twitter-Profilen geteilt. Mit einem Verweis auf die legendäre Rede des damaligen Bundespräsidenten Johann Schneider-Ammann vor drei Jahren, schrieb die Migros: «Rire, c'est bon pour la santé. Et le Bärlauch aussi.»

Doch statt mit dem Grossverteiler über den «Knoblauch der Bären» zu schmunzeln, kommentierten die meisten User vor allem den Preis und die Verpackung des Produktes. 1,95 Franken für 20 Gramm seien Wucher, schrieben die einen. Die Plastikverpackung sei schwerer als der Inhalt, kritisierten die anderen. Hochgerechnet ergibt sich beim Migros-Bärlauch ein Kilopreis von stolzen 97,50 Franken.

Nicht der erste Übersetzungsfehler

Es sei nicht aussergewöhnlich, dass die Kunden einen anderen Aspekt eines geposteten Bildes kommentieren, sagt Migros-Sprecher Cerf. Das zeige ja vor allem, dass es Interesse an der Migros gebe. Innerhalb von 24 Stunden waren auf Facebook über 700 Kommentare und weit über 3000 Likes eingegangen. Das sei erfreulich, so der Mediensprecher, jedoch keinesfalls Rekord. «Wir haben regelmässig Posts mit solchen Werten», sagt Cerf.

Aussergewöhnlich sei vielmehr die Tatsache, dass der Übersetzungsfehler vom Französischen ins Deutsche passiert sei. In der Regel geschehe dies häufiger, wenn die Ausgangssprache Deutsch sei. So sei in der Vergangenheit aus «Schweizer Bio-Bratbutter» im Italienischen einmal «Butter, um die Schweizer zu rösten» geworden. Und aus einem «Tannzapfen gefüllt» ein «gefüllter Weihnachtsschwanz» geworden («pive» und «pine» liegen nahe beieinander). Letzteres sei in den Achtzigern passiert, als es noch keine sozialen Medien gab, die den Fall hätten aufgreifen können.

Cerf versteht, dass das Closeup-Bild der Plastikverpackung beim Konsumenten Fragen aufwirft. Doch sei es in manchen Fällen aus ökologischer Sicht besser, auf Plastik zu setzen statt auf Papier, Karton oder Bio-Plastik. Man nehme solche Anliegen jedoch sehr ernst, weshalb die Migros ein Team beschäftige, das sich ausschliesslich mit Fragen der Nachhaltigkeit auseinandersetze und seine Erkenntnisse auf einer eigenen Website vorstelle.

Zudem sei es natürlich wichtig, dass ein so wertvolles Produkt richtig geschützt werde, witzelt Cerf. Die fast 100 Franken pro Kilo begründet er mit der Logistik aus Anbau, Transport und Lagerung sowie mit der kleinen Verkaufsmenge. Wenn man auf dem Markt eine grosse Menge Bärlauch hole, um Pesto für das ganze Jahr anzufertigen, dann falle der Preis natürlich etwas tiefer aus. Es bleibe zudem jedem Kunden freigestellt, im Wald die feuchten und dunklen Hänge abzusuchen und den Bärlauch selber zu sammeln. Er persönlich würde dies aus Angst vor einer Vergiftung jedoch nicht tun: «Mit Maiglöckchen und Herbstzeitlose hat der Bärlauch zwei gefährliche Doppelgänger.»

Deine Meinung